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Coronapandemie

Kurve steigt weltweit weiter

Rund um den Globus steigen die Neuinfektionen stetig an. Maßnahmen gegen die weitere Ausbreitung des Sars-CoV-2 Virus sind dabei von Land zu Land verschieden. Spanien führt etwa neue Reisebeschränkungen ein und Griechenland verhängt eine nächtliche Ausgangssperre, während Schweden weiterhin stark auf die Vernunft des Einzelnen setzt.

red/Agenturen

Die USA haben einen weiteren Höchststand an Neuinfektionen mit dem Coronavirus verzeichnet. Am Donnerstag wurden 153.496 Fälle registriert, wie aus Daten der Johns-Hopkins-Universität (JHU) vom Freitag hervorgeht. Das sind rund 10.000 mehr als noch am Vortag, wo ebenfalls ein Rekord verzeichnet worden war. Damit erreichten die USA die höchste Fallzahl für Ansteckungen mit dem Virus binnen 24 Stunden seit Beginn der Pandemie.

Weiterer Rekord in den USA: Über 150.000 Neuinfektionen

Insgesamt wurden nach JHU-Angaben in den USA mit ihren rund 330 Millionen Einwohnern seit Beginn der Pandemie rund 10,5 Millionen Coronavirus-Infektionen bestätigt. Etwa 242.400 Menschen starben im Zusammenhang mit dem Virus - mehr als in jedem anderen Land der Welt.

Die Johns-Hopkins-Webseite wird regelmäßig mit eingehenden Daten aktualisiert und zeigt daher einen höheren Stand als die offiziellen Zahlen der Weltgesundheitsorganisation (WHO). In manchen Fällen wurden Zahlen - auch die der Neuinfektionen binnen 24 Stunden - zuletzt auch nachträglich korrigiert.

Kürzlicher Höchstand in Deutschland 

In Deutschland haben die Gesundheitsämter dem Robert Koch-Institut (RKI) 21.866 neue Corona-Infektionen innerhalb der letzten 24 Stunden gemeldet. Das sind knapp 3.400 Fälle mehr als am Mittwoch, wie aus den Angaben des RKI von Donnerstag früh hervorgeht.

Im Vergleich zum Donnerstag vergangener Woche ist der Wert etwas höher. Zu dem Zeitpunkt hatte die Zahl gemeldeter Neuinfektionen bei 19.990 gelegen. Ein Höchststand war am Samstag mit 23 399 verzeichneten Fällen erreicht worden.

Das RKI zählt seit Beginn der Pandemie insgesamt 727.553 nachgewiesene Infektionen mit Sars-CoV-2 in Deutschland (Stand: 12.11., 00.00 Uhr). Die Zahl der Todesfälle im Zusammenhang mit dem Virus stieg bis Donnerstag um 215 auf insgesamt 11.982. Am Mittwoch hatte diese Steigerung 261 Fälle betragen. Das RKI schätzt, dass rund 467.800 Menschen inzwischen genesen sind.

Das sogenannte Sieben-Tage-R lag laut RKI-Lagebericht vom Mittwochabend bei 0,89 (Vortag: 0,92). Das heißt, dass 100 Infizierte rechnerisch etwa 89 weitere Menschen anstecken. Der Wert bildet jeweils das Infektionsgeschehen vor 8 bis 16 Tagen ab. Liegt er für längere Zeit unter 1, flaut das Infektionsgeschehen ab.

Schweden setzt nach wie vor auf Vernunft des Einzelnen

Schwedens Regierung will wegen gestiegener Corona-Infektionszahlen den Verkauf von Alkohol in Gaststätten nach 22.00 Uhr verbieten. Bars und Kneipen müssen eine halbe Stunde später zudem schließen. Das kündigte Ministerpräsident Stefan Löfven am Mittwoch an. „Alle Indikatoren zeigen in die falsche Richtung“, sagte er auf einer Pressekonferenz.

