OECD-Studie

Adipositas schwächt Wirtschaft und Gesellschaft

In den kommenden dreißig Jahren werden über 90 Millionen Menschen in den OECD-Ländern an Krankheiten sterben, die auf starkes Übergewicht zurückgehen. Übergewicht wird im gleichen Zeitraum die Lebenserwartung um fast drei Jahre reduzieren. Dies ist das Ergebnis einer neuen Studie.

red/Agenturen

Die Untersuchung „The Heavy Burden of Obesity - The Economics of Prevention“ zufolge ist in 34 der 36 OECD-Länder mehr als jeder Zweite übergewichtig und fast jeder Vierte krankhaft übergewichtig (adipös). Zwischen 2010 und 2016 ist der Anteil der adipösen Erwachsenen in den OECD-Ländern von 21 auf 24 Prozent gestiegen - ein Zuwachs von 50 Millionen. In Deutschland ist knapp jeder vierte Erwachsene adipös, in Österreich und der Schweiz etwa jeder fünfte Erwachsene.

90 Millionen Todesfälle durch zu viel Gewicht in den kommenden 30 Jahren 

Adipöse Erwachsene haben eine niedrigere Lebenserwartung und ein erhöhtes Risiko für chronische Krankheiten wie Diabetes. Mit Blick auf die 28 EU-Länder zeigt sich ein deutlicher Zusammenhang zum Einkommen: Frauen und Männer der untersten Einkommensgruppe entwickeln im Vergleich zu Frauen und Männern der höchsten Einkommensklasse mit 90 bzw. 50 Prozent höherer Wahrscheinlichkeit krankhaftes Übergewicht. Menschen, die an mindestens einer mit Übergewicht in Zusammenhang stehenden chronischen Krankheit leiden, haben eine acht Prozent geringere Wahrscheinlichkeit, im Lauf des Folgejahres eine Anstellung zu finden. Wer eine Stelle hat, fehlt mit 3,4 Prozent erhöhter Wahrscheinlichkeit häufiger bei der Arbeit bzw. ist weniger produktiv.

„Es gibt ganz klare ökonomische und gesellschaftliche Gründe dafür, dem Trend zu krankhaftem Übergewicht eine Politik entgegenzusetzen, die eine gesündere Lebensweise fördert“, wurde OECD-Generalsekretär Angel Gurria in einer Aussendung zitiert.

Minus beim BIP

Übergewicht und Adipositas schlagen in Zukunft auch auf das Bruttoinlandsprodukt (BIP). Laut OECD dürfte das BIP im Zeitraum zwischen 2020 und 2050 in Japan dadurch um 1,6 Prozent geringer als möglich ausfallen. Für Österreich wurde ein Wert von um die minus 2,5 Prozent errechnet. Österreich befindet sich im Vergleich in einer relativ guten Position. In Frankreich und Italien werden es minus 2,7 bzw. minus 2,8 Prozent sein, in Deutschland minus drei Prozent (OECD-Durchschnitt: minus 3,3 Prozent). An der Spitze sind Länder wie Polen (minus 4,3 Prozent), die USA (minus 4,4 Prozent) und Mexiko (minus 5,3 Prozent).

Bereits jetzt entfallen 8,4 Prozent der Gesundheitsausgaben in den OECD-Ländern auf die Behandlung von Krankheiten, die mit starkem Übergewicht in Zusammenhang stehen. Deutschland liegt mit 10,7 Prozent der Gesundheitsausgaben noch weit darüber und gibt zusammen mit den Niederlanden und den USA unter allen OECD-Ländern am meisten für die Behandlung der Folgen von Übergewicht aus. Der Studie zufolge verursacht Adipositas in den OECD-Ländern statistisch gesehen 70 Prozent der Diabetes-Behandlungskosten, 23 Prozent der Behandlungskosten für Herzkreislauferkrankungen und neun Prozent der Krebs-Behandlungskosten.

Adipös
Laut einer am Samstag veröffentlichten Studie der Gesundheitsbehörde Public Health England (PHE) erhöht Fettleibigkeit das Risiko, an der vom Coronavirus ausgelösten Lungenkrankheit Covid-19 zu sterben, um 40 Prozent.
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