Coronavirus

Tiroler Wirtschaftskammer will klare Vorgaben für Wintertourismus

Vertreter der Tiroler Tourismusbranche haben Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) aufgefordert, sobald wie möglich umsetzbare Regeln für die anstehende Wintersaison zu definieren. Im Rahmen einer Pressekonferenz am Freitag in Innsbruck drängten WK-Präsident Christoph Walser und die Tourismusobmänner Mario Gerber und Alois Rainer auf eine Freitestung und klare Vorgaben.

red/Agenturen

„Momentan haben wir 0,0 Prozent Planungssicherheit“, beklagte Mario Gerber, Stv. Obmann der Bundessparte Hotellerie und Obmann der WK-Fachgruppe Hotellerie in Tirol: „Wird nicht bald ein umsetzbares Regelwerk präsentiert, steuern wir auf ein Desaster im Winter zu.“ In eineinhalb Monaten starte die Wintersaison in den Gletscherskigebieten, es sei deshalb höchste Zeit, konkrete Vorgaben zu präsentieren. „Es ist schon sieben nach zwölf“, mahnte Gerber.

Ein in enger Zusammenarbeit mit dem Land Tirol und Experten ausgearbeitetes und vor zwei Monaten übermitteltes Konzept sei bisher unbeantwortet geblieben. Auf 13 Seiten sei ein Programm erarbeitet worden, das sowohl die notwendigen und streng verfolgten Sicherheitsmaßnahmen berücksichtige, als auch die Notwendigkeiten für einen laufenden Betrieb. „Wir gehen proaktiv in die Sache hinein, um der Bundesregierung Vorschläge zu liefern, die umsetzbar und praktikabel sind“, so Alois Rainer, Obmann der WK-Fachgruppe Gastronomie.

Wesentlichstes Element ist hier eine mögliche Freitestung. Wer sich 15 Minuten oder mehr in einer Entfernung von weniger als zwei Metern von einem bestätigten Covid-Fall aufgehalten habe, gelte derzeit als Kontaktperson mit hohem Infektionsrisiko. Das Management dieser Personen sehe derzeit die „behördliche Absonderung bis zum Tag zehn nach dem letzten kontagiösen Kontakt“ sowie entsprechende PCR-Testungen vor. „Dass ein negatives Testergebnis die Zeitdauer der Quarantäne jedoch nicht verkürzt, ist wirtschaftlich und sozial völlig inakzeptabel“, stellte der Tiroler WK-Präsident Christoph Walser fest. „Wenn eine K1-Person negativ getestet ist, muss sie Schutzmaßnahmen anwenden und sich zwei bis drei Tage ständig testen lassen. Ist die Person auch dann negativ, muss sie arbeiten oder den Urlaub fortsetzen dürfen“, so die WK-Tourismusexperten im Tenor. Dass das Gesundheitsministerium bereits Ausnahmen vom strengen K1-Management beziehungsweise das Freitesten für verschiedene Branchen wie Pflege, Medizin und Landwirtschaft ermöglicht hat, mache Hoffnung. „Kein Betrieb der Welt kann sich zwei Teams leisten“, resümierte Walser.

Ebenso Kritik an der „Corona-Ampel“-Regelung

Scharfe Kritik übten die WK-Vertreter außerdem an der „Corona-Ampel“-Regelung, die ab September gelten soll. Das Konzept sei für die Tourismusbranche wirtschaftlich und sozial komplett unerträglich: „Der Teufel liegt hier im Detail“, erklärte Gerber. Die positiven Testungen auf die Einwohnerzahl zu beziehen, mache in vielen Tourismusregionen keinen Sinn. „Im Kühtai (Bezirk Imst) etwa gibt es nur sechs gemeldete Einwohner. Würde hier auch nur eine Person erkranken, spränge die Ampel auf rot. Sinnvoller ist es, sich hier auf die Zahl der Gästebetten zu beziehen“, illustrierte der stv. Obmann der Bundessparte Hotellerie an einem Beispiel.

Details seien auch beim Contact-Tracing zu überdenken, merkt Rainer, Fachgruppenobmann der Gastronomie, an. So würden etwa ältere Gäste nicht immer ein Smartphone bei sich tragen. „Der Hut brennt, es braucht sofort Regelungen, die eine Balance zwischen Wirtschaften und Gesundheitsschutz ermöglichen“, appellierte Rainer an die Regierung. Als mögliche umsetzbare und praktikable Maßnahmen für die Bar- und Nachtgastronomie schlug der Branchensprecher eine Entzerrung der Sperrstunde vor. Zudem betonte er die Notwendigkeit des Fixkostenzuschusses für jene Betriebe, für die es sich nicht lohnt, aufzusperren.

Vorgaben sollen vor dem Saisonstart kommen

„Es darf nicht sein, dass das Gesundheitsministerium die Verantwortung an Landes- und Bezirkshauptleute weiterdelegiert. Wir fordern sofortige klare Vorgaben vor Saisonstart“, mahnte WK-Präsident Walser. Die Bedeutung des Tourismus für Tirol sei enorm, 2019 habe man knapp 50 Millionen Nächtigungen verzeichnet, davon würden 30 Millionen auf den Winter entfallen. 12,4 Millionen Gäste kämen nach Tirol, im Durchschnitt verbrächten sie vier Tage in der Region. 12.000 Betriebe verdienten in Tirol am Tourismus mit, die Branche schaffe 55.000 Vollarbeitsplätze. „Was man auch bedenken muss: ein Großteil des Umsatzes, 2019 waren es 8,4 Milliarden Euro, bleibt im Land, nur zehn Prozent der Wertschöpfung fließen ins Ausland oder werden importiert. Jeder dritte Euro wird hierzulande mit dem Tourismus verdient“, präsentierte Walser einige Zahlen.

Rasche und klare Verhaltensregeln für die Tourismusbetriebe in ganz Österreich forderte auch Josef Falkner, Präsident der Tiroler Tourismus Vereinigung, in einem Schreiben an Bundesminister Rudolf Anschober am Donnerstag. Würden Nachtlokale komplett geschlossen oder die Öffnungszeiten verkürzt, so sollten entsprechende Vergütungen diskutiert werden, so Falkner.