Coronakrise

Zahl der Infektionen in oö. Altersheimen gestiegen

In Oberösterreich ist die Zahl der Infektionen mit Covid-19 in Alters- und Pflegeheimen wieder im Steigen. Nachdem bereits in Wels in einem Heim 26 Bewohner und elf Mitarbeiter positiv sind, meldete der Krisenstab am Dienstag in einem Heim in Bad Goisern (Bezirk Gmunden) 17 infizierte Bewohner und zwei infizierte Mitarbeiter. Der deutsche Virologe Christian Drosten warnt unterdessen vor einem alleinigen Maßnahmenfokus auf die ältere Bevölkerungsgruppe.

red/Agenturen

Am Mittwoch werden alle restlichen rund 90 Personen des Hauses getestet. Insgesamt gab es Dienstagmittag in Oberösterreich 1.320 aktive Fälle.

Auch in zwei weiteren Seniorenheimen sind Corona-Fälle bestätigt worden. In Gmunden waren die Tests von zwei Bewohnern und zwei Mitarbeitern positiv, in Rohrbach von drei Bewohnern und zwei Mitarbeitern. Seit dem Bekanntwerden der Infektionen in der 130-Plätze-Residenz in Wels gelten dort seit Freitag wieder strengere Sicherheitsvorschriften. So ist der Zugang nach wie vor gesperrt, ein Besuch nur in Ausnahmefällen möglich. Ob und welche Maßnahmen für das Heim in Bad Goisern - wo im dazugehörigen Bezirk Gmunden ebenso wie in Wels die Ampel auf orange steht - getroffen werden, war vorerst nicht bekannt.

Ältere lassen sich nicht komplett abschirmen

Der deutsche Virologe Christian Drosten hat sich unterdessen in einer am Dienstag ausgestrahlten TV-Sendung deutlich gegen die Idee ausgesprochen, sich in der Corona-Pandemie nur auf den Schutz von Älteren und anderen Risikogruppen zu konzentrieren, während der Rest der Gesellschaft zum Alltag zurückkehrt.

Zum einen könne es nicht gelingen, die Älteren komplett abzuschirmen, sagte der Charité-Wissenschaftler in der am Dienstag veröffentlichten Folge des „Coronavirus-Update“ bei NDR-Info. Zum anderen gebe es auch in den jüngeren Altersgruppen nicht so wenige Risikopatienten.

Ließe man das Virus in den jüngeren Altersgruppen durchlaufen, gäbe es viele Infektionen auf einmal und man komme auch da an die Belastungsgrenze der Medizin, so Drosten. Dabei gehe es dann aber um einen Patiententyp mit anderer gesellschaftlicher Wahrnehmung: „Da würden eben junge Familien auch den Familienvater verlieren oder auch die Mutter.“

Das sei „eine ganz andere Konsequenz und das kann man einfach so nicht durchlaufen lassen“, betonte der Virologe. Hintergrund ist ein offener Brief von drei Wissenschaftern aus den USA und Großbritannien, die sich gegen bevölkerungsweite Maßnahmen aussprechen - auch andere Experten widersprachen ihnen bereits.

Zuwächse in niederösterreichischen Clustern

In niederösterreichischen Coronavirus-Clustern sind indes am Mittwoch weitere Zuwächse verzeichnet worden. So stieg die Zahl der Erkrankten in einem Pflege- und Betreuungszentrum in Zistersdorf (Bezirk Gänserndorf) um vier auf 27 an, teilte das Büro der Gesundheitslandesrätin Ulrike Königsberger-Ludwig (SPÖ) mit.

Im Zusammenhang mit dem Zentrallager einer Lebensmittelkette in St. Pölten wurden zwei weitere Fälle festgestellt, hier zählte man nun zwölf Infizierte. Das Screening aller 400 Mitarbeiter soll am (morgigen) Donnerstag abgeschlossen sein. Auch in einem Seniorenheim in Maria-Enzersdorf (Bezirk Mödling) wurde eine weitere Ansteckung gemeldet, hier registrierte man somit 37 Infizierte.

28 Neuinfektionen im Bundesland haben laut einem Sprecher der Landesrätin einen Kindergarten- oder Schulbezug. Aktuell befangen sich 9.897 Personen in Niederösterreich in Quarantäne.