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Hausapotheken

Apothekerkammer erteilt Vorstoß der BWB Abfuhr

Die Apothekerkammer hat am Freitag dem Vorstoß der Bundeswettbewerbsbehörde (BWB) für eine Liberalisierung bei den Hausapotheken eine Abfuhr erteilt. Es sei eine Illusion zu glauben, damit die Gesundheitsversorgung im ländlichen Raum verbessern zu können, sagten die Vertreter der Kammer bei einer Pressekonferenz.

red/Agenturen

Im Gegenteil: Eine Liberalisierung würde die Schließung von zehn Prozent der Apotheken „in der Minute“ bedeuten, wie Gerhard Kobinger, Präsidiumsmitglied der Apothekerkammer, betonte. Insgesamt wäre fast die Hälfte der Apotheken nach seinen Worten zumindest gefährdet. „Die Versorgung ist gefährdet, wenn die Bundeswettbewerbsbehörde mit Vorschlägen daherkommt, die geeignet sind, Apotheker und Ärzte aufeinanderzuhetzen“, sagte Jürgen Rehak, Präsident des Österreichischen Apothekerverbandes.

Die BWB hatte am Mittwoch auf Basis einer Branchenuntersuchung zur Gesundheitsversorgung im ländlichen Raum vorgeschlagen, den Apothekenmarkt zu liberalisieren, um Hausarztordinationen am Land attraktiver und damit lukrativer zu machen. Dabei stelle die ärztliche Hausapotheke „aus wettbewerblichen Gesichtspunkten ein entscheidendes Instrument“ dar. Diese könnten „insbesondere im ländlichen Raum einen entscheidenden Beitrag zu einer möglichst flächendeckenden Gesundheitsversorgung der Bevölkerung leisten“. Derzeit dürfen praktische Kassenärzte nur dann eine Hausapotheke betreiben, wenn es im Umkreis von vier bzw. sechs Straßenkilometern keine öffentliche Apotheke gibt. Eröffnet eine Apotheke in diesem Gebiet, muss der Hausarzt seine Apotheke binnen drei Jahren schließen. Die BWB forderte unter anderem die ersatzlose Streichung dieser gesetzlichen Mindestentfernungen.

Alternative in einer Novelle des Apothekengesetzes

Kobinger hielt dem eine Untersuchung der Sozialversicherung unter Turnusärzten entgegen, die vor allem die Lebensumstände am Land für den mangelnden Willen als Hausarzt dort arbeiten zu wollen, als Grund anführt - im speziellen die Work-Life-Balance. Dabei sei auch gefragt worden, inwiefern die Hausapotheken den Beruf eines Landarztes attraktiver machen würde. „Ja, es ist ein bisschen Geld, aber glücklich macht mich das auch nicht“, umriss Kobinger das Ergebnis der Befragung und widersprach damit der Erwartung der BWB, mit der Maßnahme mehr praktische Ärzte aufs Land locken zu können.

Raimund Podroschko, Vizepräsident der Apothekerkammer, wies darauf hin, dass etwa 6.000 Arbeitsplätze mit einem Frauenanteil von 89 Prozent und zahlreiche Lehrstellen in Gefahr wären. Ein wichtiges Argument für ihn: „Es ist mir nicht klar, wie die Therapie von Suchtkranken in Notabgabestellen funktionieren soll.“ Hausapotheken hätten wesentlich weniger Wochenstunden geöffnet. Durchschnittlich hätten öffentliche Apotheken 66 Nachtdienste pro Jahr.

Für die Apothekerkammer besteht die Alternative in einer Novelle des Apothekengesetzes, die zweimal einem Ende der jeweiligen Legislaturperiode zum Opfer gefallen sei, wie Karin Rösel-Schmid, stellvertretende Kammeramtsdirektorin der Apothekerkammer ausführte. Darin sollte unter anderem eine Flexibilisierung der Öffnungszeiten bis zu 72 Stunden pro Woche, die Einführung einer mobilen Apotheke mit der Hauszustellung, insbesondere etwa für Pflegeheime und die Einführung von Filialapotheken enthalten sein. „Ich erwarte mir von einer neuen Regierung, dass sie als eine ihrer ersten Maßnahmen die Novelle des Apothekengesetzes umsetzt“, sagte Rösel-Schmid.