Neue Ursache für dauerhaften Stress im Gehirn identifiziert

Die Erkenntnisse könnten neue Perspektiven für das Verständnis der neuronalen Prozesse beim posttraumatischen Stresssyndrom, bei chronischem Stress und bei Burnout eröffnen.

red/Agenturen

Forscher der MedUni Wien, der Budapester Semmelweis-Universität, des Karolinska-Instituts in Stockholm und der amerikanischen Yale-Universität haben im Rahmen internationaler Zusammenarbeit einen Prozess im Gehirn identifiziert, der für die verzögert eintretende Stressreaktion und die Langzeitwirkung von Stress verantwortlich ist.

Dritter Stressmechanismus identifiziert

Für die Auslösung dieser Mechanismen ist das Stresszentrum im Hypothalamus (Abschnitt des Zwischenhirns) verantwortlich. Es besteht aus einer Gruppe spezieller Nervenzellen. Bisher waren zwei Stressmechanismen bekannt: die Freisetzung von Hormonen aus der Nebenniere innerhalb von Sekunden nach der Stresseinwirkung und die Weiterleitung über Nervenzellen innerhalb von Sekundenbruchteilen nach der Stresseinwirkung in Richtung des Frontallappens der Großhirnrinde.

Untersuchungen der Wissenschafter haben nun ergeben, dass noch ein dritter Stressmechanismus im Gehirn existiert. Dieser neu entdeckte Prozess spielt sich im Hirnwasser ab, die Wirkung tritt aber erst mit einer Verzögerung von 10 Minuten auf und dauert im Gegensatz zu den anderen Stressmechanismen länger an.

Eine entscheidende Rolle spielt dabei das Molekül CNFT, das im Hirnwasser kreist, und für die Entwicklung und Instandhaltung des Nervensystems verantwortlich ist. In der Flüssigkeit, die das Gehirn umgibt, wird das Molekül langsamer verdünnt und kann deshalb seine Wirkung länger andauernd entfalten. CNFT bombardieren als Reaktion auf das Stressereignis das Stresszentum im Gehirn. In der Folge kommt es zu einem wacheren Zustand des Nervensystems mit einer höheren Reaktionsfähigkeit. 

Möglicher Behandlungsansatz neuropsychiatrischer Erkrankungen 

Diese neue Erkenntnis könnte eine Erklärung dafür sein, wie aus akutem Stresschronischer wird. Die weitere Erforschung der genauen Wirkmechanismen steht nun im Fokus der Forscher: Das Wissen über jene Prozesse, die zu dauerhaften Stressreaktionen des Körpers führen, könnten künftig wegweisend für neue Behandlungsmethoden neuropsychiatrischer Erkrankungen wie Posttraumatisches Stress-Syndrom Chronischer Stress und Burnout sein.