Forscher bauen Mini-Tumore mithilfe elektrischer Felder

Neue Therapien an möglichst realistisch nachgebauten Tumormodellen testen - das ist die Vision hinter einem Gerät, das Forscher der ETH Lausanne (EPFL) entwickelt haben. Es erlaubt, Zellverbände kontrolliert aufzubauen, beispielsweise zu Mini-Tumoren, an denen sich neue Therapien testen lassen. Kürzlich stellten sie das Gerät im Fachblatt „Electrophoresis“ vor.

red/Agenturen

Optisch ist das Gerät wenig auffällig: Es handelt sich um einen Chip mit einer Kantenlänge von knapp über einem Zentimeter, durchzogen von Elektroden und feinen, flüssigkeitsgefüllten Kanälchen, durch die sich Zellen bewegen können. Anzahl und Verhalten der Zellen, die die Aggregate formen, lasse sich mithilfe von elektrischen Feldern präzise kontrollieren, teilte die EPFL am Dienstag mit. Die Methode dahinter, Dielektrophorese genannt, beruht darauf, Zellen durch elektrische Felder anzuziehen oder abzustoßen - je nach den Eigenschaften der Zellen und der Flüssigkeit in den feinen Kanälchen.

So können die Wissenschafter die gewünschten Zellen auswählen, mit einem elektrischen Feld im Zentrum des Chips zusammenführen und einen Zellhaufen bilden lassen. Anschließend lasse sich das Aggregat isolieren, ohne auseinanderzufallen, schrieb die EPFL.

Den Nutzen solcher Zellaggregate erklärte Jonathan Cottet am Beispiel der Elektrochemotherapie. Dabei werden elektrische Felder genutzt, um die Zellmembranen von Tumorzellen für Medikamente durchlässig zu machen. „Aber um diese Methode zu verbessern und zu standardisieren, müssen wir Tests an Modellen durchführen, die Tumoren sehr ähnlich sind - und solche Modelle existieren einfach nicht“, so Cottet. Bisher wären solche Tests nur auf Zell-Ebene möglich.

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