Coronakrise

Wien verabschiedet sich aus Krisenstab des Innenministerium

Damit bestätigte Gesundheitsstadtrat Peter Hacker (SPÖ) am Donnerstag am Rande einer Pressekonferenz Medienberichte. Als Grund nannte er unter anderem, dass die Österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) ihr Berichtswesen zu den Infektionszahlen umgestellt hat. Der Spitalsbetrieb soll so lange wie möglich im Normalbetrieb bleiben.

red/Agenturen

Die Umstellung der AGES auf die 14.00 Uhr-Veröffentlichung hält Hacker jedenfalls für „gescheit“, wie er sagte. Die Datenbesprechung um 9.00 Uhr empfindet er hingegen als unpraktisch, da dies mitten in den Tagesablauf falle, „wo wir die Vorbereitungen machen müssen, damit um 14.00 Uhr ordentliche Daten zur Verfügung stehen“. Und weiter: „Ich halte nichts davon, unsere Personalressourcen in Sitzungen zu vergeuden, statt in die Analyse zu investieren.“

Es gibt aber noch einen weiteren Grund für den Ausstieg aus dem Krisenstab des Innenministeriums. Dieses habe sich mehr zum „Propagandaministerium“ entwickelt, kritisierte Hacker weiters. „Es kommen jetzt jeden Tag irgendwelche Falschmeldungen, irgendwelche Falschstatistiken raus. Das ist wirklich mühsam. Und ich möchte, dass sich meine Mitarbeiter sich nicht den ganzen Tag beschäftigen mit der Falsifizierung von Falschmeldungen, sondern ihren Job machen.“

„Lead in der Pandemie“

Ungebrochen gut sei die Zusammenarbeit mit dem Gesundheitsministerium, wie Hacker am Donnerstag weiters klarstellte. „Die haben den Lead in der Pandemie, so wie es sich gehört.“ Diese würden alle Information bekommen - und: „Wir sind weiter ein superaktives, konstruktives Mitglied in der Corona-Kommission, da ändert sich überhaupt nichts.“ In einer schriftlichen Reaktion von Innenminister Karl Nehammer (ÖVP) heißt es gegenüber der APA: „Dass Wien heute nicht einmal an der Sitzung des Krisenstabes der Bundesregierung und der Bundesländer teilgenommen hat und komplett aussteigen will, obwohl die Situation gerade in der Stadt und die heutigen Zahlen alarmierend sind zeigt, dass es hier wenig Kooperationsbereitschaft gibt.

Mehrere Mitglieder des Einsatzstabes hätten im Krisenstab Informationen mit der Stadt Wien austauschen wollen, und hatten nicht die Gelegenheit dazu. Das hemmt die gemeinsame Arbeit im Kampf gegen das Virus vor allem im Bereich des Contact Tracing.“

Einmal mehr bot Nehammer Wien Hilfe und Zusammenarbeit an - einerseits beim Contact Tracing, andererseits bei der Kontrolle der Quarantänemaßnahmen. „Wir hoffen, dass die Stadt Wien zumindest nach der Wien-Wahl unsere Hilfe annimmt und die parteipolitischen Manöver aus der Coronakrise rausgehalten werden. Wahltaktische Gründe haben in der Krisenbewältigung keinen Platz. Es ist fünf nach zwölf.“

Notbetrieb soll vermieden werden

Angesichts der steigenden Infektionszahlen wird auch die Zahl der Menschen, die aufgrund einer Covid-19-Erkrankung ins Krankenhaus müssen, in die Höhe gehen. Doch im Gegensatz zum Frühjahr, wo der Betrieb in den Spitälern aufgrund der Pandemie auf Notbetrieb heruntergefahren wurde, ist nun das Ziel, den Betrieb so lange wie möglich aufrecht zu erhalten. Helfen soll dabei ein Kooperation mit den Ordensspitälern.

„Bereits im Sommer habe ich in Auftrag gegeben, eine Planung zu machen“, unterstrich Gesundheitsstadtrat Peter Hacker (SPÖ) am Donnerstag in einer Pressekonferenz. Im Fokus stand dabei die Vermehrung der Bettenkapazität für Covid-Patientinnen und -Patienten bei gleichzeitiger Aufrechterhaltung des sonstiges Behandlungsspektrums. Die Verschiebung von planbaren und nicht zeitkritischen Operationen soll erst bei sehr hohen Fallzahlen erfolgen.