Corona-Krise:

Grazer Online-Befragung ortet hohe psychische Belastung bei Jüngeren

Die Universität Graz hat seit Ende März mit einem elektronischen Fragebogen die psychischen Belastungen durch das Auftreten des Coronavirus in Österreich im Rahmen einer Online-Befragung erhoben. Jüngeren Menschen – vor allem wenn sie noch in Ausbildung sind – mache die Situation besonders zu schaffen, so ein Ergebnis der ersten Auswertung.

red/Agenturen

Die Forscherinnen und Forscher aus dem Arbeitsbereich Gesundheitspsychologie hofften, einen Ein- und Überblick über die psychischen Auswirkungen der Corona-Krise in der Gesamtbevölkerung in Österreich zu erhalten. Mehr als 4.000 Personen wurden befragt. Rund drei Viertel der Rückmeldungen kamen allerdings von Frauen. Eine ähnliche Studie wurde zuvor in China durchgeführt – auch da waren knapp 70 Prozent der Teilnehmer weiblich. „Wir wissen, dass Frauen eher bereit sind, an Umfragen teilzunehmen, schließen daraus aber auch, dass sie im Durchschnitt stärker belastet sind als Männer“, erklären die Claudia Traunmüller und Rene Stefitz vom Institut für Psychologie der Universität Graz.

Rund zwanzig Prozent der Teilnehmerinnen und Teilnehmer zeigten laut den Studienleitern moderate bis schwere Angstsymptome. Bei gut ein Viertel stellten sich mittlere oder schwere Symptome einer Depression ein. Bei knapp 20 Prozent vermuten die Forscher eine Stressbelastungsstörung. „Depression, Angst und Stress im schwereren Ausprägungsgrad treten damit bei uns häufiger auf als in der chinesischen Stichprobe“, hielt Traunmüller fest.

Erhoben wurde in 45 Fragekomplexen unter anderem, wie viele Personen sich in einem Haushalt befinden, ob die Probanden im Home-Office arbeiten, wie viele Stunden sie täglich zuhause verbringen, wie sich soziale Kontakte gestalten, welche körperlichen Aktivitäten sie setzen oder auch, ob sie ein Haustier haben. Die Forscher wollten weiters wissen, welchen Wissenstand die Befragten über Covid-19 haben, woher sie ihr Wissen beziehen und welche Information sie sich wünschen würden. Ziel der Befragung ist es, die notwendigen Maßnahmen zur Betreuung und Behandlung Betroffener entwickeln zu können.

Die Sorge um Angehörige und fehlende Informationen zur Selbstbehandlung einer Infektion beziehungsweise zum Umgang mit seelischem Druck sind laut der ersten Auswertung jene Faktoren, die die Studienteilnehmer besonders stressen. Schüler, Studierende und Menschen in Ausbildung würden besonders unter der Corona-Krise leiden. „Das dürfte mit den jetzt verstärkt aufgetretenen Unsicherheiten über den Ausbildungsverlauf, Stipendien, Zulassungsvoraussetzungen et cetera in Verbindung stehen“, vermutete Traunmüller.

Die Psychologin erkannte auch einen Zusammenhang zwischen dem vorrangigen Informationsmedium und dem Grad der mentalen Belastung: Personengruppen, die Nachrichten über die Pandemie hauptsächlich aus dem Internet bezogen, hätten eine höhere mentale Belastung aufgewiesen. „Eine mögliche Ursache dafür ist der vermehrte Konsum von nicht evidenzbasierten Informationen“, so die Forscherin.

Spezifisches Wissen über die Übertragungsmöglichkeiten des Virus und die Entwicklung der Pandemie, soziale Kontakte mit Familie und Freunden über Telefon oder im Internet, Arbeit im Home-Office sowie ein allgemein guter Gesundheitszustand haben sich bei den Teilnehmern an der Befragung als Faktoren herauskristallisiert, die positiv stimmen. „Körperliche Aktivität, ausreichend Schlaf sowie weitere gesundheitsförderliche Maßnahmen sind also auch in der jetzigen Krise sinnvoll“, schlussfolgerte das Grazer Team.
 

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