Coronavirus

Corona-Kontaktverfolgung - Für Gastro-Vertreter „halbherzige Sache“

Dass im Lichte des Coronavirus bald Listen von Personen erstellt werden sollen, die sich in gewissen Einrichtungen - etwa Krankenhäusern oder Gasthäusern - aufhalten, stößt nicht bei allen Einrichtungen auf Gegenliebe. Diese sollen die Listen nämlich führen, die Gäste sollen aber nicht verpflichtet sein, sich einzutragen.

red/Agenturen

Auch bei Veranstaltungen sollen Gästelisten geführt werden, um bei etwaigen Coronafällen die anderen anwesenden zu informieren. So soll eine starke Ausbreitung verhindert werden.

Die entsprechende Verordnung steht in der Kritik des Gastro-Spartenobmann in der Wirtschaftskammer (WKÖ), Mario Pulker. Es sei unklar, welche Betriebsformen, wie etwa Würstelbuden im Freien, überhaupt betroffen seien - und er liest aus dieser jedenfalls heraus, „dass wir nicht verpflichtet sind, den Gast anzuhalten, damit er seine Daten einträgt. Das kann nur auf freiwilliger Basis passieren“, betonte er am Mittwoch im Ö1-“Mittagsjournal“ in Richtung der Bundesregierung und vor allem in Richtung Gesundheitsministerium.

Es gehe auch aus der Verordnung hervor, dass der Gast nicht genötigt werden könne, sich einzutragen bzw. sich verweigern könne. Keiner könne sich es leisten, einen Gast wegzuschicken, weil dieser sich nicht eintragen wolle. „Und daher ist diese Sache natürlich eine halbherzige Sache, weil auf der einen Seite es keine rechtliche Basis dafür gibt und auf der anderen Seite wir auch keine rechtliche Basis damit als Gastronomen in der Hand haben, um dem Gast zu sagen, er muss uns seine Daten geben. Und wir wollen das auch nicht“, so Pulker.

Schweiz: Bis zu 70 Prozent falsche Angaben

Die Wirte seien keine Exekutivorgane und wollten keine sensiblen Daten haben. Man habe keine Lust auf Auseinandersetzungen mit den Gästen. In Nachbarländern habe sich auch gezeigt, dass Scherznamen eingetragen würden. In der Schweiz hätten sich bei Stichproben bis zu 70 Prozent falsche Angaben gefunden: „Und da muss man halt ganz klar sagen, das steht sich nicht dafür“, so Pulker. „Im Jahr 2020 kann das ja nicht sein, dass wir Zetteln auflegen müssen, so sich die Leute eintragen, wenn sie einen Betrieb besuchen.“ Wenn sich ein Gast eintragen wolle, habe man „natürlich überhaupt kein Problem damit“; nach 28 Tagen würde man die Information vernichten.

Besser als ein geschlossener Betrieb wäre hingegen eine Gästeliste. Man sei etwa für die Corona-App, so der Gastro-Vertreter. „Das Ministerium soll endlich bitte eine App zertifizieren, die sollen sich die Kunden aufs Handy laden.“ Dass auch dies eine Problematik berge, sie ihm, Pulker, bewusst. Auch zu dieser könne man die Menschen nicht zwingen. „Aber man kann natürlich sagen, wenn ihr diese App nicht am Handy habt, dann kann man eben gewisse öffentliche Bereiche nicht mehr besuchen und nicht mehr betreten.“ Es sei vorstellbar, dies für die Gastronomie anzuwenden. Aber der Winter müsse erst weisen, was dann passiert.

Grazer Gastronomie für klare Regeln und Maßnahmen

Bei einem runden Tisch der Grazer Gastronomie und Hotellerie mit Tourismusministerin Elisabeth Köstinger (ÖVP) haben am Mittwoch indes die Teilnehmer vor allem klare Regeln der Regierung gefordert. Gegen die Maske in den Betrieben wehrte man sich überraschenderweise nicht: „Die Gastronomen wollen den Gästen Sicherheit geben“, sagte Jürgen Pichler vom Branchenmagazin Rolling Pin.

Köstinger sagte, dass auch eine Ausweitung des Testprogramms gewünscht wurde: Dieses soll nicht nur der Hotellerie, sondern auch für Gastronomie-Mitarbeiter zur Verfügung stehen. Österreichweit nehmen laut der Ministerin rund 2.800 Beherbergungsbetriebe daran freiwillig teil. Das Angebot werde „gut angenommen“. Rund 113.000 Tests seien bisher durchgeführt worden. Besondere Herausforderung ist aus Sicht der Unternehmer und der Ministerin der bevorstehende Herbst und vor allem der Winter, weil die Menschen von draußen wieder in die Gaststätten strömen werden. „Wenn der Konsum wieder mehr drinnen stattfindet, ist die Sicherheit wichtig. Das Motto muss lauten: Gesund bleiben, aber trotz Corona in die Gastronomie gehen“, so die Ministerin.

Einbußen dort, „wo der internationale Städte-Tourist fehlt“

Köstinger schilderte auch, dass die Auslastung bei den Gastronomen ganz unterschiedlich sei: „Die Südsteiermark ist perfekt gebucht, aber in Graz gibt es Schwierigkeiten. Gut ist jetzt natürlich die See- oder Almennähe, das wird wohl auch im Herbst noch so sein.“ Einbußen werden vor allem da verzeichnet, „wo der internationale Städte-Tourist fehlt“. Der Grazer Bürgermeister Siegfried Nagl (ÖVP) versicherte, dass viel getan werde, um das Minus so gering wie möglich zu halten. Mehrere Inlands-Kampagnen wurden gestartet, unter anderem um Graz als Genussstadt zu positionieren. Doch ausgefallene Kongresse und Tagungen sind nur schwer zu kompensieren.

Nagl möchte, dass jene Betriebe, die Maßnahmen für die Eindämmung des Virus treffen, auch Präsenz bekommen, denn wenn dann die ganzen Weihnachtsfeiern vor der Tür stehen würden, sollen jene, die etwas tun, auch davon profitieren.

Prominenter Gast am runden Tisch war TV-Koch Johann Lafer, der in Deutschland schon einige Lokale eröffnet hat. Der gebürtige Steirer sei fasziniert davon, wie in Graz die Gastronomen und das Ministerium zusammen überlegen, wie es funktionieren kann. „Ich kenne das aus meinem Umfeld in Deutschland so nicht. Diese Gemeinsamkeit hier ist großartig.“ Er betonte auch, dass die Gastronomen in Österreich mit gutem Beispiel vorangehen würden. Das würde er sich auch in Deutschland wünschen - „ohne Konkurrenz-Gedanken“.

           

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Für den Gastronomie-Spartenobmann geht eine freiwillige Eintragung in Ordnung, Verpflichtung finde sich jedoch nicht in Verordnung. "Sind keine Exekutivorgane."
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