Eric Kandel

Bundespräsident überreicht Großes Goldenes Ehrenzeichen am 90. Geburtstag

Der Festreigen für den US-Neurobiologen geht weiter: Donnerstag Abend, exakt am Tag seines 90. Geburstags, wurde Eric Kandel von Bundespräsident Alexander Van der Bellen ausgezeichnet, und zwar mit dem Großen Goldenen Ehrenzeichen mit dem Stern. Der von den Nazis als Kind aus seiner Heimatstadt Wien vertriebene Medizin-Nobelpreisträger kommentierte diese für Wissenschafter selten vergebenen Auszeichnung mit einem freudigen „Oh my god!“

red/Agenturen

„Man kann keinen schöneren Geburtstag haben, als ich ihn diesmal habe“, so das Geburtstagskind, das mit zahlreichen Mitgliedern seiner Familie nach Wien gekommen war. Der Zeithistoriker Oliver Rathkolb, der durch den Abend führte, schlug gleich einen Besuch des Opernballs vor, „um den Orden auszuführen“.

Als weitere Überraschung gab es eine Geburtstagstorte in Form eines maßstabgetreuen Modells der Wiener Secession der K.u.K. Hofzuckerbäckerei Gerstner, die Kandel gleich die Frage entlockte: „Kann man die wirklich essen?“

Die Universität Wien und die Medizinische Universität Wien hatten unter dem Motto „Happy Birthday, Eric“ die Feier im Festsaal der Uni Wien veranstaltet. Die beiden Rektoren Heinz Engl und Markus Müller betonten, dass es angesichts seines Lebenslaufs nicht selbstverständlich sei, dass Kandel seinen Geburtstag gerade in Wien feiere. Schließlich musste der am 7. November 1929 geborene Mediziner aufgrund seiner jüdischen Herkunft im April 1939 neunjährig gemeinsam mit seinem Bruder Österreich verlassen und ohne Eltern in die USA fliehen, diese konnten erst später folgen.

Kandels Frau Denise zeigte sich in ihren persönlichen Worten an das Geburtstagskind besorgt, dass in Österreich und der EU nationalistische, antisemitische und rassistische Tendenzen wieder erstarken, die 1939 zu Kandels Vertreibung aus seiner Heimatstadt geführt haben.

Erforschung des Geistes durch die Biologie „revolutionäre Idee“ Kandels

Alt-Bundespräsident Heinz Fischer, den eine persönliche Freundschaft mit Kandel verbindet, bezeichnete Kandel als „hellwachen, unbestechlichen Zeitzeugen“. Er erinnerte wie viele andere Redner auch, dass es Kandels „ungeheurer Hartnäckigkeit“ zu verdanken gewesen sei, dass just jenes Stück der Ringstraße, an dem das Hauptgebäuede der Uni Wien liegt, unbenannt wurde. Lange Zeit war es nach dem Wiener Bürgermeister und Antisemiten Karl Lueger benannt, nun heisst es „Universitätsring“.

Der Präsident der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW), Anton Zeilinger, erinnerte in seiner Laudatio an die zu jener Zeit „revolutionäre Idee“ Kandels, den menschlichen Geist durch die Biologie zu erforschen. Kandel hat in seiner wissenschaftlichen Arbeit wesentliche Mechanismen der Gedächtnisbildung enthüllt und wurde im Jahr 2000 „für Entdeckungen zur Signalübertragung im Nervensystem“ mit dem Medizinnobelpreis ausgezeichnet. Dass er seine Wissenschaft in ausgezeichneten Büchern der Welt vermittle, bezeichnete Wissenschaftsministerin Iris Rauskala als „besonderen Verdienst“.

Kandel war bereits am Mittwoch von der Stadt Wien mit dem Goldenen Rathausmann und von der Ärztekammer Wien mit ihrer höchsten Auszeichnung, dem „Großen Ehrenzeichen am Bande“ geehrt worden. Am Donnerstag wurde er mit seiner Familie auch von Bundeskanzlerin Brigitte Bierlein empfangen.