Steigende Rettungseinsätze

Rotes Kreuz ortet Handlungsbedarf

Sanitäter sollen in Zukunft entscheiden dürfen, ob im Falle eines Notrufs ein Transport in ein Krankenhaus notwendig ist, oder ob ein Besuch beim Hausarzt am nächsten Tag vielleicht die Lösung wäre. Das wünscht sich das Österreichische Rote Kreuz (ÖRK). Ein Umdenken in diese Richtung sei aufgrund der steigenden Anzahl von Rettungseinsätzen erforderlich, hieß es in den „Salzburger Nachrichten“.

red/Agenturen

„Gegen einen Teil dieser Steigerungen kann man etwas tun“, erläuterte Bundesrettungskommandant Gerry Foitik gegenüber der APA, „denn bei 20 Prozent der Rettungseinsätze haben wir den Eindruck, dass hier ein Arztbesuch besser wäre.“ Die Problematik gibt es jedenfalls nicht nur in Österreich, sondern werde gegenwärtig auch in Deutschland diskutiert, führte Foitik aus. Für den Patienten sei es oft schwer festzustellen, was seine Symptome bedeuten. Wenn nun jemand beim Notruf angibt, dass er etwa keine Luft bekomme, dann könne dies ein tatsächlicher Notfall sein. Aber auch eine Bronchitis und eine Verschleimung der Atemwege wären hier eine Erklärung. In diesem Fall wäre ein Besuch beim Hausarzt ausreichend.

Der Umstand, dass Menschen die Notrufnummer 144 wählen, obwohl es sich um gar keinen echten Notfall handelt, führe unter anderem dazu, dass 20 bis 30 Prozent der Patienten unnötig ins Spital eingeliefert werden, erläuterte Foitik in dem Bericht der „Salzburger Nachrichten“ vom Mittwoch. Aus dem Ende Oktober erscheinenden Rotkreuzmagazin wurden zudem Zahlen zu den steigenden Rettungseinsätzen veröffentlicht: In Oberösterreich haben sich diese von 2008 bis 2018 beispielsweise von 44.010 auf 65.537 erhöht, was einem Zuwachs von 49 Prozent entspricht. Notarzteinsätze stiegen von 23.086 auf 27.384 (knapp 19 Prozent) und jene der Krankentransporte von 361.005 auf 423.193 (17 Prozent). Die Gesamtzahl aller Einsätze in Österreich ist laut Rotem Kreuz binnen zehn Jahren von 2,7 Millionen auf 3,1 Millionen gestiegen (plus 17,3 Prozent).

Stress und Überlastung

Für die rund 37.000 ehrenamtlichen Rotkreuzhelfer bedeutet diese Entwicklung Stress und Überlastung, laut Foitik mussten wegen der fehlenden Kapazitäten bereits in einigen Bundesländern hauptberufliche Kräfte eingestellt werden. Eine Lösung läge nun darin, dass die Sanitätsdienste statt Transporteur und Erstversorger zum Gesundheitsdienstleister werden. Notwendig wäre dafür eine Änderung des Sanitätergesetzes, wie auch des Sozialversicherungsgesetzes. Bei der jetzigen Rechtslage muss der Rettungsdienst einen Patienten nach Notruf ins Spital - und nicht selten bereits nach einer halben Stunde wieder nach Hause bringen - nämlich dann, wenn keine Dringlichkeit für eine Behandlung besteht. Geht der Rettungsdienst jedoch stattdessen das Risiko ein, dem Patienten einen Besuch beim Hausarzt zu empfehlen, bleibt er auf den Kosten sitzen.

Laut dem Bundesrettungskommandanten wäre es sinnvoller, wenn der Sanitäter in Zukunft entscheiden könnte, ob der Weg ins Krankenhaus, oder doch jener zum Hausarzt anzuraten wäre. Analog zur Gesundheitshotline 1450 könnte ein Algorithmus bei dieser Entscheidung helfen, schlug Foitik vor. Hängt die Kostenübernahme durch die Krankenkasse nicht mehr vom Transport, sondern vom Einsatz ab, dann würde dies das gesamte Gesundheitssystem entlasten.

Rettungsdienst
Der Umstand, dass Menschen die Notrufnummer 144 wählen, obwohl es sich um gar keinen echten Notfall handelt, führe unter anderem dazu, dass 20 bis 30 Prozent der Patienten unnötig ins Spital eingeliefert werden.
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