Deutschland

Eigenanteil bei Komplikation nach plastischer Chirugie bleibt

Kommt es durch eine Brustvergrößerung oder andere Schönheitsoperation zu Komplikationen, müssen Betroffene bei der nachfolgenden Behandlung weiterhin einen Eigenanteil bezahlen. Auch wenn sich Frauen deutlich häufiger aus kosmetischen Gründen unters Messer legen, ist die Selbstbeteiligung keine indirekte Frauendiskriminierung, wie das Bundessozialgericht (BSG) in Kassel in einem Urteil bekanntgab.

red/Agenturen

Es wies damit eine Frau aus Berlin ab. Sie hatte sich im Juni 2017 ihre Brüste vergrößern lassen. Weil die Implantate undicht waren, wurden sie im November 2017 wieder entfernt. Das Krankenhaus rechnete 4590 Euro über die Krankenkasse ab. Diese bezahlte, forderte von der Versicherten aber einen hälftigen Eigenanteil, also 2295 Euro. Ein solcher Eigenanteil ist gesetzlich vorgesehen. Die Höhe hängt auch vom Einkommen und gegebenenfalls von anderweitigen Gesundheitsausgaben ab.

In dem nun entschiedenen Fall meinte die Klägerin, sie werde unzulässig diskriminiert. Weil „mit Blick auf ein gesellschaftlich anerkanntes Schönheitsideal“ überwiegend Frauen Schönheitsoperationen machen ließen, liege eine indirekte Frauendiskriminierung vor. Zudem sei es ungerecht, wenn nach Schönheitsoperationen ein Eigenanteil verlangt werde, nicht aber von Menschen, die rauchten, Alkohol konsumierten, sich ungesund ernährten oder Risikosportarten betrieben.

Eigenvorsorge in „verhältnismäßiger Weise“

Das BSG ließ diese Argumente nicht gelten. Mit den Regelungen zur Eigenbeteiligung an den Behandlungskosten aufgrund einer nicht medizinisch indizierten kosmetischen Operation habe der Gesetzgeber „in verhältnismäßiger Weise den Bereich der Eigenvorsorge umrissen“.

Dass mehr Frauen als Männer Schönheitsoperationen in Anspruch nehmen, „beruht nicht auf struktureller Benachteiligung“, betonten die obersten Sozialrichter. „Soweit die Entscheidung Betroffener für ästhetische Operationen auf einem überkommenen Rollenbild aufbaut, gibt die Verfassung keinen Anlass, dieses zu verfestigen.“

Die Ungleichbehandlung gegenüber anderem Risikoverhalten sei nicht willkürlich, sondern sachlich gerechtfertigt. Anders als eine Schönheitsoperation taste solches Verhalten „nicht unmittelbar die körperliche Integrität an“, betonte das BSG. Zudem sei es „nur schwer zu erfassen“.