Ärzte ohne Grenzen

Lage in Nordsyrien „unglaublich prekär"

So beschreibt Robert Onus, Leiter des Notfalleinsatzes von Ärzte ohne Grenzen in Syrien, die Lage der Menschen in der von der türkischen Militäroffensive gegen Kurdenmilizen betroffenen Region des Landes. Im Telefongespräch mit der APA sprach Onus am Freitag von „Massendislozierung“ durch die jüngsten Kämpfe, die nun im Rahmen einer fünftägigen Feuerpause ruhen sollen.

red/Agenturen

Die am Donnerstag verkündete Waffenruhe ist allerdings brüchig. Ärzte ohne Grenzen (MSF) hatten am Dienstag angekündigt, alle internationalen Mitarbeiter aus Sicherheitsgründen aus Nordsyrien abzuziehen. „Dies waren extrem schwierige Entscheidungen“, teilte MSF mit. Onus bestätigte, dass der Abzug inzwischen erfolgt ist. Er selbst hält sich derzeit in Amsterdam auf und koordiniert von Europa aus weitere Hilfsmaßnahmen.

Für Ärzte ohne Grenzen sei wichtig, dass die Sicherheit der Helfer und ihrer Patienten sichergestellt sei und dass die Menschen Zugang zu Hilfe haben. Nur so könne man auch „neutral und unparteiisch“ Hilfe leisten, betonte Onus. Die Hilfe, die derzeit geleistet werden könne, sei jedenfalls im Vergleich zu einer Situation, wo man an Ort und Stelle präsent sei, eingeschränkt. Der Australier nannte daher etwa nicht medizinische Versorgung, sondern vor allem die Bereitstellung von Wasser und Decken an Binnenflüchtlinge in Raqqa oder Hasaka, als Beispiele dafür, was MSF Schutzsuchenden derzeit bieten. Man beobachte die Lage, um zu sehen, wie man weiter helfen könne.

Versteckte Zerstörung

Ob und wann die internationalen MSF-Mitarbeiter zurückkehren könnten, ist für den Australier schwer zu sagen. Die Feuerpause „gibt sicher Hoffnung, aber die Situation bleibt fragil. Es ist schwierig Voraussagen zu machen“, sagte Onus. Offenbar geht er aber doch von mindestens ein paar Wochen aus, indem er an die bevorstehende Kälte erinnerte: „Der Winter kommt und, wie wir wissen, kann der Winter in Syrien sehr kalt sein.“ Am meisten würden Kinder, alte und behinderte Menschen sowie Frauen unter den Folgen der Kampfhandlungen leiden. Onus sprach auch von „versteckten Schichten“ des bewaffneten Konflikts: So gebe es neben der sichtbaren Zerstörung und Verletzten etwa Menschen die von lebenswichtigen Medikamenten abgeschnitten seien.

Bisher flohen nach Angaben der „Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte“ mit Sitz in London 300.000 Menschen vor der türkischen Armee. Onus sprach von einer Massenbewegung Richtung Süden, in Gebiete, die die türkische Armee kontrolliert, aber auch in den benachbarten Irak. Er erinnerte daran, dass Nordsyrien bereits vor der türkischen Offensive Tausende Flüchtlinge des mehr als achtjährigen Bürgerkriegs in Syrien und der Niederwerfung der Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) beherbergte.

Ärzte ohne Grenzen ersucht um Spenden für die Syrien-Hilfe unter folgenden Kontodaten:

Erste Bank, IBAN: AT43 2011 1289 2684 7600, BIC: GIBAATWWXXX