Coronavirus

Auswirkungen auf Suizidhäufigkeit noch nicht abschätzbar

Die Auswirkungen der Corona-Krise auf die Suizidhäufigkeit lassen sich noch nicht abbilden. Das haben die Autoren des jährlich erstellten Vorarlberger Suizidberichts in ihrer aktuellen Ausgabe betont. Bis Sommer jedenfalls sei der befürchtete Anstieg einer Erhebung in mehreren deutschen Bundesländern zufolge ausgeblieben. Umgekehrt wisse man etwa von der Finanzkrise 2008, dass eine Steigerung der Suizidzahlen mit einer Verzögerung aufgetreten sei.

red/Agenturen

Betroffen gewesen seien vor allem Menschen, die in Existenznöte gerieten oder psychische Vorerkrankungen aufwiesen, schrieben Albert Lingg, Reinhard Haller und Isabel Bitriol-Dittrich im am Montag veröffentlichten Bericht. Diese Gefahr werde „in den kommenden Monaten, wenn nicht Jahren, alle in der Krisenhilfe und Suizidprophylaxe engagierten Menschen besonders herausfordern“, so die Autoren in ihrer Einleitung.

Im vergangenen Jahr wurden in Österreich nach Angaben der Statistik Austria 1.113 Selbsttötungen begangen, um 106 weniger als 2018. Seit Mitte der 1980er-Jahre wird die Zahl der Suizide sukzessive kleiner. Noch 1986 hatten 2.139 Österreicher ihr Leben selbst beendet. Hinsichtlich der Zahl der Suizide pro 100.000 Einwohner wies im vergangenen Jahr Kärnten mit 17,9 (2018: 18,6) den höchsten Wert aller Bundesländer auf, gefolgt von der Steiermark (15,2; 2018: 16,3), Salzburg (13,7; 2018: 12,8) und Niederösterreich (12,9; 2018: 13,4).

Am kleinsten war die Suizidrate im Burgenland (6,8; 2018: 12,1) und in Wien (8,9; 2018: 12,2). Der Österreich-Durchschnitt lag bei 12,2 (2018: 13,5). „Das von der WHO um die Jahrtausendwende ausgegebene Ziel, die Suizidrate unter 15 zu drücken, wurde damit in Österreich wieder erfüllt“, hielten die Studien-Autoren fest.

In Vorarlberg wurden 46 Suizide registriert, die Suizidrate betrug 11,7 (2018: 9,5). Auffallend war in Vorarlberg ein besonders starker Männer-Überhang: Üblicherweise liegt das Verhältnis männlicher zu weiblicher Suizide bei 3:1 oder 4:1, in Vorarlberg resultierte ein Verhältnis von fast 6:1. Die Studien-Autoren wiesen in diesem Zusammenhang auf das mitunter schwierige Erkennen von Depressionen bei Männern hin.