Coronavirus

Deutschland macht Druck auf Airlines wegen Ticket-Erstattungen

Die deutschen Behörden machen einem Zeitungsbericht zufolge Druck auf Fluggesellschaften, die nach wegen der Corona-Pandemie ausgefallenen Flügen das Geld für die Tickets noch nicht erstattet haben. Das Luftfahrt-Bundesamt (LBA) habe „zunächst gegen diverse Luftfahrtunternehmen Verwarnungen ausgesprochen“, teilte die Behörde der „Welt am Sonntag“ laut Vorausbericht mit.

red/Agenturen

„Darüber hinaus sind zwischenzeitlich Ordnungswidrigkeitenverfahren gegen auffällig gewordene Luftfahrtunternehmen eingeleitet worden.“ Die Verfahren seien allerdings noch nicht abgeschlossen.

Wegen der Corona-Pandemie sind zahlreiche Flüge gestrichen worden. Der Flugverkehr kam weltweit fast komplett zum Erliegen und erholt sich nur langsam. Zahlreiche Fluggesellschaften stecken nun in der Krise und bekommen teilweise Staatshilfen, wie etwa die Lufthansa. Die Rückzahlungen bedeuten eine zusätzliche Belastung für die Airlines.

Eine EU-Richtlinie sieht vor, dass Passagiere nach annullierten Flügen ihr Geld innerhalb einer bestimmten Frist zurückbekommen. Diese Erstattung verläuft aber teilweise schleppend und je nach Fluggesellschaft offenbar unterschiedlich, wie aus dem Bericht hervorgeht. So habe das Reiserechtsportal Fairplane 54.000 Fälle ausgewertet. Demnach seien Kunden von Easyjet in 96 Prozent bereits entschädigt worden. Am Ende stehen Airlines wie Ryanair mit fünf Prozent, sowie die Lufthansa-Töchter Eurowings und Swiss mit vier und fünf Prozent.

Zahl der Übernachtungen in Deutschland eingebrochen

Die Coronakrise hat den jahrelangen Boom der deutschen Tourismusbranche im ersten Halbjahr jäh unterbrochen: Die Zahl der Übernachtungen in- und ausländischer Gäste brach von Jänner bis Juni um 47,1 Prozent zum Vorjahreszeitraum auf 117,5 Millionen ein, wie das Statistische Bundesamt am Montag mitteilte.

Bis zum Ausbruch der Viruspandemie war die Branche auf gutem Weg zum elften Wachstumsjahr in Folge mit einem weiteren Übernachtungsrekord. Zuletzt fielen die Einbrüche wegen gelockerter Einschränkungen für Hotellerie, Ferienunterkünfte und Campingplätze nicht mehr ganz so heftig aus: Im Juni wurde ein Minus von 41,7 Prozent verbucht, nachdem es im Mai aufgrund zeitweiliger Schließungen noch 74,9 Prozent waren.

Wegen strenger Auflagen mit Abstandsgeboten, Kontaktbeschränkungen und Kapazitätsbegrenzungen meldeten die Hotels massive Umsatzeinbußen bei steigenden Kosten, wie der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) beklagte. Während die Buchungen bei Hotels in Feriengebieten zuletzt einen positiven Trend zeigten, leiden die Stadt- und Tagungshotellerie nach wie vor unter der Krise, da Messen, Kongresse, Tagungen immer noch nicht stattfinden und viele Geschäftsreisende ausbleiben.

„Wir müssen das sehr ernst nehmen“

Die Branche befürchtet zudem wegen der steigenden Zahl an Neuinfektionen weitere Rückschläge. „Wir sind alle gut beraten, die Dinge jetzt nicht zu dramatisieren und eine zweite Welle herbeizureden. Aber wir müssen das sehr ernst nehmen“, sagte Dehoga-Hauptgeschäftsführerin Ingrid Hartges kürzlich Reuters. „Corona ist nicht besiegt. Solange müssen wir die Schutzmaßnahmen weiter konsequent umsetzen.“ Nur so könne die seit Mitte Mai gewonnene Freiheit des Ausgehens und des Reisen erfolgreich verteidigt werden.

Die deutsche Wirtschaft rechnet wegen Corona mit einer Einschränkung des öffentlichen Lebens für weitere 8,5 Monate, ergab die Ifo-Konjunkturumfrage. „Vor allem Firmen der Freizeitbranche befürchten längere Einschränkungen von 13,0 Monaten“, erklärten die Münchner Forscher dazu. Künstlerische Tätigkeiten und die Gastronomie gehen von elf Monaten aus.

 

 

 

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Die Passagierzahlen sind in Deutschland während der Coronakrise eingebrochen, die Ticketpreise gestiegen.
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