Coronavirus

Frankreich will auf Quarantänepflicht in Großbritannien reagieren

Paris will auf die britische Quarantänepflicht für Reisende aus Frankreich reagieren und eine gleichwertige Maßnahme für Reisende aus Großbritannien einführen. Man bedauere die britische Entscheidung und hoffe auf eine baldige Rückkehr zur Normalität, teilte Europa-Staatssekretär Clément Beaune am Freitag via Twitter mit.

 

 

red/Agenturen

Reisende aus Frankreich und den Niederlanden müssen sich nach ihrer Ankunft in Großbritannien von diesem Samstag an wieder zwei Wochen selbst isolieren. Das hatte der britische Verkehrsminister Grant Shapps am Donnerstagabend mitgeteilt.

Gleichzeitig lockerte die britische Regierung die Maßnahmen innerhalb Englands. Beispielsweise sind von Samstag an Hochzeitsfeiern mit maximal 30 Gästen wieder zugelassen. Auch Casinos, Bowling-Center und Indoor-Spielplätze dürfen wieder aufmachen. Die Bußgelder für die Nicht-Einhaltung von Maßnahmen wurden hingegen erhöht.

„Diese Dinge wieder aufmachen zu können, aber Korridore für Reisen anderswo zu schließen, ist alles Teil derselben Sache“, verteidigte Shapps die Maßnahmen in der BBC. Man habe nur einen begrenzten Spielraum zur Verfügung, um die Pandemie in Schach zu halten.

„Vernichtender Schlag für die Reisebranche“

Der britische Luftfahrt-Verband Airlines UK bezeichnete die Entscheidung aus London als „weiteren vernichtenden Schlag für die Reisebranche“ und forderte, die Maßnahmen auf einzelne Regionen zu beschränken, wie es Deutschland tut. Der BBC zufolge halten sich derzeit etwa 160.000 Briten in Frankreich auf. Viele versuchten demnach am Freitag eiligst nach Hause zu kommen. Laut BBC vervielfachten sich die Preise für Flüge von Frankreich nach Großbritannien. Am Eurotunnel und dem Fährterminal in Calais wurde mit großem Andrang gerechnet.

Frankreich verfolgt in der Corona-Krise grundsätzlich die Linie, keine Quarantänepflicht zu verhängen. Falls ein Land jedoch diesen Schritt macht, wird in Frankreich entsprechend reagiert und ebenfalls eine Quarantäne für Reisende angeordnet. Wann Frankreich im Fall Großbritanniens handeln will, blieb zunächst offen.

Der französische Regierungschef Jean Castex hatte erst vor wenigen Tagen gewarnt, dass sich die Lage in der Corona-Pandemie verschlechtert habe. Die Zahl der Einweisungen in Krankenhäuser und auf Intensivstationen habe wieder zugenommen.

In Frankreich sind Corona-Schutzmasken in öffentlichen Verkehrsmitteln und öffentlichen geschlossenen Räumen wie Läden oder Restaurants Pflicht. Viele Orte, darunter die Hauptstadt Paris, setzen aber vermehrt auch auf eine Maskenpflicht unter freiem Himmel an bestimmten Orten. Das Land ist hart von der Pandemie betroffen, mehr als 30 000 Menschen starben. In Großbritannien liegt die Zahl der Opfer bei mehr als 41 300.

Paris als aktive Corona-Zone eingestuft

Wegen der steigenden Zahl der Corona-Neuinfektionen gilt Frankreichs Hauptstadt wieder als Zone, in der das Virus aktiv zirkuliert. Ein entsprechender Erlass wurde am Freitag veröffentlicht.

Auch das Departement Bouches-du-Rhone, in dem die Stadt Marseille liegt, ist von der neuen Einstufung betroffen. Das bedeutet, dass die regionalen Behörden dort das öffentliche Leben einschränken können - theoretisch etwa durch das Schließen von Restaurants oder Märkten oder die Einschränkung der Bewegungsfreiheit.

Die Städte Paris und Marseille seien aktuell besonders gefährdet, sagte der Direktor der nationalen Gesundheitsbehörde, Jerome Salomon, am Freitag. In etwa 20 weiteren Departements sei man aktuell besonders wachsam. Die Behörden hatten zuvor bereits gewarnt, dass die Zahl der Neuinfektionen in den Metropolen besonders bei jungen Menschen steige. „Es sind dicht besiedelte Orte, Orte mit vielen Bevölkerungsströmen, viel Verkehr, vielen jungen Menschen, die intensiv sozial aktiv sind“, so Salomon.

Ob es in der Folge konkrete Maßnahmen in Paris oder Marseille geben wird, war noch offen. Schaut man etwa in Paris auf die Zahl der Infektionen pro 100.000 Einwohner, liegt die Stadt mit mehr als 60 Fällen in der roten Zone. Blickt man allerdings auf die Auslastung der Intensivbetten, ist die Stadt bisher im grünen Bereich gewesen. Laut „Le Parisien“ könnte die hohe Zahl der Neuinfektionen in Paris auch leicht verzerrt sein - unter anderem wegen Tests an den Flughäfen.

Die Einstufung als aktive Viruszone ist in Frankreich bei einer Schwelle von mehr als 50 Fällen pro 100.000 Einwohner möglich - geschieht aber nicht automatisch. Bei der Einstufung wird etwa berücksichtigt, ob es sich um sogenannte Cluster handelt und Infektionsketten nachvollziehbar sind. Frankreich ist mit mehr als 30.000 Toten schwer von der Coronavirus-Pandemie getroffen.

 

 

Paris Seine Eiffelturm
Die Einreisebedingungen für Österreicher divergieren von Land zu Land.
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