Ukrainekrieg

Zugang zu medizinischer Versorgung immer prekärer

Der Krieg in der Ukraine hat das Gesundheitssystem des Landes in vielen Regionen zum Erliegen gebracht. „Zerstörte Gesundheits-Infrastruktur und die unterbrochene Versorgung mit medizinischen Gütern gefährden jetzt Millionen Menschen“, stellte am Donnerstag das Europa-Regionalbüro der Weltgesundheitsorganisation (WHO) fest. Dokumentiert seien zumindest 64 völkerrechtswidrige Angriffe auf Gesundheitseinrichtungen.

red/Agenturen

„Ein Monat Krieg hat vernichtende Auswirkungen auf das Gesundheitssystem der Ukraine - mit stark verringertem Zugang zu Gesundheitsleistungen und dringenden Bedarf für die Versorgung von Verletzungen und chronisch Kranken“, schrieb das Europa-Regionalbüro der WHO mit Sitz in Kopenhagen. Das bedeute bei rund sieben Millionen Flüchtlingen im Land selbst und vier Millionen Menschen, welche in Nachbarländer geflüchtet seien, große Gefahr. „Gemäß den Angaben der Internationalen Organisation für Migration (IOM) leidet eine von drei in der Ukraine vertriebenen Personen an einer chronischen Erkrankung.“ Für sie gebe es in vielen Fällen kaum Zugang zu medizinischer Versorgung.

Gleichzeitig sei eine große 'Anzahl von Spitälern in der Ukraine jetzt zuvorderst mit der Versorgung von Kriegsverletzten beschäftigt. „Das geht zu Lasten der essenziellen Gesundheitsleistungen und der Primärversorgung. Man schätzt, dass etwa die Hälfte der öffentlichen Apotheken in der Ukraine geschlossen sind. Viele ehemals im Gesundheitswesen Beschäftigte sind selbst zur Flucht gezwungen worden oder können nicht mehr arbeiten. (...) An die 1.000 Gesundheitseinrichtungen befinden sich in der Nähe der Kampfzonen oder in Regionen unter wechselnder Kontrolle. Als Konsequenz davon wurde die Behandlung von Menschen mit chronischen Erkrankungen durch behinderten Zugang zu Arzneimitteln, Versorgungseinrichtungen und zu medizinischem Personal fast vollständig lahmgelegt.

„Angriffe berauben vulnerable Menschen“

Der russische Angriffskrieg hat jedenfalls laut dokumentierten Informationen nicht vor Attacken auf Gesundheitseinrichtungen Halt gemacht. Die WHO: „Bis 22. März hat die WHO 64 Attacken auf Gesundheitseinrichtungen verifiziert, dies innerhalb von 25 Tagen (zwischen 24. Februar und 21. März), was 15 Todesopfer und 37 Verletzte forderte. Das sind zwei bis drei solcher Angriffe pro Tag. Die WHO verurteilt diese Attacken auf das Schärfste.“

„Die Angriffe auf Gesundheitseinrichtungen sind eine Verletzung des internationalen Völkerrechts, gleichzeitig eine verstörend häufige Taktik in Kriegen. Sie zerstören kritische Infrastruktur, noch mehr - sie zerstören Hoffnung“, wurde Jarno Habicht, WHO-Repräsentant in der Ukraine, zitiert. „Die Angriffe berauben an sich bereits vulnerable Menschen ihrer Versorgung. Das macht oft den Unterschied zwischen Leben oder Tod aus. Die Gesundheitsversorgung sollte niemals ein Ziel sein.“

Die WHO arbeite eng mit dem ukrainischen Gesundheitsministerium zusammen, um dringenden Bedarf zu identifizieren und Lücken aufzufüllen. In Polen hätte man in Rzeszow bereits ein Zentrum für diese Aktivitäten etabliert. Entstanden sei auch eine Transportkette für Güter, welche dringend zur Versorgung von Verletzten benötigt werden. Mehr als hundert Tonnen an medizinischer Ausrüstung seien bereits über die Grenze in die Ukraine gebracht worden. Derzeit seien 36 Tonnen Versorgungsgüter auf dem Weg nach Lwiw (Lemberg). Weitere 108 Tonnen für die Behandlung von Verletzten und Arzneimittel für chronisch Kranke, Kinder sowie Ausrüstung für Bluttransfusionen befänden sich bereits in dieser „Pipeline“.

Bereits am 18. März hätte ein Transport die Stadt Sumy im Nordosten der Ukraine erreicht und dringend benötigtes Material für die Versorgung von 150 Verletzten und für die Primärversorgung von rund 15.000 Menschen für drei Monate geliefert. Darunter befänden sich auch Geräte zur künstlichen Beatmung et cetera. Schließlich hätte die WHO 20 medizinische Teams in die Ukraine, nach Polen und Moldawien entsandt, um Personal auszubilden und Lücken in der Versorgung zu schießen.

 

Rotes Kreuz Hilfgsüter
Die medizinische Behandlung der Menschen sowie der Zugang zu Arzneimitteln ist in den Kriegsgebieten stark erschwert. Das Österreichische Rote Kreuz sendet medizinische Hilfsgüter in die Ukraine gesendet.
APA_hans Punz