Coronavirus

NÖ: Mehr Flexibilität in Spitälern nötig

Niederösterreich wird ein starres Konzept für die Bewältigung der Ereignisse rund um das Coronavirus als „wenig hilfreich“ angesehen. Wichtig sei vielmehr, flexible Strukturen zu schaffen, so Gesundheitslandesrätin Ulrike Königsberger-Ludwig (SPÖ).Im Herbst wird es laut dem Büro der Gesundheitslandesrätin vor allem darum gehen, „mögliche Verkühlungs- und Grippesymptome von Covid-19 Symptomen abzugrenzen“ und die vulnerablen Gruppen zu schützen.

red/Agenturen

Ebenso von Bedeutung sei ein eng abgestimmtes Vorgehen mit dem Bund und den Bezirksverwaltungsbehörden, „um in der Praxis möglichst einheitlich zu agieren“. Nichtsdestotrotz seien in Niederösterreich verschiedene Szenarien zurechtgelegt, die bei der Bewältigung einer möglichen zweiten Welle helfen sollen. „Die wichtigsten Punkte dabei sind das Vorhalten von ausreichend Kapazitäten (z.B. Tests, Betten) und Schutzausrüstung, ein engmaschiges, rasches Contact Tracing und eine möglichst automatisierte Datenverarbeitung, um umgehend ein aktuelles Bild zu erhalten“, wurde im Büro der Landesrätin betont.

Die Sommermonate sollen genutzt werden, um die Abläufe zu optimieren und Automatisierungen anzulegen, die den Behörden die Arbeit erleichtern sollen. Es würden Mengengerüste erstellt, um jetzt schon abschätzen zu können, welchen Aufwand ein Screening beispielsweise in der Pflegebranche bedeutet. Man schaue zudem, wo Pool-Testungen sinnvoll einsetzbar und auf welchem Weg die Testungen möglichst effizient durchführbar seien, um rasch Ergebnisse zu erhalten.

Im Rückblick hieß es im Büro von Königsberger-Ludwig, dass zu Beginn der Pandemie „die Strukturen erst aufgebaut“ hatten werden müssen, „die für die Abwicklung der notwendigen Maßnahmen benötigt werden“. So sei es zu personeller Aufstockung bei der Hotline 1450 gekommen, es seien auch permanente Verbindungen zu anderen Stellen wie Landesgesundheitsagentur (LGA) oder Ärztekammer geschaffen worden. Die täglichen Einmeldungen verschiedenster Statistiken seien erstellt, serviciert sowie laufend verbessert und angepasst werden.

Das Land Niederösterreich habe auch bereits mit dem Bund Kontakt aufgenommen, um eine gemeinsame Beschaffung zu organisieren, weil durch größere Bestellungen positive Kosteneffekte erzielt werden könnten. Daneben gebe es auf Landesebene in enger Kooperation mit der LGA eine Beschaffungsarbeit.

Flächenland mit logistischen Herausforderungen

„Teststrategien wurden und werden laufend erstellt und durchgeführt“, hieß es weiter. Das Land Niederösterreich habe sehr früh damit begonnen, die Pflegeheime und Krankenanstalten, den mobilen Pflegebereich, die sozialen Einrichtungen und die Behinderteneinrichtungen zu testen. Zuletzt seien es die Kindergartenbetreuer und Ferienspielbetreuer gewesen, „um in diesem Bereich unkontrolliertes Infektionsgeschehen möglichst zu vermeiden“.

Künftige Konzepte seien bereits dem Bund vorgelegt und inhaltlich abgestimmt worden. „Darin haben wir vor allem auf die vulnerablen Gruppen abgestellt, die in regelmäßigen Abständen getestet werden sollen“, wurde betont. Das seien pflegende Angehörige, Personal in Betreuungseinrichtungen, mobile und 24-Stunden-Betreuung, Risikogruppen. „Eine Antwort über die Durchführung ist derzeit noch ausständig.“

Im Herbst wird es laut dem Büro der Gesundheitslandesrätin vor allem darum gehen, „mögliche Verkühlungs- und Grippesymptome von Covid-19 Symptomen abzugrenzen. Dafür laufen aktuell die Vorbereitungen, da in einem Flächenland wie Niederösterreich vor allem im Bereich der Probenabnahme die logistischen Herausforderungen liegen“.

Auch Niederösterreichs Landesgesundheitsagentur (LGA) baut im weiteren Umgang mit dem Coronavirus auf Variabilität. In den Kliniken sowie in den Pflege- und Betreuungszentren des Landes werde die Situation kontinuierlich bewertet, weiters würden laufend entsprechende Maßnahmen gesetzt.

Als „effizient und zielführend“ wurde seitens der Landesgesundheitsagentur die während der Coronakrise gewählte Strategie der zehn sogenannten Covid-Schwerpunkthäuser bezeichnet. „Sie könnte ein Modell sein, wenn es nochmals zu einer massiven Erkrankungswelle kommen sollte“, wurde betont. Bewährt habe sich außerdem die zeitnahe Etablierung von Einsatzstäben in der Zentrale sowie in den Klinken und die damit verbundene tägliche Beurteilung der Lage. Als positiv habe sich in den vergangenen Monaten etwa auch das kontinuierliche Testen von Mitarbeitern sowie von „akuten und präoperativen“ Patienten erwiesen.

„Etwas sensitiver vorgehen“ würde die LGA eigenen Angaben zufolge im Falle einer zweiten Infektionswelle in Bezug auf das Aufschieben von „elektiven Operationen“. Mittlerweile gelockert wurden die Richtlinien für Besucher in Pflegeheimen und Spitälern. Sollten hier erneut Einschränkungen notwendig werden, könnten diese „innerhalb Tagesfrist umgesetzt werden“, hieß es.

Vorräte bei Schutzausrüstung

Hinsichtlich einschlägiger Vorräte wie MNS-Masken, Handschuhen und Desinfektionsmittel seien nunmehr entsprechende Kapazitäten vorhanden und auch Vorräte gebildet worden. „Dennoch ist unser zentraler Einkauf weiter in Kontakt mit verschiedensten Anbietern, um hier ein breit gefächertes Angebot sicher zu stellen“, schrieb die LGA in einer Stellungnahme. Der Einkauf beobachte in Bezug auf die relevanten Produkte laufend Lagerstände, Verbrauch, Einlangen der offenen Bestellungen und die Entwicklungen am Markt. Außerdem sei eine Pandemie-Lagerstrategie in Umsetzung, Logistikvorkehrungen für Kliniken sowie Pflege- und Betreuungszentren seien am Laufen.

Vor Herausforderungen in Sachen Schutzmaterial stand während der ersten Infektionswelle auch das niederösterreichische Rote Kreuz. Nunmehr habe sich die Lage entspannt, befand Präsident Josef Schmoll. „Vor allem auch dank der Flexibilität österreichischer Unternehmen kann jetzt mehr auch im Land organisiert werden“, erklärte er. Die enge Zusammenarbeit und Abstimmung mit den Behörden des Landes bleibe wichtig.

Für eine mögliche zweite Welle sieht sich das Rote Kreuz generell gut gerüstet. „Wir sind entsprechend darauf vorbereitet. Unsere Leute sind ausgebildet, Schutzausrüstung und Desinfektionsmittel sind leichter zu bekommen“, fasste Schmoll zusammen. Das Rote Kreuz suche jedoch nach zusätzlichen Mitarbeitern mit aufrechter Sanitätsausbildung, die im Fall verstärkter Testungen aushelfen könnten.