Kinderarzneimittelherstellung

Umfassendes Werk online

Das Standardwerk für magistrale Kinderarzneimittelherstellung „Juniormed“ ist ab sofort digital verfügbar. Es wurde auf Initiative der Österreichischen Apothekerkammer (ÖAK) erstellt und ist vor allem dort von Nutzen, wo auf keine speziell an Kinder angepassten Medikamente zurückgegriffen werden kann, wurde bei einer Präsentation des Werks am Dienstag in Wien erklärt.

red/Agenturen

„Es herrscht vor allem für junge Patienten mit speziellen Krankheiten eine krasse Minderversorgung an Medikamenten. Ärzte müssen dann, um Therapielücken zu schließen, individuelle Rezepturen für sie erstellen. Diese sind mitunter nicht auf dem neuesten Stand oder nicht herstellbar gewesen. Die Marktsituation war unzufriedenstellend“, erklärte Ulrike Mursch-Edlmayr, Präsidentin der Österreichischen Apothekerkammer. Folglich habe man sich dazu entschlossen, ein Standardwerk für „magistrale Rezepturen“ - eben jene nach einem Rezept individuell und händisch angefertigten Arzneimittel - in Angriff zu nehmen.

Rund drei Jahre beanspruchte das Projekt „Juniormed“. Schließlich wurden zunächst rund 9.000 Briefe ausgeschickt, um eine österreichweite Sammlung an magistralen Rezepturen zu erlangen. 1.500 Rückmeldungen mussten in der Folge erfasst und von einem aus Fachärzten, Pharmakologen, Apothekern und pharmazeutischen Technologen bestehenden Expertenteam bewertet werden. „Da war flächendeckend Unfug dabei“, meinte Mursch-Edlmayr. Dieser wurde aussortiert und der Rest überarbeitet und schließlich zu rund 150 qualitätsgeprüften Rezepturen verdichtet.

„Das Ergebnis ist eine riesige Erfolgsgeschichte. Es ist sowohl für Apotheker als auch Ärzte total praktisch“, freute sich Wolfgang Sperl, Vizepräsident der Österreichischen Gesellschaft für Kinder- und Jugendheilkunde. Zudem habe man mit dem Standardwerk einen ersten wichtigen Baustein für eine Kinder-Arzneimitteldatenbank gelegt. „Die Deutschen schauen schon auf uns. So etwas macht man nicht so schnell nach“, meinte Sperl.

„Das Werk ist in die wichtigsten Indikationsgebiete aufgeteilt und leicht anwendbar“, sagte Monika Aichberger, Vizepräsidentin der oberösterreichischen Apothekerkammer. So finden sich in insgesamt acht Kapiteln etwa magistrale Rezepturen für Augen, Haut, Hals, Nase und Ohren oder den Gastro-Intestinal-Trakt. Auch Tipps und Tricks für die frische Zubereitung von Arzneimitteln sind enthalten. Lückenlos sei das Nachschlagewerk dennoch nicht, so Sperl. Er betonte, dass man primär auf Fertigarzneimittel setzen solle. Sind diese jedoch nicht vorhanden, sei ein Blick in das „Juniormed“-Werk optimal.