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Coronavirus

Russland verzeichnet jetzt mehr Infektionen als China

In Russland sind inzwischen mehr Corona-Infektionen als im Nachbarland China erfasst. Mehr als 87.000 Menschen hätten sich mit dem Virus SARS-CoV-2 angesteckt, teilte Moskau mit. In China, dem Ursprungsland der Pandemie, sind nach Daten der Johns-Hopkins-University derzeit rund 84.000 Infektionen offiziell erfasst. Nun verlängerte Russlands Präsident Wladimir Putin die arbeitsfreie Zeit um gut zwei Wochen.

red/Agenturen

Für Russland und China gehen Experten von einer hohen Dunkelziffer nicht erfasster Fälle aus. Mit leichter Verzögerung zu westeuropäischen Ländern waren die offiziellen Infektionszahlen in Russland in den vergangenen Wochen rasant angestiegen - am Montag wurden in der Statistik rund 6.200 Neuinfektionen verzeichnet. Die meisten davon gibt es in Moskau, wo seit fast einem Monat strenge Ausgangsbeschränkungen herrschen. Bisher sind zumindest den offiziellen Angaben zufolge landesweit lediglich rund 800 an Covid-19 erkrankte Menschen gestorben (China: mehr als 4.500).

Nun hat Russlands Präsident Wladimir Putin die arbeitsfreie Zeit um gut zwei Wochen verlängert. Diese Regelung gelte nun bis einschließlich 11. Mai, sagte der Kremlchef am Dienstag bei einer im Staatsfernsehen übertragenen Videokonferenz. Damit wären viele Russen dann insgesamt sechs Wochen bei vollem Lohnausgleich zu Hause. Erst nach dieser Zeit werde es schrittweise Lockerungen geben, meinte Putin.

„Natürlich wünschte man sich, dass die erzwungenen Unannehmlichkeiten bald ein Ende haben“, sagte er. Aber es wäre nachlässig und gefährlich zu glauben, dass die Bedrohung weniger geworden sei. „Wir haben es geschafft, die Ausbreitung etwas zu bremsen. Wir dürfen uns jetzt nicht zufrieden geben. Die Situation bleibt sehr schwierig.“

Weltweit dritthöchste Opferzahl in Spanien

In Spanien stieg die Zahl der neuen Todesfälle wieder leicht. Innerhalb von 24 Stunden seien 331 Menschen gestorben, teilte das Gesundheitsministerium am Montag mit. Das waren einige Dutzend mehr als noch am Sonntag, als mit 288 neu hinzugekommenen Toten der niedrigste Stand seit 20. März verzeichnet worden war. Insgesamt wurden in Spanien inzwischen mehr als 23.500 Todesfälle durch das Coronavirus gemeldet. Das ist weltweit die dritthöchste Opferzahl nach den USA und Italien.

Neuseeländische Premierministerin sieht „den Kampf gewonnen“

Spanien hatte am Sonntag seine strenge Ausgangssperre gelockert. Erstmals seit sechs Wochen durften Kinder wieder ins Freie. Sie dürfen nun unter Aufsicht eines Erwachsenen wieder eine Stunde täglich an die frische Luft. Jugendliche dürfen nun wie bisher bereits Erwachsene wieder zum Einkaufen oder zum Ausführen des Hundes nach draußen. Die Ausgangssperre gilt noch bis 9. Mai. Am Dienstag will die Regierung ihren Fahrplan für eine Lockerung der strengen Corona-Maßnahmen bekanntgeben.

Auch die Schweiz lockerte am Montag die Auflagen. Neben Bau- und Gartenmärkten dürfen Friseure, Physiotherapeuten, Tier- und Zahnärzte sowie Kosmetik- und Tattoo-Studios öffnen. Die Bürger sind aber aufgerufen, weiter die Abstands- und Hygieneregeln einzuhalten. Der britische Premierminister Boris Johnson erteilte hingegen einer vorzeitigen Lockerung der Ausgangsbeschränkungen in Großbritannien eine Absage. Eine zweite Erkrankungswelle müsse verhindert werden.

