Bildung

Schulen und Kindergärten suchen Wege aus der Lärmfalle

In Österreichs Kindergärten und Schulen ist es zu laut. Das erschwert die Konzentration, erzeugt Stress und schädigt Ohren, Herz-Kreislauf- und Hormonsystem, warnt der Umweltdachverband. Seit 2017 sucht er mit Partnern in einem Projekt gemeinsam mit Bildungseinrichtungen Wege zum „Lernen ohne Lärm“.

red/Agenturen

Am 21. November werden bei einer Konferenz in Wien daher „neue Möglichkeiten der Lärmprävention“ gezeigt, die dringend nötig wären. Denn Studien zufolge bewegt sich der Lärmpegel im Klassenzimmer zwischen Staubsauger und Rasenmäher. Das ist nicht nur für Lehrerinnen und Lehrer ein Problem, wie Anna Streissler vom Umweltdachverband betont. „Die Schülerinnen und Schüler leiden selbst darunter, wissen sich aber am wenigsten zu helfen.“

Durch die Zunahme von Ganztagsschulen hat sich das Problem laut Streissler verschärft. „Dadurch haben sich die räumlichen Anforderungen an die Schulen verändert, die Räume sind in vielen Fällen jedoch gleich geblieben.“ Es gebe an Schulen nur wenig Rückzugsräume und bei nachträglich eingebauten Speisesälen werde oft nicht genug auf Raumakustik geachtet. „Das ist laut und macht Stress.“

„Lärm-Sensibilisierungskoffer“ werden entwickelt

Bei der Konferenz „Lernen ohne Lärm - Wege zu leiserem Lernen und Leben in Kindergärten und Schulen“ sollen unter anderem jene Lösungsansätze präsentiert werden, die 16 Bildungseinrichtungen in den vergangenen Monaten beim Projekt „Lernen ohne Lärm“ entwickelt und umgesetzt haben. Als Tool für weitere Kindergärten und Schulen entwickelt das Projektteam aus Umweltdachverband, AUVA, Umwelt-Bildungs-Zentrum Steiermark und weiteren Experten gerade verschiedene „Lärm-Sensibilisierungskoffer“ mit altersgerechten Experimenten, Spielen und Schaubildern rund ums Hören.

Entscheidend für eine Verbesserung der Situation ist für Streissler die Einbindung der Schüler. Wenn diese gemeinsam mit ihren Lehrern das Phänomen Lärm erforschen und individuelle Lösungen für ihren Standort erarbeiten, sei das ein wesentlicher Schritt, damit Kinder und Jugendliche sensibilisiert werden und der Lärm auch nachhaltig verringert wird.

Einzelinitiativen zum Thema gibt es bereits an vielen Schulen, von der Lärmampel über Achtsamkeitsübungen bis zu Klassenvereinbarungen, die auch Lärm zum Thema machen. „Das funktioniert dann eine Zeit lang. Aber wenn die Einzelmaßnahmen nicht in einem größeren Kontext stehen, schleifen sich im Schulalltag wieder andere Gewohnheiten ein und man verliert das Thema aus dem Blick. Wichtig ist daher ein Prozess, der die gesamte Bildungseinrichtung umfasst“, betont Streissler.

Unterschiedliche bauliche Voraussetzungen

Bei „Lernen ohne Lärm“ haben sich einige Schulen das Thema als Jahresprojekt vorgenommen, andere haben Lärm zum Teil ihres Gesundheits- oder ökologischen Schwerpunkts gemacht und dafür Schulärztin und externe Experten eingebunden. Eine Schule in Klagenfurt hat das Thema im Zweig „Gesundheit und Soziales“ in den Lehrplan aufgenommen.

Die Schulen und Kindergärten haben dann individuelle Lösungen gesucht, um den Lärm zu verringern. „Jede Schule hat andere bauliche Voraussetzungen, Lehrerinnen und Lehrer setzen verschiedene inhaltliche Schwerpunkte und auch die Schülerinnen und Schüler gestalten das Projekt nach ihren Interessen mit.“ In einer Volksschule in Graz wurde etwa zusätzlicher Raum geschaffen, indem einige Schüler an auf Teppichen platzierten Tischen am Gang vor der Klasse lernen. An manchen Schulen sind im Zuge des Projekts auch die Gemeinden als Schulerhalter aktiv geworden und haben etwa Lärmschutzdecken oder -paneele finanziert.

Schulklasse
Zwischen Staubsauger und Rasenmäher bewegt sich der durchschnittliche Lärmpegel in einem Klassenzimmer, so die Studie.
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