Ärztemangel

Nur Anzahl der Studienplätze zu erhöhen, ist falsches Rezept

„In der von der Landeshauptleutekonferenz angefachten aktuellen Diskussion um mehr Medizin-Studienplätze geht ein wichtiger Aspekt verloren: Mehr Medizinabsolventen bedeuten nämlich nicht zwingend auch mehr Ärztinnen und Ärzte für die österreichische Gesundheitsversorgung“, warnt Wolfgang Weismüller, Obmann der Kurie angestellte Ärzte und Vizepräsident der Ärztekammer für Wien.

red

„Der Ruf nach mehr Studienplätzen ist zu kurzfristig gedacht, denn wir würden dann auch mehr Ausbildungsplätze in den Spitälern und auch mehr Ausbildner benötigen.“ Bei der von der Landeshauptleutekonferenz geforderten Erhöhung auf 3.000 Medizin-Studienplätze bräuchte es entsprechend zusätzlich rund 760 Dienstposten für Ausbildner in den Spitälern österreichweit und 1.300 Dienstposten für das „Klinisch-Praktische Jahr“ (KPJ) und die weitere Ausbildung - davon allein jeweils die Hälfte in Wien.

„Andernfalls schaffen wir sonst nur Studienabsolventen, die nach dem erfolgreichen Abschluss mangels verfügbarer Ausbildungsstellen Taxifahren müssen.“Statt nur zu fordern, Studienplätze zu erhöhen, „womit das Problem des Ärztemangels nicht gelöst werden kann“, wäre es sinnvoller, die Arbeits- und Ausbildungsbedingungen der Jungmediziner zu verbessern, damit nicht vier von zehn Medizinabsolventen nach dem Studium Österreich wieder verlassen, betont Weismüller.

Arztausbildung
In der Landeshauptleute-Konferenz wurde der Beschluss gefasst, die Medizin-Studienplätze „deutlich zu erhöhen.“ Niederösterreichs Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) betonte den „klaren Auftrag für die neue Bundesregierung“.
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