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Coronakrise

Regierung und Ärztekammer warnen davor, „Etappenerfolg zunichtezumachen"

Angesichts der Öffnung der Geschäfte und Liberalisierung der Ausgangssperren hat die Ärztekammer ausdrücklich vor dem unachtsamen Umgang mit Covid-19 gewarnt. Präsident Thomas Szekeres appellierte nun, die Maßnahmen gegen die Verbreitung des Coronavirus - wie das Tragen von Mund-Nasenschutz in geschlossenen Räumen und den Ein-Meter-Abstand zu anderen Menschen - weiter einzuhalten. Auch Gesundheitsminister Anschober mahnt zur Vorsicht.

red/Agenturen

„Wir alle haben in den letzten Wochen viel erreicht und stehen international hervorragend da. Wir dürfen uns durch Unachtsamkeit und mangelnder Disziplin diesen Etappenerfolg jedoch nicht zunichtemachen“, betonte Szekeres in einer Aussendung der Ärztekammer. Auch regelmäßiges Händewaschen sei weiter unumgänglich, um einen möglichen Anstieg der Infektionszahlen zu vermeiden. In Österreich wurden nach Angaben des Gesundheitsministeriums vom Montag fast 600 Todesfälle registriert, 1.761 Menschen sind aktuell noch an Covid-19 erkrankt, 15.537 Personen wurde positiv getestet. 308 Normalbetten sind derzeit mit Covid-19 Patientinnen und Patienten belegt sowie 114 Intensivbetten.

Sorgen bereiten Szekeres die Bilder, die man teilweise am Samstag gesehen habe, nämlich lange Schlangen vor einigen Geschäften. „Es ist verständlich, dass die Menschen nach der lange Phase der Isolation nun wieder in die Geschäfte drängen“, meinte der Mediziner. Trotzdem sollte jeder Einzelne für sich entscheiden, ob tatsächlich jeder Einkauf gleich in den ersten Tagen notwendig sei. Keinesfalls sollte in der Hektik des Einkaufs auf die notwendigen Vorsorgemaßnahme vergessen werden.

Gastronomie: Über die Hälfte der Befragten sind skeptisch

Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) mahnte ebenso Vorsicht und Eigenverantwortung ein. „Wir stehen nun am Beginn der entscheidenden, zweiten Phase und haben in den vergangenen Tagen den zweiten Öffnungsschritt in dieser zweiten Phase gestartet. Dieser ist mit einigen Ausnahmen, mit denen wir in den kommenden Tagen das Gespräch suchen werden, vielfach gut gelungen", sagte Anschober in einer Pressemitteilung. Auflagen müssten genau eingehalten werden. Tagtäglich sollen die Zahlen nun evaluiert und die Entwicklung ganz genau beobachtet werden. „Nur so können Öffnungen, etwa im Gastgewerbe, im Tourismus oder von Freizeiteinrichtungen, wie derzeit geplant, dann auch entsprechend der derzeitigen zeitlichen Planung umgesetzt werden", so Anschober.

Nach der Öffnung in Teilen des Breitensports durften die Österreicher seit dem Feiertag etwa wieder auf Tennis- oder Golfplätze. Am Samstag öffneten dann Einkaufszentren und große Geschäfte. Am Montag dürfen dann jene Schüler wieder in die Klassen, die sich für die Matura und die Lehrabschluss-Prüfungen vorbereiten. Lokale und Restaurants sind dann mit der Öffnung Mitte Mai an der Reihe. Die Bevölkerung ist skeptisch: Laut einer Umfrage des Nachrichtenmagazins „profil" fühlen sich 57 Prozent von einem Besuch ob der dafür notwendigen Maßnahmen eher abgeschreckt. 29 Prozent führten an, sie würden sich einen Lokal- oder Restaurantbesuch zwei Mal überlegen. 28 Prozent meinten, bis auf Weiteres keinerlei Besuche geplant zu haben. 34 Prozent der Befragten wollen bald wieder ein Restaurant oder Lokal besuchen.

Die prozentmäßig größten Zuwächse an Neuinfizierten gab es in Wien. Schon Ende April hatte sich die Bundeshauptstadt laut Angaben der Agentur für Gesundheit und Ernährung (AGES) der Reproduktionsrate von 1 angenähert. Ein Infizierter steckt damit laut Statistik eine weitere Person an. Dieser Faktor scheint angesichts der leichten, aber steten Zuwächse nun übertroffen. Ein Sprecher von Gesundheitsstadtrat Peter Hacker führte auf Twitter jedoch an, dass die Ausbreitungen nicht neue Cluster betreffen, sondern Einzelpersonen mit Ansteckungen bei Bekannten oder Verwandten, Personen innerhalb der Familie sowie positive Fälle durch Screening-Tests in Pflegeeinrichtungen. Beispielsweise wurden in Wien-Erdberg in einer Betreuungsunterkunft in der vergangenen Woche zumindest 15 Personen positiv getestet. Die rund 400 dort arbeitenden und lebenden Personen wurden inzwischen in die Quarantäne geschickt.

USA mit über einer Million Infizierten

Weltweit haben sich bereits mehr als 3,5 Millionen Menschen mit dem neuartigen Coronavirus angesteckt. Von den weltweit 3.500.517 nachgewiesenen Infektionen endeten 246.893 tödlich, wie Berechnungen auf Grundlage von Behördenangaben am Montag ergeben haben. Der am schwersten betroffene Kontinent ist Europa mit 1.547.180 Ansteckungen und 143.584 Todesfällen.

Das zahlenmäßig am schwersten betroffene Land sind die USA mit 1.158.040 Infektionen und 67.680 Todesfällen. Experten gehen davon aus, dass die tatsächlichen Fallzahlen deutlich höher liegen, da nicht alle Menschen auf das neuartige Coronavirus getestet werden. In Deutschland wurden bis Sonntag nach Angaben des Robert-Koch-Instituts 162.496 Ansteckungen und 6.649 Todesfälle registriert. Deutlich mehr Corona-Tote haben Italien, Großbritannien, Spanien und Frankreich zu beklagen.