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Coronavirus 

Erste Infektion in Flüchtlingslager im Libanon

In einem palästinensischen Flüchtlingslager im Libanon ist erstmals eine Infektion mit dem neuartigen Coronavirus bekannt geworden. Nach Angaben der UNO vom Mittwoch wurde eine Frau aus dem Lager im Osten des Landes in eine Klinik in der libanesischen Hauptstadt Beirut gebracht. Zu ihrem Alter und Gesundheitszustand machte das UN-Hilfswerk für Palästina-Flüchtlinge Unrwa keine Angaben.

red/Agenturen

Die Palästinenserin lebte demnach im Lager von Wavel bei der Stadt Baalbek. Am Mittwoch sollten dort Ärzte weitere Bewohner auf das Virus testen. In dem Lager leben nach einer Zählung von Ende 2017 rund 2000 Menschen. Die Menschen wurden aufgerufen, in ihren Unterkünften zu bleiben.

Im Libanon wurden bisher knapp 700 Infektionen und 21 Todesfälle gezählt. In dem kleinen Land leben nach offiziellen Angaben mehr als 174.000 palästinensische Flüchtlinge und 1,5 Millionen Syrer, die vor den Kämpfen in ihrem Heimatland geflohen sind.

Hunderte Flüchtlinge demonstrieren vor Camp in Lesbos

Aus Angst vor einem Ausbruch der Coronavirus-Pandemie haben Hunderte Migranten den Eingang des größten Flüchtlingslagers Europas, dem Camp Moria auf der griechischen Insel Lesbos, blockiert. Sie trugen Transparente mit dem Spruch: „Freiheit für alle. Wir sind Covid-19 ausgesetzt“, wie lokal Medien am Mittwoch berichteten.

In den vergangenen Tagen waren in drei Camps auf dem griechischen Festland zahlreiche Coronavirus-Infektionen festgestellt worden. Die Einrichtungen wurden in Quarantäne gestellt.

Die Proteste hängen nach Informationen der Medien auf Lesbos mit der für Samstag geplanten Entlastung des Lagers von Moria zusammen. Dann sollen rund 1.500 Migranten - mehrheitlich ältere und kranke Menschen - zum griechischen Festland gebracht werden. Auch aus den Camps der Inseln Chios und Samos sollen nach Angaben der Regierung in Athen in den kommenden Tagen rund 900 Migranten zum griechischen Festland gebracht werden. Die Demonstranten sind jüngere Menschen, die ebenfalls zum Festland gebracht werden wollen.

Angst vor Ausbruch in völlig überfülltem Lager Moria

Bisher sind in den Flüchtlingseinrichtungen auf den Inseln keine Corona-Infektionen registriert worden. Es sei aber nur eine Frage der Zeit, bis dieser Fall eintrete, befürchten Ärzte. Athen hat die Gesundheitskontrollen rund um die Zentren auf den Inseln Lesbos, Chios, Samos, Leros und Kos mit zusätzlichem Personal und Container-Isolierstationen verstärkt. Zudem dürfen die Geflüchteten die Lager nur begrenzt und mit Genehmigung der Polizei verlassen.

Aktuell halten sich rund 38.500 Geflüchtete auf den griechischen Ägäis-Inseln auf. In den vergangenen drei Monaten hatten die Behörden bereits rund 11.000 Menschen aus den völlig überbelegten Lagern auf das Festland gebracht - vor allem Kranke und Menschen, die gute Chancen auf Asyl oder Flüchtlingsschutz in der EU haben.

Flüchtlinge im heimischen Gesundheitswesen

Seit dem neuen Gesetzespaket Ende März zur Bekämpfung der Coronakrise dürfen auch Flüchtlinge im heimischen Gesundheitswesen mitarbeiten. Auch UNHCR und Europarat empfehlen den Einsatz von ausgebildeten Flüchtlingen im Gesundheitsbereich. Angaben, wie viele Flüchtlinge derzeit im österreichischen Gesundheitswesen mitarbeiten, gibt es aktuell aber nicht, so das Gesundheitsministerium.

