Med-Uni Graz entwickelte Leitlinie für Insulin-Management bei Sport

Menschen mit Diabetes-Typ-1 können trotz ihrer Erkrankung körperlich aktiv sein, sie sollten beim Sport aber ein wachsames Auge auf ihre Blutzuckerwerte haben und mit Unterzuckerung rechnen. Ein internationales Team rund um Forscher der Med-Uni Graz haben neue Empfehlungen ausgearbeitet, die auf den modernen Möglichkeiten des Blutzuckermanagements basieren, teilte die Med-Uni Graz mit.

red/Agenturen

Typ-1-Diabetes müssen ihre Blutzuckerwerte ständig im Auge behalten, da ihr Körper nicht in der Lage ist, Insulin selbst zu produzieren und so die Glukosekonzentration stabil zu halten. Bei Abweichungen muss der Blutzuckerspiegel künstlich auf möglichst optimalem Niveau gehalten werden. Die Insulintherapie ist bei körperlicher Belastung daher nicht einfach handzuhaben.

Die Grazer Forscher haben bereits in früheren Studien gezeigt, dass Insulinreduktion bzw. die Zufuhr von zusätzlichen Kohlenhydraten eindeutig notwendig sind, um eine lebensbedrohliche Unterzuckerungen zu vermeiden. Patienten und Patientinnen mit Typ 1 Diabetes wurde daher schon bisher empfohlen, die Insulindosis in Abhängigkeit zur Dauer und Intensität der Belastung zu reduzieren oder zusätzliche Kohlenhydrate zuzuführen.

Forscher weltweit arbeiten an Systemen, bei denen der Blutzucker kontinuierlich gemessen wird. Bei solchen sogenannten CGM-Systemen wird ein winziger Sensor unter der Haut eingebracht, der Blutglukosewert wird nicht-invasiv gemessen und über einen Sender mehrmals pro Tag an den Empfänger versendet. „In den letzten Jahren haben sich die Möglichkeiten rund um das Blutzuckermanagement deutlich weiterentwickelt, da über kontinuierlich messende Blutzuckermessgeräte permanent Blutzuckerwerte zur Verfügung stehen. Dennoch wurden alle bisher verwendeten Therapieempfehlungen bei Sport und Diabetes mellitus Typ 1 basierend auf Blutzuckermessungen von der Fingerbeere erstellt“, schilderte Othmar Moser von der Grazer klinischen Abteilung für Endokrinologie und Diabetologie die bisherige Situation.

Blutzuckermanagement soll künftig über eine App erleichtert werden

Gemeinsam mit weiteren rund 30 internationalen Forschern hat er Empfehlungen ausgearbeitet, die auf den modernen Blutzuckermess-Systemen basieren und Sportlern sichere körperliche Aktivitäten ohne gefährliche Blutzuckerschwankungen ermöglichen sollen. „Wie bei den meisten chronischen Erkrankungen ist ein aktiver Lebensstil wichtig, um ein langes und nahezu gesundes Leben ermöglichen zu können“, betonte Moser. Mit den Empfehlungen wollen die Forscher einen Impuls liefern, damit letztlich der Rat zu sportlicher Aktivität in den Therapieplan von Menschen mit Diabetes mellitus Typ 1 als fixer Bestandteil integriert werden kann.

Das Forscherteam differenzierte für das EASD/ISPAD Consensus Statement zum Thema Sport und Diabetes mellitus Typ 1 zwischen Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen sowie innerhalb dieser Altersgruppen unter verschiedenen Risikogruppen. In den Empfehlungen zeigen sie auf, ab welchem Glukosewert es notwendig ist, während sportlicher Betätigung zusätzliches Insulin zuzuführen. Ebenso wird dargelegt, bei welchem Blutzuckerwert welche Menge an Kohlenhydraten, abhängig vom Glukosewert eingenommen werden soll.

Dieses Blutzuckermanagement soll künftig über eine App erleichtert werden, die gerade gemeinsam mit Kollegen vom King's College in London entwickelt wird. Am Ende soll ein smartes Glukosemanagement zur Verfügung stehen, dass die Kombination von Diabetes und Sport einfacher gestalten soll.

Das EASD/ISPAD Consensus Statement wurde zusätzlich von der Amerikanischen Diabetes Gesellschaft (ADA) und von der größten Non-Profit-Diabetes-Organisation JDRF unterstützt. https://www.easd.org/sites/default/files/Exercise%20CGM%20EASD%20position%20statement_final.pdf )

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Sport und Bewegung sind gesund – nicht nur, aber ganz besonders bei Diabetes.
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