Schutzmasken

Vom Centartikel zur teuren Mangelware

Die Corona-Pandemie ist vor allem durch einen Gegenstand symbolisiert: Den Mund-Nasen-Schutz, kurz MNS. Für die breite Bevölkerung besteht hier freie Wahl, egal ob Schal, DIY-Stoffmaske oder Einwegartikel. Beim Gesundheitspersonal sieht die Sachlage anders aus, temporäre Engpässe in der Beschaffung speziell geeigneter Masken haben immer wieder zu Verunsicherung und Kritik geführt. Medinlive hat mit Equip4Ordi, der Einkaufsgemeinschaft der Ärztekammer, über die Thematik gesprochen und den aktuellen Prüfbericht des OFI unter die Lupe genommen.

red

„Sie müssen sich die Situation vorstellen: Eine noch nie dagewesene, vorher schwer vorstellbare Gesundheitskrise. Unser gesamtes Equip4Ordi-Team war im Homeoffice, wir wurden von allen Seiten mit Anfragen konfrontiert und der grundsätzliche Tenor war natürlich: „Wir brauchen die Masken SOFORT“ erzählen die Equip4Ordi Geschäftsführer Christoph Ruprecht und Alexander Papanikolaou über ihren Joballtag in der Coronakrise.

Die Preise der Masken schossen zu diesem Zeitraum im Stundentakt in die Höhe, bestätigen beide, „die Lieferanten gaben verbindliche Angebot auch nur für einen Zeitraum von ein bis maximal zwei Stunden und dann waren die Masken auch schon wieder ausverkauft.“ so die Geschäftsführer weiter. Bis zu 100 Mails pro Stunde, Betreff: „Masken“, fluteten die Equip4Ordi Maileingänge zu Hoch-Zeiten der Krise. „Das alles zu sichten, zu prüfen, im Auge zu behalten: „Man konnte den Eindruck gewinnen, jeder kennt jemanden, der jemanden kennt der Masken besorgen kann.“ erinnern sich die Geschäftsführer an diese Zeit.

Dazu kommt: Equip4Ordi ist ein recht junges Unternehmen, erst 2019 fiel der Startschuß. Und von jetzt auf gleich waren die bisherigen, verlässlichen Partner passé, denn es hieß überall: „Masken: Leider ausverkauft“.

Switch vom Angebots- zum Nachfragemarkt

Im Schnelldurchgang wandelte sich der Weltmarkt: Verschiedenste Maskenmodelle wurden von vergleichsweise günstigen Centartikeln zur hochgehandelten, stark nachgefragten und preislich dementsprechenden Mangelware. Das bekam selbstredend auch Equip4Ordi zu spüren: „Unser Anspruch war, die Masken von EU-Lieferanten zu beziehen“ erläutern die Geschäftsführer. So kam es auch zu einer Lieferung eines WHO-akkreditierten deutschen Unternehmens, eine der letzten vor dem Exportstopp in Deutschland, die bei so manchem Arzt für Unmut sorgte, „denn der damals sehr hohe Preis konnte natürlich von Interessenten nicht nachvollzogen werden. Aber so war die wortwörtlich verrückte Marktlage zu diesem Zeitpunkt“ erklären die  Equip4Ordi Geschäftsführer. Wieviele Beschwerden es konkret gab? „Negatives Feedback und Retouren lagen bei unter zwei Prozent, die  überwiegende Mehrheit der Ärztinnen und Ärzte war zufrieden“ so Ruprecht und Papanikolaou.

Stichwort Zertifizierung: Bei Produkten im Zusammenhang mit COVID-19 ist das Prüfwesen komplex und dem Zweck entsprechend anspruchsvoll. Ein kurzer Überblick: „Grundsätzlich muss zwischen persönlicher Schutzausrüstung, Medizinprodukten und anderen nicht-regulierten Produkten unterschieden werden“, dabei „kommen unterschiedliche Regelungen zur Anwendung. Atemschutzmasken (z.B. FFP2-Masken) unterliegen etwa der Verordnung für persönliche Schutzausrüstung, OP-Masken unterliegen der Medizinprodukte-Richtlinie. Ein Mund-Nasen-Schutz dagegen – wenn nicht als Medizinprodukt oder persönliche Schutzausrüstung deklariert – bedarf keiner CE-Zertifizierung, darf aber auch nicht als „Schutzmaske“ vermarktet werden.“ fassen die Geschäftsführer zusammen.

