| Aktualisiert:
Pharmaindustrie

Roche-Antikörpertest in Auslieferung

Vor wenigen Tagen hat der Schweizer Pharma- und Diagnostikkonzern in den USA eine Notfall-Zulassung für einen SARS-CoV-2-Antikörpertest auf Immunoassay-Basis vor allem für Großlabors erhalten. Die Auslieferung erfolgt derzeit auch in Österreich. Die ersten Untersuchungen dürften in den kommenden Tagen erfolgen, erklärte am Dienstag ein Sprecher des Konzerns gegenüber der APA.

red/Agenturen

„Wir sind in Auslieferung. Ab dieser Woche wird es die Untersuchungen geben“, erklärte man bei Roche Austria. Das Unternehmen - weltweit eines der größten auf dem Gebiet der Labordiagnostik - ist aber nur eines der vielen Konzerne, die derzeit ihre Systeme für SARS-CoV-2-Antikörpertests entwickeln bzw. auf den Markt bringen.

Erfolgt weltweit, auch in Österreich - Viele Konzerne am Weg

„Der Test wurde geschaffen, um zu bestimmen, ob ein Patient einer SARS-CoV-2-Infektion ausgesetzt war und ob er Antikörper gegen SARS-CoV-2 entwickelt hat. Roche hat bereits die Auslieferung des neuen Antikörpertests zu den führenden Labors weltweit gestartet und wird die Produktionskapazität auf eine zweistellige Millionenanzahl pro Monat ausweiten, um das Gesundheitswesen in jenen Staaten zu unterstützen, welche die CE-Kennzeichnung bzw. die US-Freigabe anerkennen“, hatte es am Sonntag in einer ersten Aussendung des Konzerns geheißen.

Der SARS-CoV-2-Antikörpertest von Roche aus dem Serum von Patienten soll eine sehr hohe Genauigkeit aufweisen: Auf der Basis von 5.272 Proben (klinische Untersuchung) hätte sich eine Entdeckungsrate (Sensitivität) von 100 Prozent ergeben (keine falsch negativen Ergebnisse). Die Spezifität liegt offenbar bei 99,81 Prozent. Das bedeutet nur 19 Promille falsch negative Resultate. Faktisch alle großen Labordiagnostik-Unternehmen entwickeln derartige Systeme.

Auch in Österreich gehen die Tests an Großlabors, die über die sogenannten Roche-Cobas-Labormaschinen verfügen, welche weitgehend automatisiert verschiedenste Laboruntersuchungen durchführen. Standorte sind zum Beispiel Universitätskliniken und Zentralkrankenhäuser sowie Großlabors, welche den niedergelassenen Bereich abdecken. Ab der Auslieferung solcher Tests dauert es noch etwas Zeit, bis die Angelegenheit in der Routine läuft.

Tests zum Nachweis der Immunität gegen das Virus gelten als ein Schlüsselfaktor, um die einschneidenden Einschränkungen zur Eindämmung der Pandemie zurückfahren zu können. 

Roche-Chef betont Zuverlässigkeit des Tests

Roche-Chef Severin Schwan erklärte zuletzt an keinen so schnell verfügbaren Impfstoff gegen das Coronavirus zu glauben. „Ich persönlich finde den geplanten Zeitrahmen von 12 bis 18 Monaten angesichts der Herausforderungen ehrgeizig“, erklärte er in einer Telefonkonferenz. „Bei den Antikörper-Test läge „die Betonung auf zuverlässig“, erklärte Schwan weiter. Denn die bereits auf dem Markt erhältlichen Antikörper-Tests - oft von chinesischen Anbietern - seien in der Regel ganz einfach schlecht. „Qualität braucht Zeit“, betonte Schwan. Impfstoffe wird Roche auch weiterhin keine produzieren.

Mit Antikörper-Tests hofft Roche, die Auswirkungen der Covid-19-Pandemie auf den regulären Geschäftsgang auszugleichen - zumindest teilweise. Denn während eines „Lockdown“ wollen oder dürfen viele Patienten nicht zu ihrem Arzt oder ins Krankenhaus. Aus Angst, sich anzustecken, könnten Patienten mit chronischen Krankheiten ihre Arzttermine verschieben oder absagen. Damit fielen Behandlungen aus. Gleichzeitig werden keine neuen Diagnosen gestellt und Behandlungen verschrieben. Exemplarisch zeigte sich dieser Effekt im ersten Quartal 2020 in der Diagnostics-Sparte. Dort gingen in der Region Asien-Pazifik die Verkäufe um 11 Prozent zurück - besonders ausgeprägt sei das Minus in China gewesen.

Gesamtumsatzwachsum in Q1: sieben Prozent

Der Schweizer Pharmakonzern hat nach einem kräftigen Umsatzplus im ersten Quartal seine Jahresprognose bekräftigt und stellt seinen Aktionären mehr Dividende in Aussicht. Der Arzneimittelhersteller aus Basel will im Frühsommer die Ergebnisse einer klinischen Studie zur Behandlung der vom Coronavirus ausgelösten schweren Lungenentzündung mit seinem Arthritis-Medikament Actemra vorlegen.

Im Zeitraum Jänner bis März erzielte der weltgrößte Hersteller von Krebsmedikamenten 15,14 Mrd. Franken (14,4 Mrd. Euro) Umsatz - währungsbereinigt ein Zuwachs von sieben Prozent gegenüber dem entsprechenden Vorjahreszeitraum. „Grundsätzlich bleibt der weltweite Bedarf in der Gesundheitsversorgung sehr hoch, und Roche konnte sich bisher gut behaupten“, erklärte Schwan. „Basierend auf der derzeitigen Einschätzung bestätigen wir unseren Ausblick für das Gesamtjahr.“ Roche will die Verkaufserlöse währungsbereinigt um einen niedrigen bis mittleren einstelligen Prozentbetrag steigern. Beim um Sonderfaktoren bereinigten Gewinn je Genussschein und Aktie wird ein Wachstum angepeilt, das weitgehend dem Verkaufswachstum entspricht.

Motor des Wachstums waren vor allem neue Medikamente: Die Verkaufserlöse des Multiple-Sklerose-Mittels Ocrevus stiegen um 38 und die der Arznei Hemlibra gegen die Bluterkrankheit um 146 Prozent. Ocrevus ist mit 1,11 Mrd. Franken Verkaufserlös bereits der viertgrößte Umsatzbringer des Konzerns.

Dagegen sanken die Umsätze der milliardenschweren Krebsmedikamente MabThera und Herceptin, denen nach dem Auslaufen des Patentschutzes vor allem in Europa und Japan günstigere Nachahmerarzneien Konkurrenz machen, um 15 beziehungsweise 24 Prozent. Bei dem gegen verschiedene Tumore eingesetzten Mittel Avastin betrug der Rückgang 13 Prozent. Roche-Chef Schwan zufolge dürfte die Konkurrenz für milliardenschwere Krebsmedikamente durch günstigere Nachahmerarzneien den Konzern noch zwei Jahre bremsen.

WEITERLESEN:
Roche Tower Basel
Mit Antikörper-Tests hofft der Schweizer Pharmakonzern Roche, die Auswirkungen der Covid-19-Pandemie auf den regulären Geschäftsgang auszugleichen - zumindest teilweise.
VogelSP_iStock