Der Nationalrat hatte am 20. März das zweite, noch umfangreichere Paket zur Bekämpfung der Coronakrise einstimmig abgesegnet. Mit ihm wurden 44 Gesetze entweder novelliert oder neu eingeführt. Flexibler gestaltet wurde unter anderem der Einsatz von medizinischem und Pflegepersonal. So wurde etwa die Möglichkeit geschaffen, zur Bekämpfung der Krise pensionierte und ausländische Ärzte sowie Turnusärzte heranzuziehen, auch wenn sie nicht alle Erfordernisse für die Berufsausübung vorweisen.

Ergänzt wurde im Gesetzestext: „Ärztinnen/Ärzte dürfen, ungeachtet eines allfälligen Mangels der (...) angegebenen Erfordernisse, den ärztlichen Beruf im Inland im Rahmen einer Pandemie nur in Zusammenarbeit mit im Inland zur selbständigen Berufsausübung berechtigten Ärztinnen/Ärzten für Allgemeinmedizin oder Fachärztinnen/Fachärzten ausüben.“

Keine konkreten Zahlen

Ob oder wie viele Flüchtlinge nun tatsächlich derzeit im heimischen Gesundheitswesen mitarbeiten und wie ihr Einsatz bisher funktioniert, dazu macht das Ministerium gegenüber der APA keine Angaben. Dennoch zeigt sich das Flüchtlingskommissariat der Vereinten Nationen (UNHCR) Österreich in einer Aussendung am Mittwoch erfreut: „Auch in Österreich wurden zuletzt die gesetzlichen Voraussetzungen geschaffen, für die Dauer der Pandemie mit ausländischen Abschlüssen in medizinischen Berufen zu arbeiten. So können nun auch Flüchtlinge und subsidiär Schutzberechtigte, die in ihren Herkunftsländern in medizinischen und Pflegeberufen gearbeitet haben, ihr Wissen und ihre Erfahrungen in dieser herausfordernden Zeit einbringen.“

„Österreich hat hier einen wichtigen Schritt gesetzt, denn oft wird vergessen, dass Flüchtlinge auch Ärztinnen und Ärzte, Krankenpflegepersonal oder Wissenschafterinnen und Wissenschafter sind. Zudem können sie nun all jene, die im Gesundheitsbereich Unglaubliches leisten, bei Bedarf unterstützen“, so Christoph Pinter, Leiter UNHCR Österreich.

Europäischer Qualifikationspaß

„In den vergangenen Wochen haben einige Staaten Mediziner und Pflegekräfte unter den Flüchtlingen aufgerufen, sich am Kampf gegen das Virus zu beteiligen“, so UN-Flüchtlingshochkommissar, Filippo Grandi. „Wir unterstützen solche Initiativen von ganzem Herzen und hoffen, dass sie ausgeweitet werden können - auf dem ganzen europäischen Kontinent und darüber hinaus.“ So könnten Flüchtlinge „ihre Solidarität zeigen und den Gesellschaften, die ihnen Schutz gegeben haben, etwas zurückgeben“.

„Die Flüchtlinge, ihre Gast- und ihre Heimatländer profitieren vom Europäischen Qualifikationspass für Flüchtlinge. Auch die Qualifikationen, die ein Flüchtling hat, aber nicht vollständig dokumentieren kann, können genutzt und es kann darauf aufgebaut werden“, meint Marija Pejčinović Burić, Generalsekretärin des Europarates. „Der Qualifikationspass ist kein Ersatz für die notwendigen Berufsnachweise, aber er hilft den Behörden, Vorgänge zu beschleunigen, weil er den notwendigen Hintergrund vermittelt.“ Europarat und UNHCR arbeiteten mit den jeweiligen Stellen zur Anerkennung von Abschlüssen zusammen, um die Qualifizierten zu finden und ihre Fähigkeiten und Nachweise zu erfassen.

Flüchtlingslager griechenland
Um eine Corona-Epidemie in den griechischen Flüchtlingslagern zu verhindern haben auch zahlreiche NGOs und Persönlichkeiten in Österreich eine Verteilung der Menschen aus den griechischen Flüchtlingslagern auf die Länder Europas gefordert.
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