Das Verbot soll am 20. November in Kraft treten und bis Ende Februar andauern. In Stockholm verboten die Behörden Besuche in Altenheimen, um Übertragungen einzudämmen.

Schweden hat mit seinem Sonderweg in der Corona-Krise international Schlagzeilen gemacht. Dort gibt es im Ländervergleich weniger Einschränkungen: Restaurants und Kneipen dürfen die Bürger dort weiterhin besuchen, allerdings mit maximal acht Personen am selben Tisch. Darüber hinaus gelten in vielen Regionen des Landes eindringliche Empfehlungen, Kontakte, den Nahverkehr und Veranstaltungen zu vermeiden. Das Land setzt vor allem auf die Vernunft jedes Einzelnen.

In den vergangenen Wochen war die Zahl der Neuinfektionen in Schweden stark angestiegen. Seit Beginn der Pandemie hat die Gesundheitsbehörde insgesamt 166.700 Infektionen und 6.082 Todesfälle im Zusammenhang mit dem Virus registriert. Schweden hat gut zehn Millionen Einwohner. Zum Vergleich: In Deutschland, das mehr als achtmal so viele Einwohner hat, zählte das Robert Koch-Institut bislang 11.767 Todesfälle im Zusammenhang mit dem Virus.

Griechenland „äußerst kritische Situation“

Angesichts eines sprunghaften Anstiegs der Neuinfektionen mit dem Coronavirus hat auch Griechenland eine nächtliche Ausgangssperre verhängt. Ab Freitag dürfen die Griechen ihre Häuser zwischen 21.00 Uhr (Ortszeit, 20.00 Uhr MEZ) und 05.00 Uhr (04.00 Uhr MEZ) nicht mehr verlassen, wie der Staatssekretär für Katastrophenschutz, Nikos Hardalias, am Mittwoch mitteilte. Von der Regel ausgenommen seien Menschen, die aus beruflichen oder gesundheitlichen Gründen das Haus verlassen müssen.

Die griechischen Behörden registrierten am Mittwoch 2.752 Neuinfektionen und 43 Todesfälle in Zusammenhang mit dem Coronavirus - obwohl auch tagsüber rigorose Ausgangssperren gelten. Die Bürger dürfen ihre Häuser nur verlassen, wenn sie dies über ihr Handy beantragt und per SMS eine Genehmigung erhalten haben.

Doch trotz der Einschränkungen herrsche in Griechenland weiter reger Verkehr, sagte Hardalias dem Fernsehsender ERT. „Wir haben eine Reihe von unnötigen Fahrten gesehen“, fügte er hinzu und betonte, dass die Situation „äußerst kritisch“ sei.

Besonders besorgniserregend sei die Lage in der Stadt Thessaloniki, wo die Infektionsrate bei 32 Prozent liege. Die Gesundheitsdienste drohen demnach, unter dem starken Druck einzubrechen. In der Finanzkrise wurde das griechische Gesundheitssystem zum Opfer von erheblichen Kürzungen der öffentlichen Ausgaben.

Seit Samstag sind in Griechenland nur noch Geschäfte geöffnet, die der Grundversorgung dienen. Dazu zählen etwa Apotheken und Lebensmittelläden. Anders als beim sechswöchigen Lockdown im Frühjahr bleiben aber die Kindergärten und Grundschulen geöffnet. Seit Beginn der Pandemie wurden im Land 63.321 Ansteckungen registriert.

Mehr als 50.000 Todesfälle in UK

In Großbritannien sind innerhalb eines Tages knapp 600 Menschen an oder mit Covid-19 gestorben. Insgesamt überstieg die Zahl der Infektionen am Mittwoch die Schwelle von 1,25 Millionen seit Beginn der Pandemie, wie aus den aktuellsten Angaben der Regierung hervorgeht. Diese zählen seit Mittwoch auch mehr als 50.000 Todesfälle.

