Lungentransplantationen

Fachbeirat weist Vorwürfe zurück

Das unabhängige österreichische Fachgremium zum Organtransplantationswesen, der österreichische Transplantationsbeirat, wehrt sich gegen Medienvorwürfe rund um eine Lungentransplantation bei einer griechischen Patientin Anfang Oktober. Diese seien rundweg falsch, erklärte der Vorsitzende, Michael Zink, Freitagnachmittag gegenüber der APA.

red/Agenturen

„Wir waren alle sehr entsetzt über die Berichterstattung der Süddeutschen Zeitung. Wir halten das für ausgesprochen gefährlich. In Deutschland liegt das Transplantationswesen wegen Skandalen darnieder. Für Österreich einen Skandal zu konstruieren, den es nicht gibt, das ist nicht gut und sehr gefährlich“, sagte der Intensivmediziner (St. Veit/Glan).

Zink und andere Experten verantworten auch den jährlich erscheinenden österreichischen Transplantationsbericht. „Die von uns dargestellten Zahlen sind eindeutig. Österreich hat zwischen 2009 und 2018 jährlich zwischen 28 und 81 Spenderlungen mehr bekommen als sie ausländischen Patienten implantiert wurden. Das waren insgesamt 557 Organe mehr und immer eine für Österreich positive Bilanz“, sagte der Experte.

Verwundert sind die österreichischen Experten auch über die Eurotransplant-Organisation mit Sitz in Leiden in den Niederlanden, über welche acht Mitgliedsländer - zum Beispiel Österreich - auch die Spenderorganvergabe abwickeln. „Wenn ein Mitgliedsland ein Problem hat, gibt es typischerweise das Instrument eines ‚Letter of Violation’, in dem Eurotransplant um Erklärung bittet. Einen solchen Brief an Österreich hat es aber nicht gegeben.“

Vorwürfe zurückgewiesen

Eurotransplant gab am Freitag schließlich eine Presseaussendung heraus, in der jede Verantwortung für die Medienvorwürfe gegen das Lungentransplantationszentrum von MedUni Wien und AKH unter Leitung des Chefs der Universitätsklinik für Chirurgie, Walter Klepetko, zurückgewiesen wird: „Eurotransplant weist neuerlich darauf hin, dass die Organisation die Medienpublikationen und die in ihnen gezogenen Schlussfolgerungen nicht initiiert hat.“

„Eurotransplant hat bereits mehrfach darauf hingewiesen, dass die Frage der Organzuteilung (für die griechische Patientin; Anm.) korrekt im Einklang mit dem Eurotransplant Manual gemäß den Informationen über Spender und Empfänger abgelaufen ist, die Eurotransplant erhalten hatte“, heißt es in dem Statement weiter, das der APA vorliegt. Spenderorgane von außerhalb der Eurotransplantländer würden in den Eurotransplant-Pool eingespeichert und stünden dann kompetitiv zwischen den angeschlossenen Zentren zur Verfügung. Diese müssen sich um das jeweilige Organ bewerben.

Eurotransplant wisse offiziell nichts über ein Zusammenspiel zwischen Athen und Wien bei der Patientin. Es könnte aber der Fall gewesen sein, dass das Wiener Zentrum über den Spender der Lunge (aus Griechenland), welche die griechische Patientin schließlich erhielt, vorinformiert gewesen sei. Das sei keine Verletzung der Regeln, könnte aber in solchen Situationen zu einem Vorteil der jeweiligen Zentrums führen.

Klepetko hat bereits bei Aufkommen der Diskussion darauf hingewiesen, dass er von den griechischen Ärzten verlangt hatte, dass diese das Spenderorgan an Eurotransplant meldeten. Nur unter dieser Bedingung könnte die schwerstkranke Patientin doch noch in Wien operiert werden. An sich hätte das griechische Lungentransplantationszentrum in Athen Anfang Oktober nach langem Training von Chirurgen etc. in Wien seine Arbeit aufnehmen sollen. Der Fall der griechischen Patienten sei aber so kompliziert gewesen, dass man nichts riskieren wollte.