Darmkrebsrisiko steigt mit jedem Jahr Übergewicht

Übergewicht, also ein Body-Mass-Index (BMI) von mehr als 25, erhöht das Risiko einer Darmkrebserkrankung mit jedem Jahr. Das hat eine deutsche Langzeit-Beobachtungsstudie ergeben. Das Risiko steigt demnach auf das bis zu Zweieinhalbfache, schrieben die Autoren der wissenschaftlichen Arbeit jetzt in der Onkologie-Fachpublikation JAMA Oncology (Online) der Amerikanischen Ärztegesellschaft (AMA).

red/Agenturen

Die am Donnerstag erschienene Studie stammt aus dem Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ/Heidelberg). „Zahlreiche Krebsarten treten bei übergewichtigen Menschen häufiger auf als bei Normalgewichtigen. Dazu zählen unter anderem Brustkrebs, Krebs der Gebärmutter, der Niere oder der Speiseröhre - und auch Darmkrebs. Das belegen inzwischen zahlreiche Studien. Doch bei den meisten dieser Untersuchungen wurde das Körpergewicht der Teilnehmerinnen und Teilnehmer lediglich einmal abgefragt oder bestimmt“, hieß es am Freitag in einer Presseaussendung.

„Unsere Überlegung war aber, dass es für das Darmkrebsrisiko eine noch größere Rolle spielen müsste, wie lange ein Mensch die überzähligen Kilos mit sich herumträgt“, erklärte Hermann Brenner, Epidemiologe am DKFZ. Die Wissenschaft geht davon aus, dass Übergewicht die Entstehung von kolorektalen Karzinomen fördert, weil das Fettgewebe konstant Wachstumsfaktoren, Hormone oder entzündungsfördernde Substanzen abgibt. Also muss es einen Unterschied machen, ob der Körper diesem Einfluss nur über einen vergleichsweise kurzen Zeitraum ausgesetzt ist oder ob das Übergewicht über Jahrzehnte hinweg, möglicherweise sogar bereits seit der Jugend besteht.

Übergewicht hat großen Einfluss

Um diese Hypothese zu prüfen, nutzten Brenner und Kollegen die Daten der DACHS-Untersuchung. Seit 2003 begleiteten und befragten die DKFZ-Forscher für diese Fall-Kontroll-Studie im Rhein-Neckar-Raum Darmkrebspatient:innen sowie nach dem Zufallsprinzip ausgewählte Angehörige einer Kontrollgruppe ohne Darmkrebsdiagnose. Die DACHS-Teilnehmer wurden nach ihrem Gewicht in verschiedenen Lebensaltern ab ihrem 20. Lebensjahr gefragt. Anhand dieser Angaben errechneten die Epidemiologen für jeden der 5.635 Patient:innen und 4.515 Kontrollteilnehmer, die zwischen 2003 und 2017 in die Studie rekrutiert wurden, die Anzahl an Lebensjahren mit Übergewicht. Zusätzlich berücksichtigten die Forscher auch das Ausmaß von Übergewicht (ab einem BMI von 25; Adipositas: BMI größer 30).

„Es wurde eine Korrelation zwischen den Jahren mit Übergewicht und dem Risiko für ein kolorektales Karzinom beobachtet, das um den Faktor 1,25 bis 2,54 vom untersten Viertel (an Jahren mit Übergewicht; Anm.) bis zum obersten Viertel im Vergleich zu Personen mit gleichbleibend normalem Körpergewicht reichte“, schrieben die Wissenschafter.

„Aus unserer Studie wird deutlich, dass das Übergewicht einen noch größeren Einfluss auf das Darmkrebsrisiko hat als bisher angenommen. Es ist zu vermuten, dass das auch für viele andere Erkrankungen gilt, für die das Übergewicht ein bekannter Risikofaktor ist. Dies unterstreicht einmal mehr, wie wichtig es ist, bereits im Kindes- und Jugendalter vorzubeugen, dass Übergewicht entsteht“, betonte Brenner zu den Ergebnissen (DOI: 10.1001/jamaoncol.2022.0064).

Konsequente Früherkennung

Darmkrebs kann weit besser als andere Krebsarten durch konsequente Früherkennung verhütet werden. Mit der Vorsorge-Darmspiegelung steht eine Technik zur Verfügung, um Darmtumoren und ihre Vorstufen frühzeitig zu identifizieren und bei der Untersuchung gleich zu entfernen. Ab 50 Jahren sollte jeder Mensch zumindest alle zehn Jahr zu einer solchen Untersuchung. Österreichische Experten haben erst vor kurzem festgestellt, dass die Zahl dieser Vorsorgeuntersuchungen wegen der Covid-19-Pandemie im Jahr 2020 beispielsweise um fast 15 Prozent zurückgegangen ist.

2018 gab es in Österreich rund 22.700 Krebsdiagnosen bei Männern (davon Prostatakarzinome: 27 Prozent, Lungenkarzinome: 13 Prozent, Darmkrebs: elf Prozent) und rund 19.500 Neudiagnosen bei Frauen (davon Mammakarzinome: 29 Prozent, Lungenkarzinome: elf Prozent und Darmkrebs: zehn Prozent).