Aufgrund unterschiedlicher Zählweisen kommt das nationale Statistikamt jedoch bereits auf mehr als 65.000 Corona-Tote. Das Amt zählt die Fälle, bei denen Covid-19 auf dem Totenschein vermerkt ist - die andere Zahl bezieht sich auf zuvor positiv auf SarS-Cov2 getestete Fälle. Fakt ist jedoch bei beiden Zählweisen: Großbritannien bleibt in Bezug auf die absolute Zahl der Todesfälle das am schwersten von der Corona-Pandemie getroffene Land in Europa.

Spanien mit neuen Reiseauflagen

Einreisende aus Corona-Risikogebieten werden in Spanien ab dem 23. November einen negativen PCR-Test vorweisen müssen. Der Test dürfe nicht älter als 72 Stunden sein, teilte das Gesundheitsministerium am Mittwoch in Madrid mit. Das wird nach jetzigem Stand im Prinzip auch für Besucher gelten, die aus Deutschland anreisen.

Die Einstufung eines Herkunftslandes oder einer Region als Risikogebiet werde anhand der EU-Verordnung 2020/1475 vom 13. Oktober vorgenommen, heißt es in der Mitteilung.

Unklar blieb zunächst, ob die Ausweisung als Risikogebiet (etwa im Fall von Deutschland) regional oder landesweit vorgenommen werden soll. Die Zeitung „El País“ schrieb unter Berufung auf Sprecher des Ministeriums, von der Pflicht zur Vorlage eines negativen Tests bei der Einreise würden in der EU und im Schengen-Raum nur die Bürger von Norwegen, Finnland und Griechenland ausgenommen werden.

Im Falle von Drittländern will Spanien unterdessen in erster Linie die jeweilige 14-Tage-Inzidenz - die Zahl der Infektionen je 100.000 Einwohner binnen 14 Tagen - zur Bewertung heranziehen.

Reiseagenturen und Transportunternehmen müssten die Touristen schon beim Ticketverkauf über die neuen Auflagen informieren, hieß es. Das Ergebnis des Corona-Tests müsse auf Spanisch oder Englisch verfasst sein und könne sowohl in Papierform als auch digital vorgelegt werden. Zudem müsse das Testergebnis in dem Formular angegeben werden, das Spanien-Besucher bereits seit einigen Monaten vor der Einreise ausfüllen müssen.

Die neue Regelung ergänzt nach Angaben des Ministeriums die bereits bestehenden Kontrollen und Auflagen. Beibehalten werde unter anderem die Temperaturkontrolle, der alle Einreisenden aus dem Ausland ausnahmslos unterzogen werden. Eine Quarantäne-Pflicht für Besucher gibt es in Spanien aber weiterhin nicht.

Portugal mit hoher Rate an Todesfällen

Im Nachbarland Portugal ist die Zahl der Todesfälle nach einer Infektion mit dem Coronavirus ist stark gestiegen. Binnen eines Tages seien 82 Menschen gestorben, die mit dem Virus Sars-CoV-2 infiziert gewesen seien, teilten die Gesundheitsbehörden am Mittwoch in Lissabon mit.

Die bisher höchsten Werte waren erst am Montag und Dienstag mit jeweils 63 und 62 Toten verzeichnet worden. Die Gesamtzahl der Todesopfer im Zusammenhang mit einer Covid-19-Erkrankung kletterte in dem 10,3-Millionen-Einwohner-Land auf 3.103.

Portugal, das im Frühjahr vergleichsweise gut durch die Corona-Krise gekommen war, meldete am Mittwoch zudem 4.935 Neuinfektionen. Damit kletterte die Zahl der seit Ausbruch der Pandemie nachgewiesenen Infektionen insgesamt auf gut 192.000. Nach den jüngsten Zahlen der EU-Agentur ECDC steckten sich binnen 14 Tagen 611,1 je 100 000 Einwohner mit dem Virus an. Vor etwa drei Wochen lag diese sogenannte 14-Tage-Inzidenz in Portugal noch bei 200.