Coronavirus

Tests in allen Pflegeheimen und weniger aktiv Erkrankte

Alle Bewohner und Mitarbeiter in Alters- und Pflegeheimen sollen auf das Coronavirus getestet werden. Die internationale Erfahrung zeige, dass dies „der Bereich mit dem größten Risiko ist“, erläuterte Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) dazu. Die Zahl der aktiv Erkrankten in Österreich ging indes deutlich auf 5.063 Personen zurück, die Zahl der Toten stieg auf 410. Europa ist und bleibt neben den USA das Epizentrum der Pandemie.

red/Agenturen

Studien zeigen, dass in anderen europäischen Ländern rund die Hälfte aller Covid-19-Toten aus Heimen stammt. 918 solcher Pflegeeinrichtungen gibt es in Österreich, „hier wollen wir einen zentralen Schwerpunkt realisieren und flächendeckend testen“, sagte Anschober. Insgesamt gehe es um 130.000 Menschen. Außerdem sei das Ziel, dass die „Abklärung maximal 48 Stunden dauern soll“.

In der Steiermark gibt es bereits wegen Todes- und Krankheitsfällen in einem Pflegeheim Ermittlungen wegen grob fahrlässiger Tötung und vorsätzlicher Gefährdung durch übertragbare Krankheiten. Insgesamt 39 Personen - Bewohner und Pflegekräfte - sollen in dem Heim positiv auf das Virus getestet worden sein. Zwölf Personen in dem 160 Betten umfassenden Pflegeheim sind seit Beginn der Krise verstorben, sechs Todesfälle sollen in Zusammenhang mit Covid-19-Infektionen stehen.

Spitäler und Ordinationen wieder hochgefahren

Die Zahl der Infektionen abzüglich Genesener und Toter ging in Österreich auf 5.063  zurück, das bedeutet ein Minus von 13,4 Prozent im Tagesvergleich. Immer weniger Menschen, nämlich 967 befanden sich aufgrund einer Coronavirus-Erkrankung in krankenhäuslicher Behandlung, davon lagen 238 auf Intensivstationen. Bisher sind 410 Österreicher mit oder an Covid-19 verstorben.

Österreichs Krankenhäuser wollen die durch die Corona-Pandemie ausgesetzten Behandlungen wieder schrittweise hochfahren. Inwiefern mit einer baldigen Öffnung für alle Patienten zu rechnen ist, lässt sich zeitlich jedoch nicht festlegen. Für Ordinationen empfahl die Ärztekammer am Donnerstag, wieder Routine-, Kontroll-, Vorsorge- und Nachsorgeuntersuchungen sowie Impfungen durchzuführen - freilich nur unter Sicherheitsregeln.

Auch Wolfgang Weismüller, Obmann der Kurie angestellte Ärzte und Vizepräsident der Ärztekammer für Wien, appelliert an die Patientinnen und Patienten „zwar die Kapazitäten der Spitäler korrekterweise nicht zu belasten, aber dafür für medizinische Betreuung den niedergelassenen Bereich zu nutzen“, denn „wegen der Angst vor einer möglichen Coronainfektion im Spital bleiben die Menschen lieber zu Hause, verschlechtern damit aber ihren Gesundheitszustand aufgrund mangelnder Versorgung oder missachten erste Anzeichen einer schweren Erkrankung, beispielsweise erste Symptome eines drohenden Herzinfarkts.“

Einstellung des heimischen Flugbetriebs bis 17. Mai

Für Kritik von politischen Gegnern sorgte die Ankündigung der SPÖ Burgenland von Zutrittsbeschränkungen für die Seebäder am Neusiedler See. Diese sollte noch am Abend nach Kundmachung der entsprechenden Verordnung in Kraft treten und vorerst bis 30. April gelten wird. Nur noch Besitzer von Seehütten, Fischer und Menschen, die in einem Umkreis von 15 Kilometern wohnen, dürfen die Bäder besuchen.

Die Austrian Airlines lassen wegen der Corona-Krise ihre rund 80 Flieger um zwei Wochen länger am Boden als bisher geplant. Die temporäre Einstellung des Flugbetriebs sei bis zum 17. Mai verlängert worden, teilte die Fluggesellschaft mit. Die AUA geht von einem „langsamen Neustart“ aus und rechnet damit, dass sich das Geschäft frühestens 2023 normalisiert.

Ebenfalls Mitte Mai könnte ein Neustart der heimischen Fußball-Bundesliga erfolgen. „Wie hoch die Wahrscheinlichkeit dafür ist, ist schwierig zu beurteilen. Aber ich halte es für möglich“, sagte Liga-Vorstand Christian Ebenbauer am Abend. Spiele sollen ausnahmslos ohne Zuschauer ausgetragen werden. Die Wiederaufnahme des Trainings in Kleingruppen sei ab Dienstag denkbar.

Europa „Auge des Sturms“

International stieg die Zahl der Corona-Infizierten und -Toten allen Eindämmungsmaßnahmen zum Trotz weiter an. Weltweit starben bereits über 145.563 Menschen an den Folgen des Virus, knapp 2,1 Millionen haben sich seit dem Ausbruch zum Jahresende infiziert. Rund eine halbe Million von ihnen gilt jedoch inzwischen als wieder geheilt. Mit 28.998 Toten sind die USA das am stärksten betroffen Land.

Doch auch Europa ist nach Einschätzung der Weltgesundheitsorganisation WHO immer noch fest im Griff der Pandemie. „Wir befinden uns weiterhin im Auge des Sturms“, erklärte der WHO-Regionaldirektor für Europa, Hans Kluge, in Kopenhagen. Trotz einiger „optimistisch stimmender Anzeichen“ in Spanien, Italien, Deutschland, Frankreich und der Schweiz nehme die Zahl der Infektionen in Europa insgesamt weiter zu.

In den vergangenen zehn Tagen habe sich die Zahl der Infektionen europaweit verdoppelt, sagte Kluge. Rund die Hälfte aller bestätigten Infektionsfälle weltweit entfielen auf Europa. Die Zahl der Infektionsfälle in Europa überstieg inzwischen die Marke von einer Million. Die Zahl der Toten stieg auf über 90.000: Am stärksten betroffen sind Italien mit 21.645 Corona-Toten, gefolgt von Spanien mit 19.130, Frankreich mit 17.167 Todesfällen und Großbritannien mit 13.729 Todesfällen.

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