| Aktualisiert:
Coronavirus

Milliarden bei Geberkonferenz versprochen

Mit der Zusage von einer Milliarde Euro zur Entwicklung eines Impfstoffes gegen das Coronavirus hat EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen eine internationale Geberkonferenz im Kampf gegen die Pandemie eröffnet. „Wir müssen ein Bündnis schmieden, unser Geld und unser Wissen bündeln, um die Forschung an Impfstoffen, Tests und Medikamenten gegen das Coronavirus in Schwung zu bringen“, sagte sie.

red/Agenturen

An der Online-Konferenz nehmen Staats- und Regierungschefs sowie UN-Vertreter teil. Die Konferenz sei „ein Signal der Hoffnung in so schwierigen Stunden für viele Länder“, meinte die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). Die Pandemie sei eine globale Herausforderung, die sich auch nur global überwinden lasse. Für Deutschland kündigte sie einen Beitrag 525 Millionen Euro an.

Österreich hat zur Entwicklung eines Impfstoffes gegen das Coronavirus knapp über 31 Millionen Euro zugesagt. Dazu Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP): „Diesen Kampf werden wir mittelfristig nur gewinnen und unsere Wirtschaft wiederbeleben können, wenn es gemeinsam gelingt, einen wirksamen Impfstoff bzw. Heilmittel gegen das Coronavirus zu entwickeln.“

Ein künftiger Corona-Impfstoff „wird ein öffentliches Gut sein, das niemandem gehört, sondern allen“, versicherte der französische Präsident Emmanuel Macron. Für Frankreich sagte er einen Beitrag in Höhe von 515 Millionen Euro. Japans Regierungschef Shinzo Abe und Kanadas Premierminister Justin Trudeau forderten mehr internationale Zusammenarbeit und sagten umgerechnet rund 760 Millionen und 550 Millionen Euro zu.

Großbritannien kündigte an, 388 Millionen Pfund (441 Millionen Euro) bereit stellen zu wollen. Bei seiner Rede bei der Geberkonferenz mahnte Boris Johnson, Premierminister des Vereinigten Königreichs: „Um diesen Kampf zu gewinnen, müssen wir zusammen daran arbeiten, einen unüberwindlichen Schild um unsere Menschen zu errichten“. Dies könne nur gelingen mit „der Entwicklung und Massenproduktion eines Impfstoffs“.

Ziel des globalen Bündnisses aus Ländern und Organisationen ist es, zunächst 7,5 Milliarden Euro einzusammeln. Diese Summe ist nach Einschätzung von Experten als Anschubfinanzierung nötig, um Impfstoffe, Medikamente und neue Schnelltests zu entwickeln. Die Mittel sollen später zu erschwinglichen Preisen weltweit verfügbar sein – egal, wo sie entwickelt wurden und wer dafür bezahlt hat.

Zu den Gastgebern der Konferenz zählen neben der EU unter anderem Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien, Großbritannien und Saudi-Arabien, das den Vorsitz der G20 innehat. Partner sind die Weltgesundheitsorganisation WHO, die Bill & Melinda-Gates-Stiftung, die Impfallianz Gavi und die Weltbank.

Die USA beteiligen sich dagegen nicht. US-Präsident Donald Trump hatte die WHO zuletzt scharf kritisiert und unter dem Namen „Operation Warp Speed“ ein eigenes Programm zur Beschleunigung der Impfstoff-Entwicklung gestartet.

UN: Corona-Impfstoff und Arzneien kosten rund 40 Milliarden

Die Entwicklung von Impfstoffen und wirksamen Arzneien gegen das Coronavirus und die Verteilung in aller Welt wird nach Einschätzung von UN-Generalsekretär Antonio Guterres rund 40 Milliarden Euro kosten. Nötig sei das größte öffentliche Gesundheitsprogramm der Geschichte, erklärte Guterres am Montag zur internationalen Geberkonferenz der EU-Kommission.

Er begrüße die Zusagen diverser Länder, um bei der Online-Konferenz auf 7,5 Milliarden Euro Anschubfinanzierung zu kommen. „Aber um jeden überall zu erreichen, werden wir wahrscheinlich fünf Mal so viel brauchen“, betonte Guterres. Er kündigte eine weitere Konferenz Ende Mai an, um die Anstrengungen am Laufen zu halten.

Im Fokus: Impfstoff-Entwicklung für alle Menschen

Im Zentrum steht die Entwicklung eines Impfstoffs, der für alle Menschen zugänglich sein soll. „Coronavirus Global Response“ heißt die Initiative, Schirmherrschaft haben neben den Brüsseler Institutionen die Staaten Frankreich, Deutschland, Großbritannien, Norwegen und Saudi-Arabien übernommen. Auch die Weltgesundheitsorganisation WHO ist beteiligt. In einem Gastbeitrag für die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ vom Samstag kündigten die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel, Frankreichs Präsident Emmanuel Macron, Italiens Ministerpräsident Giuseppe Conte und Norwegens Regierungschefin Erna Solberg an, „alle unsere eigenen Zusagen auf den Tisch“ zu legen.

WEITERLESEN:
Impfen
In den USA ist das Thema Impfstoff auch ein Politikum. Dort finden am 3. November Präsidentschaftswahlen statt.
iStock-busracavus