Roboter-Teiloperationen könnten mittelfristig möglich sein

Der Direktor der Innsbrucker Universitätsklinik für Neurochirurgie, Claudius Thomé, hält teilweise selbstständig von Robotern durchgeführte Operationen für gar nicht so ferne Zukunftsmusik. In „zehn bis 20 Jahren" könnten Teile von Operations-Schritten von roboterähnlichen Geräten selbst übernommen werden, sagte Thomé am Montag am Rande einer Pressekonferenz in Innsbruck.

red/Agenturen

Die Möglichkeit einer kompletten Übernahme von Operationen durch Roboter halte er aber für sehr weit in der Zukunft liegend. „Womöglich dauert das noch 50 Jahre", schätzte Thomé. Er könne sich aber nicht vorstellen, dass Mensch bzw. Chirurg dann komplett außen vor sein werden. Eine „Supervision" von Medizinern werde es wohl immer geben, erklärte der Neurochirurgie-Direktor. Und letztlich werde man auch immer auf menschliche Expertise angewiesen sein, etwa wenn es darum gehe, eine Entscheidung zu treffen, ab wann es nötig ist, eine Operation zu beenden.

Heutzutage könne man jedenfalls noch nicht von Roboter-Eingriffen sprechen. Bei den Geräten, die zum Einsatz kommen, handle es sich um sogenannte „Tele-Manipulatoren", die etwa unterstützend Bilddaten von Patienten liefern und der „Zielpunktbestimmung " dienen. Sehr wohl rechnete Thome aber damit, dass Artificial Intelligence in den kommenden Jahren bildgebende Verfahren wie Computertomografie oder Kernspintomografie übernehmen wird.

Eigentliches Thema der Pressekonferenz war aber die Tatsache, dass beim heurigen 60. Österreichischen Chirurgenkongress mit Thomé erstmals ein Neurochirurg als Kongresspräsident fungieren wird. Ein Zeichen für die Wichtigkeit der Zusammenarbeit „aller chirurgischen Disziplinen", bei der es darum gehe voneinander zulernen und die Entwicklung in den einzelnen Fächern mitzubekommen, wie Thome und Dietmar Öfner-Velano, Direktor der Innsbrucker Uni-Klinik für Visceral-, Transplantations-, und Thoraxchirurgie, erklärten.

Chirurgische Entwicklungen überschneiden sich immer öfter

Entwicklungen, die sich laut den Medizinern immer öfter überschneiden. So seien etwa minimalinvasive Eingriffe für Chirurgen Tagesgeschäft - für Neurochirurgen bis vor kurzem hingegen komplettes Neuland. Seit rund einem Jahr seien aber „endoskopisch assistierte Tumor-Operationen" auch auf der Innsbrucker Neurochirurgie „tägliche Praxis", so Thome. Innsbruck sei in der Verwendung eines Endoskops bei solchen Operationen zusätzlich zu einem Mikroskop durchaus „Vorreiter" in Österreich, meinte der Neurochirurg.

Das Färben und Markieren von Gefäßen und Tumoren während einer Operation, um Tumorreste im Gehirn sichtbar zu machen, sei wiederum seit vielen Jahren altbewährte Praxis in der Neurochirurgie. Die Methode verbreite sich aber auch seit kurzem in anderen chirurgischen Fächern, wie Öfner-Velano berichtete.

Gemeinsam war Thomé und Öfner-Velano auch eine Forderung in Sachen Ausbildung - und zwar nach einer Spezialausbildung für chirurgische Intensivstationen. Eine Möglichkeit dafür fehle im Rahmen der neuen Ausbildungsordnung. Solche chirurgischen Intensivstationen gebe es derzeit neben Innsbruck auch in Wien und Graz. Sie werden von Chirurgen in Zusatzausbildung in Kooperation mit Anästhesisten geführt. Durch die fehlende Möglichkeit zur Ausbildung würde Kompetenz verloren gehen und man im deutschsprachigen Raum deutlich benachteiligt, kritisierten die Mediziner.

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