Louis-Jeantet-Preis

Basler Netzhaut-Forscher als Preisträger

Botond Roska vom Institut für molekulare und klinische Ophtalmologie Basel erhält den Louis-Jeantet-Preis für Medizin 2019. Er wird für seine Arbeit zur visuellen Informationsverarbeitung und die Entwicklung von therapeutischen Strategien bei Netzhauterkrankungen geehrt.

red/Agenturen

Roska erforscht mit seinem Team die Funktionsweisen der Netzhaut, des Thalamus und des Grosshirns, um visuelle Fehlfunktionen besser zu verstehen und auf Ebene der beteiligten Zellen und Schaltkreise zu heilen, hiess es in einer Mitteilung der Stiftung Louis-Jeantet. Für seine Arbeit verleiht ihm die Stiftung den mit 500'000 Franken dotierten Preis für Medizin - offiziell am 10. April in Genf.Mit dem Louis-Jeantet-Preis werden seit 1986 jährlich Spitzenforscherinnen und Spitzenforscher aus dem Bereich Biomedizin geehrt, die in Europa arbeiten.

Der 1969 in Ungarn geborene Neurobiologe ist einer der beiden Gründungsdirektoren des Ende 2017 neu aus der Taufe gehobenen Instituts für molekulare und klinische Augenheilkunde in Basel (IOB), das von der Universität und dem Universitätsspital Basel sowie dem Pharmakonzern Novartis finanziert wird.

Roskas Arbeit fokussiert auf Netzhauterkrankungen und damit auf ein Gebiet, auf dem es in den letzten Jahrzehnten kaum medizinische Innovationen gab. Sein Ziel sei, dies zu ändern, hiess es kürzlich in einem Porträt des Forschers im Magazin „Horizonte" des Schweizerischen Nationalfonds SNF. „Ich möchte mit meiner Arbeit dazu beitragen, dass blinde Menschen ihre Sehkraft zurückgewinnen", liess sich Roska dort zitieren. Dazu setzt er unter anderem auf spezielle Viren als Vehikel, um genetisch verändertes Material in erkrankte Zellen einzuschleusen und diese zu „reparieren".

Vom Cello zur Netzhaut

Unter Wissenschaftlerkollegen gelte er als einzigartig und brillant, hiess es weiter. Dabei war Forschung ursprünglich nicht seine erste Wahl: Zunächst studierte er Cello, musste jedoch die Musik-Karriere wegen einer Handverletzung aufgeben. Stattdessen studierte er in Budapest Medizin und Mathematik und begann sich nach dem Abschluss für die Netzhaut zu interessieren.

So widmete er sich den Themenfeldern Neurobiologie, Genetik und Virologie an der University of California in Berkeley und der Harvard Medical School in Boston und kam dann als Teamleiter ans Friedrich Miescher Institute for Biomedical Research (FMI) in Basel.

Für seine herausragenden Forschungsleistungen erhielt Roska bereits mehrere Auszeichnungen, zuletzt den Bressler-Preis in „Vision Science" und den W. Alden Spencer Preis. Das Preisgeld der Stiftung Louis-Jeantet will er für die Entwicklung von Methoden einsetzen, um die funktionelle Architektur der gesunden und erkrankten menschlichen Netzhaut besser zu verstehen, hiess es in der Mitteilung.

Pionier der Gentherapie

Die Stiftung Louis-Jeantet zeichnet außerdem den italienischen Forscher Luigi Naldini aus. Der Direktor des San Raffaele Telethon Institut für Gentherapie und Professor an der San Raffaele Universität in Mailand erhält den Jeantet-Collen Preis für Translationale Medizin 2019. Die Auszeichnung ehrt seine Pionierarbeit auf dem Gebiet der Gentherapie und Behandlung genetischer Erkrankungen. So etablierte er spezielle Viren als Vehikel für einen sicheren Transfer von Genen in menschliche Zellen. Diese Virus-Vehikel können die korrekte Kopie eines Gens in Zellen mit einem Defekt in dem gleichen Gen schleusen.

Dies kam im Zuge klinischer Studien bereits vielen Patienten mit meist tödlichen Erkrankungen des blut-bildenden Systems zugute, indem ihre Blut-Stammzellen auf diese Weise behandelt wurden.

 

Botond Roska IOB
Der diesjährige Louis-Jeantet-Preisträger Botond Roska.
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