Kärntner Ärzte sollen für Kinderschutz sensibilisiert werden

Ärzte in Kärnten sollen in Zukunft stärker für möglicherweise vernachlässigte oder misshandelte Kinder sensibilisiert werden. Wie LHStv. Beate Prettner (SPÖ) am Mittwoch vor Journalisten sagte, kommt derzeit nur ein Prozent der gesamten Mitteilungen auf Verdacht von Kindeswohlgefährdungen aus dem Kreis niedergelassener Ärzte. Ihnen soll nun eine Broschüre als Leitfaden dienen.

red/Agenturen

„Vor einigen Jahren hat es eine Reihe von dramatischen Fälle von Vernachlässigung oder Misshandlung von Kindern gegeben. Einige Familien hatten gar keinen Kontakt mit den Hilfsstellen, aber sehr wohl mit Medizinern“, erklärte die Kärntner Ärztekammer-Präsidentin Petra Preiss. Es sei nötig, niedergelassene Ärzte und Fachärzte besonders zu sensibilisieren, Kinderärzte seien für solche Fälle bereits speziell ausgebildet. „Aber zum Beispiel im Bereich der Zahnmedizin ist es eine Tatsache, dass Kinder mit einem stark vernachlässigten Gebiss auch in anderen Bereichen oft vernachlässigt oder misshandelt werden.“

Wie Prettner sagt, haben rund zehn Prozent der Kärntner Kinder im Laufe ihrer Kindheit oder Jugend einmal Kontakt mit der Kinder- und Jugendhilfe. Maßnahmen würden besser greifen, je früher diese erfolgen. Aus diesem Grund werde auch die Fachstelle für Kinderschutz aufgestockt: Neben dem Leiter, Raphael Schmid, wurde bereits eine zweite Stelle besetzt, im Herbst sollen zwei weitere Mitarbeiter hinzukommen.

Zahl der Verdachtsfälle auf Kindeswohlgefährdung 2018 auf fast 3.000 angestiegen

Schmid verwies auf die stetige Zunahme von gemeldeten Verdachtsfällen auf Kindeswohlgefährdungen: „Im Jahr 2014 wurden insgesamt 1.118 selbst wahrgenommene Verdachtsfälle auf Kindeswohlgefährdungen gemeldet, 2018 waren es 2.995 Fälle.“ Jedem einzelnen Fall werde nachgegangen, so Schmid, der die Zahl in Relation rückt: „Es ist bei weitem nicht so, dass bei jedem dieser Fälle eine Maßnahme nötig ist.“ Manchmal würden Meldungen Familien betreffen, mit denen die Kinder- und Jugendhilfe bereits in Kontakt ist, erklärte Schmid: „Bei etwa 50 Prozent der neu gemeldeten Familien ist eine Maßnahme nötig.“ Begründet wird die starke Steigerung bei den gemeldeten Fällen mit dem 2013 geänderten Kinder-und Jugendhilfegesetz, das mit einer großflächigen Sensibilisierung von vielen Berufsgruppen für das Kinderwohl verbunden war.

Eine Maßnahme, die die Kinder- und Jugendhilfe trifft, ist etwa eine Unterstützung bei finanziellen Engpässen - auch eine mögliche Ursache für Vernachlässigung von Kindern - oder eine Familien-Intensivbetreuung. Insgesamt 1.052 Kinder und Jugendliche in Kärnten wurden im Jahr 2018 außerhalb der Familie betreut, in sozialen Einrichtungen oder bei Pflegefamilien. Hier gibt es ebenfalls eine Steigerung, laut Prettner fallen auch unbegleitete minderjährige Flüchtlinge in diesen Bereich. 2014 waren es noch 841 Kinder und Jugendliche gewesen, die außerhalb der Familie betreut wurden. Die überwiegende Zahl dieser Fälle laufe laut Schmid im Einvernehmen mit den Eltern ab, nur in wenigen Fällen gebe es Konflikte.

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