Patient im Zentrum

Leitlinien aus „Weißbuch Gesundheit“ präsentiert

Seit Mai arbeiten internationale und nationale Experten aus dem Gesundheitsbereich an einem Weißbuch zur Zukunft der Gesundheitsversorgung. Bei einer Pressekonferenz am Mittwoch präsentierte der Verein Praevenire einen Zwischenbericht. Bisher wurden zehn Leitsätze erarbeitet. Im Fokus steht dabei die Prämisse, dass der Patient in den Mittelpunkt des Gesundheitssystems gestellt werden müsse.

red/Agenturen

Die Versorgungslage in Österreich sei grundsätzlich sehr gut, stellte der Präsident des Vereins, der frühere Hauptverbandschef und ehemalige Finanzminister Hans Jörg Schelling, fest. Allerdings gebe es „ein Kostenproblem“, das System sei nicht effizient. Um den zukünftigen Herausforderungen, die unter anderem durch die immer älter werdende Bevölkerung entstehen, zu begegnen, will der Verein Handlungsanleitungen für die Politik erarbeiten. Das fertige Weißbuch soll im April oder Mai 2020 der künftigen Regierung übergeben werden.

„Wir wollen eine patientenorientierte, wohnortnahe Versorgung sicherstellen“, sagte Schelling. Wichtigster Leitsatz, auf den sich die Experten geeinigt haben, ist, dass der Patient und nicht das System im Mittelpunkt aller Überlegungen stehen müsse. Zudem soll die Gesundheitskompetenz der Menschen gestärkt und Prävention gefördert werden. Außerdem müsse die Finanzierung des Gesundheitssystems aus einem Topf erfolgen. „Wir haben jetzt eine völlig zerklüftete Finanzierung“, kritisierte Schelling. Die einzelnen Gesundheitsberufe sollen besser vernetzt, der niedergelassene Bereich gestärkt und die Möglichkeiten der Digitalisierung verstärkt genutzt werden. Ein Anliegen ist es den Experten auch, dass mehr Transparenz hergestellt wird. Es sei „kurios“, dass es Qualitätsdaten gebe, die nicht veröffentlicht werden dürften, sagte Schelling.

Unterschiedliche Modelle im Rahmen von Versuchsregionen testen

„Ich fordere eine Transparenzoffensive im österreichischen Gesundheitswesen“, bekräftigte Niederösterreichs Patientenanwalt Gerald Bachinger. „Die Bürger müssen wissen, was mit ihren Sozialversicherungsbeiträgen passiert.“ Außerdem brauche es neue Formen der Bürger- und Patientenbeteiligung. „Wir müssen davon wegkommen, dass Experten mit Experten über Patientenbedürfnisse reden.“

Wie konkret das alles erreicht werden könnte, wird derzeit noch diskutiert. Die Initiative schlägt jedenfalls vor, unterschiedliche Modelle im Rahmen von Versuchsregionen zu testen. Um die Versorgung auch in Zukunft sicherzustellen, müsse mittlefristig auch deutlich mehr Geld in die Hand genommen werden, bekräftigte Ärztekammerpräsident Thomas Szekeres seine Forderung nach einer Erhöhung der Gesundheitsausgaben auf 12 Prozent des BIP.

Jede künftige Regierung wäre gut beraten, die Vorschläge positiv anzunehmen, betonte Schelling. Denn noch nie hätten so viele Experten gemeinsam an einer Reform des Gesundheitssystems gearbeitet.