Robert Koch-Institut:

Mehr Tests auch bei leichten Symptomen sinnvoll

Das deutsche Robert Koch-Institut (RKI) hat eine Ausweitung der Coronavirus-Tests empfohlen. Auch bei leichten Symptomen solle sofort getestet werden, je früher desto besser, sagte RKI-Präsident Lothar Wieler. Eine generelle Testung der Bevölkerung ohne Symptome sei nicht ratsam. Auch Los Angeles sieht Tests als eines der besten Mittel, um die Ausbreitung des Virus zu stoppen – und bietet diese allen Einwohnern kostenlos an.

red/Agenturen

Laut Präsident des deutschen Robert Koch-Instituts, Lothar Wieler, sei es aber abhängig von der Situation sinnvoll, Risikogruppen durch häufigere Tests besser zu schützen – zum Beispiel in Krankenhäusern, Alters- und Pflegeheimen. Denn Infizierte könnten das Virus schon ausscheiden, bevor sie Symptome spürten.

Nach Wielers Angaben liegt der Wert für Ansteckungen in Deutschland – die Reproduktionszahl – im Moment bei 0,76. Im Lagebericht vom Mittwoch ist ein Wert von 0,75 vermerkt (Datenstand 29. April, 0.00 Uhr). Das heißt, ein Mensch steckt weniger als einen anderen an. „Das ist eine erfreuliche Entwicklung“, sagte Wieler. Das Institut nutzt inzwischen allerdings ein sogenanntes Vier-Tage-Mittel für die Schätzung der aktuellen Neuinfektionen und damit auch der Reproduktionszahl. Zuvor wurde ein Drei-Tage-Mittel verwendet. Am Ergebnis ändere sich dadurch nichts, betonte Wieler auf mehrere kritische Nachfragen bei der Online-Pressekonferenz hin.

Nach den RKI-Zahlen sind bisher 6.288 Menschen in Deutschland im Zusammenhang mit Covid-19 gestorben. Der Altersdurchschnitt lag bei 81 Jahren. Die Sterberate ist seit Ende März von 0,8 auf 4 Prozent gestiegen. Das heißt, dass von den bisher registrierten Covid-19-Infizierten vier Prozent gestorben sind. Er gehe allerdings auch in Deutschland weiter davon aus, dass mehr Menschen an Covid-19 sterben als offiziell registriert werden, so Wieler.

Deutschland stehe auch nach mehr als zwei Monaten am Anfang eines Marathons, von dem niemand wisse, wann er zu Ende gehe, sagte der RKI-Präsident. Eine zweite oder dritte Infektionswelle halte eine Mehrheit der Wissenschafter nicht für ausgeschlossen, so lange es weder Impfstoffe noch Medikamente gegen das neue Virus gebe – und auch keine „genialen Konzepte“, wie sich der Erreger nicht ausbreiten könne. Auch die Immunität von Menschen, die die Infektion durchgemacht haben, sei noch nicht bewertbar.

Los Angeles: kostenlose Coronavirus-Tests

Unterdessen setzt auch Los Angeles auf Testungen als wichtiges Instrument in der Eindämmung der Pandemie. Die amerikanische Metropole bietet allen Einwohnern kostenlose Coronavirus-Tests an. Los Angeles sei die erste große US-Stadt, die die Tests unabhängig vom Vorhandensein von Symptomen zur Verfügung stelle, erklärte Bürgermeister Eric Garcetti am Mittwoch auf Twitter. Neben Händewaschen und Abstandsregeln seien Tests „eines der besten Mittel, die wir haben, um die Ausbreitung dieses Virus zu stoppen.“

Angehörige der Arbeiterklasse und in Armut lebende Menschen seien öfter von Infektionen betroffen und wiesen die höchste Todesrate pro Kopf im Landkreis Los Angeles auf, erklärte Garcetti unter Verweis auf einen Bericht der Gesundheitsbehörden. „Das Virus kann jeden treffen, es hat aber nicht für jeden die gleichen Auswirkungen“. Im Landkreis Los Angeles wurden Garcetti zufolge bis Mittwoch 23.485 Infektionen und 1.056 Todesfälle gemeldet.