Corona-Tracking

WHO dämpft allzu große Erwartung an Apps

Auch beim Einsatz solcher Hilfsmittel seien weiterhin Menschen nötig, die nachverfolgen, mit wem Infizierte in letzter Zeit Kontakt hatten, um sie zu warnen und in Quarantäne zu bringen, sagte WHO-Expertin Maria van Kerkhove am Mittwoch in Genf. Die Zahlen in Österreich sind unterdessen erfreulich, so unterschritt die Zahl der aktiv Erkrankten die 1.500er Marke.

red/Agenturen

„Solche Apps können nicht die Menschen ersetzen, die Kontakte überprüfen“, sagte sie. Eine App für das Handy soll in vielen Ländern zum Einsatz kommen. Sie erfasst, welche Smartphones einander nahegekommen sind und können dann Nutzer warnen, wenn sich später herausstellt, dass in ihrer Umgebung eine infizierte Person war. Die Nutzer könnten dann in Quarantäne gehen. Experten nehmen an, dass etwa 60 Prozent der Bevölkerung die App auf ihrem Handy nutzen müssen, damit der Schutz vor Infektionen funktioniert.

Auch Bundesrettungskommandant Gerry Foitik betonte bei der Pressekonferenz des Österreichischen Roten Kreuzes (ÖRK) in diesem Zusammenhang einmal mehr die Sinnhaftigkeit der „Stopp Corona“-App, vor allem wenn es im normalen gesellschaftlichen Leben wieder viele Kontakte gibt. Mehr als 560.000 Downloads wurden bisher verzeichnet. Damit sie erfolgreich eingesetzt werden kann, müssen es mehr sein, betonte Foitik.

Die Krise sei einerseits erst vorbei, wenn genug Menschen immun seien. Nunmehr schaue es eher aber danach aus, „dass es einen flächendeckenden wirksamen Impfstoff gibt“, sagte Foitik weiter. Das sei erst in ein bis eineinhalb Jahren der Fall. Bis dahin müsse auf Containment gesetzt und jeder Fall nachverfolgt werden, „um möglichst keinen Menschen zu übersehen, der unerkannt infiziert ist“. Denn dadurch könne wieder eine exponentielle Erkrankungswelle ausgelöst werden.

Expertenkommission in Bezug auf Ischgl

Wichtig wird die Bedeutung von Contact Tracing, der Rückverfolgung von Infektionsketten. Ziel der Methode ist es, möglichst jede angesteckte Person zu finden, um die Übertragung auf andere Menschen zu verhindern. In Österreich nimmt die Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) dabei eine bedeutende Rolle ein, die das Epidemiologische Meldesystem (EMS) verwaltet. In Tirol sind rund 500 Mitarbeiter der Behörden für das Contact Tracing im Einsatz. Aufgearbeitet wird auch die rasante Ausbreitung des Coronavirus in Tirol.

Nachdem sich allmählich eine Expertenkommission formiert hat, die den Behördenumgang mit dem Infektions-Hotspot Ischgl untersuchen soll, wurde bekannt, dass die beiden Corona-Hotspots Ischgl und Universität Innsbruck im Zusammenhang stehen dürften. Nach einem Bericht des „Kurier“ unter Berufung auf den Semiosisblog des Journalisten Sebastian Reinfeldt dürften norwegische Studenten, die positiv auf das Coronavirus getestet worden waren, auch die Bar Kitzloch in Ischgl besucht haben.

Nach den positiven Testergebnissen der drei Norweger am 6. März sei von ihnen beim darauffolgenden Contact Tracing zunächst kein Zusammenhang zum Kitzloch genannt worden. Nach dem Bekanntwerden der ersten positiven Testung des Barkeepers in Ischgl am Abend des 7. März seien die drei Erasmus-Studenten am 8. März dann nochmals explizit von den Behörden auf das Kitzloch angesprochen und befragt worden, daraufhin bestätigten die drei, dass sie im Kitzloch waren.

Eine Viertelmillion Todesopfer

Erfreuliche Zahlen im Kampf gegen das Coronavirus hierzulande meldeten die Behörden. Die Zahl der aktiv Erkrankten ist in Österreich am Mittwoch unter 1.500, genau auf 1.437, zurückgegangen. Auch die Zahl der Covid-19-Patienten auf Intensivstationen ging auf unter 100, nämlich auf 97 zurück. Insgesamt starben in Österreich bisher 608 an oder mit der durch das Coronavirus ausgelösten Lungenkrankheit Covid-19. Von Dienstag auf Mittwoch waren zwei Tote zu beklagen, je einer in Tirol und in Vorarlberg.

Weltweit sind mehr als 250.000 Menschen an einer Infektion mit dem Coronavirus gestorben, geht aus der Zählung der Nachrichtenagentur AFP hervor, die auf Angaben von Behörden rund um den Globus basiert. Europa ist nach wie vor der am stärksten von der Pandemie betroffene Kontinent. Dort sind insgesamt 145.023 Todesopfer und 1,572 Millionen Infektionsfälle registriert. Die höchste Zahl von Todesfällen in einem einzelnen Land gibt es in den USA mit mehr als 70.000 Verstorbenen.

Corona Tracking
Corona-Tracking via speziellen Apps wird künftig einen größeren Stellenwert als bisher bekommen.
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