Vor allem anfangs gab es immer wieder Kritik, ganz allgemein an maskenausgebenden Stellen österreichweit. Auch möglicherweise ungenügender Schutz beziehungsweise unzureichende Kennzeichnungen wurden debattiert. Was entgegnet man verunsicherten Ärztinnen und Ärzten in solchen Fällen? „Alle Masken, die für uns in die engere Auswahl kamen, wurden vom OFI, dem Österreichischen Forschungsinstitut für Chemie und Technik, in einem aufwendigen Verfahren auf ihre Partikeldichtheit überprüft. Diese Ergebnisse wurden vom OFI mit in Österreich bereits zugelassenen Masken verglichen, die in Krankenhäusern derzeit in Verwendung sind. Fazit: Das OFI kommt zu dem Ergebnis, dass die Gesamt-Abscheideleistung der von uns angebotenen Masken bei Aerosolen besser ist als bei den im Vergleich gemessenen, nach EN149 zertifizierten FFP2 und FFP3 Schutzmasken. Im Klartext: Unsere Masken erfüllen bzw. übererfüllen die notwendigen Schutzleistungen“, erklären die Geschäftsführer.

Komplexe Formalismen

Warum dann die Aufregung, die auch Equip4Ordi erreichte? „Die Kritik bei uns war insofern berechtigt, als wir von den Herstellern selbstverständlich Zertifikate bekommen haben, bei einer FFP2-Maske allerdings ein Zertifikat für „Medizinprodukte“ und nicht für „Persönliche Schutzausrüstung“. Diese Formalie darf man berechtigterweise kritisieren, und ohne das zu entschuldigen, ist das wohl dem in sehr großer Geschwindigkeit passierten Beschaffungsprozess geschuldet.“ so die Geschäftsführung. Besagte FFP2-Maske wurde daher aus dem Sortiment genommen, es wurde umgehend reagiert und Lieferant sowie Hersteller über den Sachverhalt informiert.

„Wesentlich für uns ist jedenfalls: Das Prüfergebnis des OFI bestätigt, dass zu keiner Zeit eine Gesundheitsgefährdung der Ärztinnen und Ärzte noch der Allgemeinheit durch unsere Masken gegeben war, weil die Masken über die notwendigen Partikelfiltrierung verfügen“. so das Fazit der Geschäftsleitung. Derzeit arbeitet Equip4Ordi übrigens zusammen mit dem ÖTI und dem Amt für Rüstung und Wehrtechnik an einer entsprechenden Zertifizierung. Der OFI-Prüfbericht sei daher „als momentane Versicherung für Ärztinnen und Ärzte zu sehen, dass die Masken ihre Schutzleistungen klar erfüllen.“ so Ruprecht und Papanikolaou.

Auf die Frage, was Equip4Ordi als learning aus dieser fordernden Zeit mitnimmt, lautet die Antwort: „Rückblickend auf diese für uns alle noch nie dagewesenen Belastungssituation und dieser enormen Challenge kann man viel für die Zukunft mitnehmen. Was wir jedenfalls machen werden, ist uns künftig mit ausreichend Artikel für Schutzausrüstung zu versorgen, um in einer ähnlichen Situation über eine längere Reaktionszeit verfügen zu können. Damit können wir gezielt agieren und müssen nicht nur auf die Situation reagieren. Die Expertise unserer Lieferanten ist ein guter Anhaltspunkt, aber man muss auch ausreichend Zeit einplanen, um nicht nur genau zu prüfen, wie wir es ohnehin tun, sondern doppelt genau zu prüfen. Auch und im Besonderen hinsichtlich der notwendigen Formalismen.“

 

Infos zu Equip4Ordi

Das Unternehmen ist als Rundum Service für Ordinationen angelegt. „Ähnlich unserem Onlineshop im Prinzip eines One-Stop-Shop werden sukzessive umfangreichere Produkt- und Dienstleistungen für den niedergelassenen Bereich in allen Aspekten der Selbstständigkeit ergänzt.“ so die Tochtergesellschaft der Ärztekammer dazu, die als Einkaufsgemeinschaft fungiert und 2019 ins Leben gerufen wurde.

Als Medizinprodukte- und Arzneimittelgroßhändler sieht sich Equip4 Ordi laut Eigendefinition als „kompetenter Ansprechpartner in allen Fragen rund um Ihre Ordination. Spezielles Augenmerk wird hier auf den Bereich der Kooperationen gelegt. Unser Ziel ist der Aufbau eines Service und einer Handelsplattform für den niedergelassenen Bereich. Wir sind eine offene Plattform und stehen allen Lieferanten offen.“

 

 

Schutzmasken
Ihren Fixplatz im Alltag der Menschen hat sch der sogenannte Mund-Nasen-Schutz (links) rasch behauptet, ab sofort ist dessen Tragepflicht aber stark eingeschränkt.
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