In Italien wächst der Unmut gegen die Regierung wegen der als zu schwach empfundenen Lockerung des Produktionsstopps und der Ausgangssperre ab 4. Mai. Industrie und Baubranche können dann ihre Tätigkeit wieder aufzunehmen, Wirtschaftsbereiche wie der Kleinhandel, Tourismus und Gastronomie müssen noch warten.

Es gebe keine weitverbreitete, unerkannte Übertragung des Virus mehr, erklärte unterdessen die neuseeländische Premierministerin Jacinda Ardern. „Wir haben diesen Kampf gewonnen.“ Nach knapp fünf Wochen an Einschränkungen auf der höchsten Stufe vier sollten diese ab Montagabend (Ortszeit) auf Stufe drei herabgesetzt werden. Damit dürfen neben notwendigen Diensten auch einige Geschäfte, Restaurants mit Essen zum Mitnehmen und Schulen wieder öffnen.

Anzahl an „aktiv“ Erkrankten in Österreich weiter rückläufig

2.363 Menschen in Österreich sind mit Stand Montagfrüh (9.30 Uhr) mit dem Coronavirus infiziert gewesen. Die Anzahl an „aktiv“ Erkrankten fiel im 24-Stunden-Vergleich somit um 38 (minus 1,6 Prozent). Bisher gab es 15.274 positive Testergebnisse (plus 0,3 Prozent) auf das Coronavirus, 12.362 sind nach einer Infektion wieder genesen. Aktuell werden 579 Personen in Spitälern behandelt (minus 2,5 Prozent). 140 Personen befinden sich auf Intensivstationen, dies sind fünf weniger als am Vortag. 549 Personen sind an den Folgen einer Erkrankung an Covid-19 verstorben.

Die Ergebnisse der Antikörpertests in Ischgl werden in der zweiten Maihälfte veröffentlicht und publiziert. Dies erklärte die Direktorin des Instituts für Virologie an der Med-Uni Innsbruck, Dorothee von Laer, am Montag. Mehr als 1.000 Personen, also fast die gesamte Bevölkerung, sei freiwillig getestet worden. Besonders aufschlussreich: Erstmals durchgeführte Neutralisationstests.

Ein Neutralisationstest sei einer von drei Antikörpertestungen, die jede genommene Probe enthalte. Dieser zeige, ob die jeweilige Person neutralisierende Antikörper aufweist - also „nach menschlichem Ermessen“ erstmal immun gegen die Krankheit ist und diese somit nicht mehr übertragen kann, weil das Virus durch die Antikörper inaktiviert wird.

Die Apres Ski-Bar Kitzloch in Ischgl war aufgrund der darin stattgefundenen starken Verbreitung des Coronavirus international in die Negativschlagzeilen geraten. Deren Betreiber, Bernhard Zangerl, hat am Sonntagabend im „ZiB 2"-Interview erklärt, dass er im Rückblick betrachtet, die Bar wahrscheinlich früher zugesperrt hätte. Man habe damals einfach die Anweisungen der Behörden befolgt. Vor Klagen habe er jedenfalls keine Angst, sagte der Tiroler. „Wir haben weder Fälle vertuscht, noch die Saison hinausgezögert“, betonte Zangerl.

In Corona-Zeiten würden einige Lebensmittelbetriebe und Klein-Supermärkte durch das Umgehen des Öffnungsverbots am Sonntag wirtschaftliche Vorteile zu erzielen versuchen. Zu diesem Schluss kommt die Gruppe Sofortmaßnahmen in Wien, die am Sonntag mit dem Marktamt Schwerpunktkontrollen bei Betrieben durchgeführt hat. Von den 110 gelegten Anzeigen betraf fast die Hälfte das Öffnungszeitengesetz.

Russland
Anhand von Massentests will Moskau das wahre Ausmaß der Infektionen zeigen.
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