Oxytocin-Rezeptor als aussichtsreicher Ansatz für Brustkrebs-Therapie

Oxytocin wird als „Liebeshormon“ gehypt, doch es hat auch Schattenseiten: So spielt der Oxytocin-Rezeptor eine wichtige Rolle bei Brustkrebs. Das Wissen über die Verbindung des Hormons und der Krebserkrankung haben nun Wiener Forscher mit Kollegen im Fachjournal „Oncogene“ zusammengefasst. Sie sehen im Oxytocin-Rezeptor einen vielversprechenden Ansatz für neue Therapien gegen Brustkrebs.

red/Agenturen

Oxytocin ist ein kleiner Eiweißstoff (Peptid), der im Hirn aller Säugetiere hergestellt wird. Das Hormon gelangt über die Blutbahn in andere Organe und lässt die glatte Muskulatur zusammenziehen. Das passiert etwa, damit Muttermilch fließt, bei der Gebärmutter zur Einleitung der Geburt und beim Orgasmus von Mann und Frau. Im Gehirn selbst beeinflusst es als Neurotransmitter soziale Interaktionen und verstärkt zum Beispiel die Bindung zwischen Mutter und Kind.

Der Medizinchemiker Markus Muttenthaler von der Fakultät für Chemie der Universität Wien hat 2017 einen „Starting Grant“ des Europäischen Forschungsrats ERC erhalten, in dessen Rahmen er u.a. das therapeutische Potenzial des Oxytocin-Rezeptors untersucht. Denn die zahlreichen Funktionen, die Oxytocin im Körper reguliert, prädestinieren es für therapeutische Anwendungen.

Vielversprechende Resultate

So weiß man schon lange, dass Geburt und Stillen, bei denen Oxytocin eine wichtige Rolle spielt, Schutzfaktoren gegen Brustkrebs sind und kinderlose Frauen ein höheres Brustkrebsrisiko haben. In Zellstudien im Mausmodell konnte zudem das Tumorvolumen im Brustgewebe unter Einfluss von Oxytocin um bis zu 70 Prozent reduziert werden.

„Das sind vielversprechende Resultate; es gibt aber noch viele Puzzlestücke, die wir zusammensetzen müssen und in systematischen präklinischen Studien überprüfen wollen“, erklärte Muttenthaler in einer Aussendung der Uni Wien. Die Wissenschafter sind auch zuversichtlich, Medikamente entwickeln zu können, die den Oxytocin-Rezeptor ansprechen. Denn dieser gehört zur großen Familie der sogenannten G-Protein-gekoppelten Rezeptoren, auf die rund ein Drittel aller entwickelter Medikamente abzielen.

Die Wissenschafter wollen ihr Verständnis über die durch den Rezeptor angestoßenen biochemischen Signalwege weiter vertiefen und potenzielle Wirkstoffkandidaten suchen.

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