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Coronavirus

Afrikas Gesundheitschef besorgt über Rennen um Impfstoff

Afrikas führender Gesundheitsfunktionär ist besorgt, dass afrikanische Länder im Rennen um einen Corona-Impfstoff zurückgelassen werden. „Ich bin besorgt und beunruhigt“, sagte John Nkengasong, der Leiter der panafrikanischen Gesundheitsorganisation Africa CDC, die zur Afrikanischen Union (AU) gehört, am Donnerstag.

red/Agenturen
„Unsere größte Sorge ist, ob dies die erste Welle ist und es eine weitere geben könnte.“ Zweli Mkhize, südafrikanischer Gesundheitsminister

Es sei wichtig, dass Afrika zusammenhalte, um sich den Zugang zu einem künftigen Impfstoff zu sichern. Derzeit laufen laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) rund 170 Impfstoffprojekte, einige Präparate befinden sich in der letzten Phase vor einer möglichen Zulassung. Manche reichen Länder, darunter die USA, Japan und Großbritannien, haben bereits bei Herstellern große Mengen an Impfstoffen geordert. Für derartige Bestellungen haben viele afrikanische Staaten aber nicht die Mittel.

Nkengasong sagte, der Ansatz vieler reicher Länder mache ihm Sorgen, und er forderte „mehr Solidarität als je zuvor“. Er hatte jüngst wiederholt vor einem Szenario wie in den 1990ern gewarnt, als HIV-Medikamente auf den Markt kamen, es aber sieben Jahre gedauert habe, bis sie in Afrika zugänglich gewesen seien. Einen verzögerten Zugang zu einem Corona-Impfstoff von nur einem Jahr wäre für den Kontinent „katastrophal“, hatte er im Juli gesagt.

Daher bemüht sich die AU, dass mehr afrikanische Länder an klinischen Studien teilnehmen, und versucht, kollektiv für die Staaten den Zugang zu Corona-Impfstoffen zu sichern. Man sei bereits mit Banken über eine möglichen Finanzierung im Gespräch, sagte Nkengasong. Und er warnte die Länder, die Impfdosen vorbestellen: Sollten diese ihre Bevölkerungen impfen und es gebe noch Fälle in Afrika, seien auch ihre Länder nicht ganz vor dem Coronavirus sicher.

WHO: Afrika könnte Höhepunkt der Corona-Pandemie hinter sich haben

Der afrikanische Kontinent könnte nach Einschätzung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) den Höhepunkt der Corona-Pandemie hinter sich haben. Es sei zu sehen, dass „so etwas wie ein Höhepunkt“ erreicht worden sei, und nun gingen die täglich gemeldeten Neuinfektionen herunter, sagte die WHO-Regionaldirektorin für Afrika, Matshidiso Moeti, Dienstag bei einer Videokonferenz afrikanischer Gesundheitsminister.

Es gibt allerdings einige wenige afrikanische Länder wie Namibia, in denen die Zahl der täglichen Neuinfektionen derzeit steigt. Insgesamt wurden in Afrika fast 1,2 Millionen Infektionsfälle gezählt. Mindestens 28.000 Menschen starben laut einer Zählung der Nachrichtenagentur AFP in Afrika an den Folgen der Infektion, seit dort am 14. Februar der erste Fall einer Ansteckung mit dem neuartigen Coronavirus bekannt geworden war.

Mehr als die Hälfte der Coronavirus-Infektionen auf dem Kontinent wurden in Südafrika verzeichnet, das auf Platz fünf der weltweit am stärksten betroffenen Länder steht. Auch dort sind die Infektions- und Totenzahlen rückläufig.

„Unsere größte Sorge ist, ob dies die erste Welle ist und es eine weitere geben könnte“, sagte der südafrikanische Gesundheitsminister Zweli Mkhize. „Wir haben unseren Scheitelpunkt, unsere Welle überwunden, aber wenn sie nach Spanien blicken, hat sich dort nach einer langen Pause ein Anstieg gezeigt.“

 

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Die Zahl der Neuinfektionen ist auf dem afrikanischen Kontinent insgesamt rückläufig.
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