WHO

Mehr Aufklärung über Sepsis nötig

Weltweit sterben laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) jedes Jahr rund elf Millionen Menschen an Sepsis, darunter fast drei Millionen Kinder. Es sei dringend geboten, die Kenntnisse über vorbeugende Maßnahmen sowie die Datenbasis über diese gefährliche Immunreaktion generell zu verbessern, fordert die UN-Organisation in einem am Mittwoch veröffentlichten Bericht.

red/Agenturen

Dazu gehöre unter anderem die bessere Ausbildung von Menschen im Gesundheitswesen, um Infektionen, die zu Sepsis führen können, schneller zu erkennen. Das Syndrom, das früher vereinfachend als Blutvergiftung bekannt war, entstehe in vielen Fällen im Krankenhaus.

Sepsis kann nicht nur durch eine Blutinfektion ausgelöst werden, sondern häufig auch durch Durchfall, Lungenerkrankungen oder Tropenkrankheiten. Wenn das Immunsystem dann überreagiert, kann das zu multiplem Organversagen und damit zum Tod führen. Auch wer an einer schlimmen Form von Covid-19 leidet, hat laut WHO ein höheres Risiko, eine Sepsis zu bekommen. Selbst wer sie überstehe müsse mit lebenslangen Folgen rechnen.

Impfung als effektive Maßnahme gegen Meningokokken-Sepsis

Meningokokken-Erkrankungen wie Meningokokken-Sepsis und Meningitis können schwerwiegende Langzeitfolgen auslösen. „Ich empfehle allen, die sich schützen möchten, zu impfen“, sagte Karl Zwiauer, Vorstand der Abteilung Kinder- und Jugendheilkunde am Universitätsklinikum St. Pölten, am Donnerstag in einem Pressegespräch. „Die Impfung ist im Grunde genommen die einzig wirklich effektive Maßnahme.“

Dabei geht es vor allem um den Schutz von Säuglingen und Kleinkindern sowie Jugendlichen, wie der Mediziner in der vom Pharmakonzern GlaxoSmithKline (GSK) organisierten Videokonferenz betonte. Eine Infektion mit Meningokokken der Gruppe B komme in den ersten beiden Lebensjahren am häufigsten vor, erläuterte Zwiauer. Das nimmt stark ab bis zum Erwachsenenalter, wo kaum noch Infektionen auftreten. Bei Meningokokken C gibt es im jugendlichen Alter einen Erkrankungsgipfel.

Die Kombinationsimpfung gegen Meningokokken der Gruppe A, C, W und Y ist im österreichischen Impfplan für alle Jugendlichen ab elf Jahren bis zum vollendeten 13. Lebensjahr empfohlen und gratis. Die ab dem dritten Lebensmonat ebenfalls empfohlene Impfung gegen Meningokokken der Gruppe B kostet dagegen pro Dosis rund 100 Euro und wird nicht kostenlos abgegeben. Das sei eine politische Entscheidung, erläuterte die GSK-Impfexpertin Susanne Döpper. Sie betonte das positive Nutzen-Risiko-Verhältnis von Impfungen. Das Risiko für schwere Folgen nach einer Erkrankung sei wesentlich höher, als mögliche Komplikationen einer Impfung.“

Zunächst oft „völlig unspezifische Symptome“

Ein Gutteil der Bevölkerung trägt Meningokokken im Nasen-Rachen-Raum mit sich herum“, berichtete Zwiauer. Die allermeisten Personen könnten sich mit diesem Erreger „arrangieren“. Hin und wieder stecke sich jedoch jemand an, dessen Immunsystem nicht in der Lage ist, eine schwere Erkrankung zu verhindern. Laut Zwiauer treten zunächst oft „völlig unspezifische Symptome“ auf. „Mehr als die Hälfte der Meningokokken-Erkrankungen werden beim ersten Verdacht nicht festgestellt.“ Das sei nicht, weil die Ärzte unfähig sind, sondern weil die Erkrankung per se so schwer zu diagnostizieren ist. Eine banale Verkühlung könne genau so beginnen.

Die Impfung gebe es seit rund 15 Jahren, sagte Zwiauer. „Wir sehen natürlich heute Meningokokken-Erkrankungen seltener als vor 20 Jahren.“ Einzelfälle seien jedoch „schrecklich“ für die Betroffenen und deren Eltern, aber auch für die Ärzte. Nachdem Meningokokken Bakterien sind, können wir sie mit Antibiotika behandeln. Aber: „Wir laufen im Grunde genommen der Krankheit nach und können sie nicht einholen“, beschrieb der Mediziner. Die Sterblichkeit sei in den vergangenen Jahrzehnten gleich geblieben, das spreche für die Schwere der Meningokokken-Erkrankungen.

Die in Madrid lebende Niederländerin Marleen Verbeek berichtete in der Video-Konferenz von einer an ihrem 13. Geburtstag erlittenen Meningokokken-Sepsis und rund 30 Operationen seither. Darunter war auch eine Unterschenkelamputation wegen anhaltender Schmerzen im Bein sowie OPs zur Narbenreduktion. „37 Prozent meines Körpers waren mit Wunden übersät“, berichtete Verbeek. Johannes Hollmann musste nach einer im Alter von 18 Jahren im Internat in Innsbruck erlittenen Meningitis (Hirnhautentzündung) erst wieder mühsam lesen, schreiben und gehen lernen. Beide Betroffene haben mittlerweile eigene Kinder und diese gegen Meningokokken impfen lassen. Hollmann betonte zudem, dass regelmäßiges Händewaschen gegen Infektionen helfen kann, was vor der Coronavirus-Pandemie in Vergessenheit geraten sei.