Medizinaufnahmetest

Die Corona-Pandemie als Nebensache

Rund 16.000 Kandidaten treten am heutigen Freitag österreichweit zum Medizinaufnahmetest an, allein in Wien sind es über 5.000. Damit handelt es sich um die wohl größte Indoorveranstaltung seit Beginn der Corona-Pandemie. Für viele Kandidaten ist beim APA-Lokalaugenschein das entsprechend ausgeklügelte Sicherheitskonzept nur Nebensache. Aufzugehen scheint es trotzdem.

red/Agenturen

Die U-Bahn ist gegen 8.00 Uhr bei der Anfahrt zur Wiener Messehalle trotz eigens verdichteter Intervalle gut gefüllt. Im Freien ziehen sich beeindruckende Menschenschlangen die Trasse der U2 entlang, obwohl die Kandidaten nur im Viertelstundentakt bis 9.00 Uhr gestaffelt eingelassen werden. Das Anstellen vor den Zugangsschleusen verläuft dann allerdings schon recht geordnet. Fast durchgängig werden Masken getragen, die Bewerber werden sie erst an ihrem Sitzplatz wieder abnehmen dürfen. Die vielen Sicherheits- und Abstandsregeln, die Infektionen verhindern sollen, stehen für viele aber ohnehin im Hintergrund. Für sie zählt jetzt jener Test, der darüber entscheidet, ob sie einen der 740 Studienplätze an der Medizin-Uni Wien ergattern können.

„Man sieht, die Uni hat sich etwas überlegt“, sagt die 19-Jährige Alexandra, die schon zum zweitem Mal zum MedAT antritt. Nicht nur Maskenpflicht und Abstandhalten, auch dass der Test diesmal an Einzel- statt Doppeltischen abgehalten wird, gibt ihr ein Gefühl der Sicherheit. Eine Absage des Tests wäre für sie aber ohnehin nicht infrage gekommen. An die Möglichkeit, sich bei der Großveranstaltung mit dem Coronavirus anzustecken, habe sie nicht einmal gedacht. „Das ist nebensächlich.“

„Der Wunsch, das Studium zu machen, war größer als die Angst“, sagen auch die Eltern von Kandidatin Selina aus Krems. Sie werden, wie die wenigen anderen Eltern auch, die ihre Kinder zum Aufnahmetest begleitet haben, diesmal hinter der Absperrung bleiben müssen. Sie vertraue jedenfalls auf die Organisation der Uni, sagt Mutter Jutta, und man sehe ja, der Einlass verlaufe geordnet und ruhig. Auch der 22-Jährige Ahmed aus Syrien hat keine Bedenken. Die Uni habe schon im Vorfeld klar kommuniziert, wie der Test unter diesen besonderen Bedingungen ablaufen wird.

600 Mitarbeiter sollen insgesamt für einen geordneten Ablauf sorgen, bei allen wurde per Test eine Corona-Infektion ausgeschlossen. Noch vor Betreten der Hallen müssen die Kandidaten ihre Hände desinfizieren, es wird kontaktlos Fieber gemessen. Nur sieben haben dabei eine Körpertemperatur über 37,8 Grad und müssen weiter zum Corona-Triageteam des Roten Kreuzes. Nach neuerlicher Messung gibt es keinen einzigen Verdachtsfall mehr, die extra reservierte Halle kann also leer bleiben. Der Aufruf der Medizin-Unis, bloß nicht zur Prüfung zu kommen, wenn man sich krank fühlt, wurde offensichtlich befolgt. Auch aus Salzburg, dem erstmals von der Medizin-Uni Wien genutzten zweiten Teststandort, wurde kein Verdachtsfall gemeldet.

Im Inneren der Messe erinnern dann 1.900 Markierungen ans Abstandhalten. Beim Test selbst gibt es in jede Richtung zwei Meter Abstand zum Sitznachbar, die Lüftungsanlage soll für Bedingungen wie an der frischen Luft sorgen. Ein Spazierengehen in den Pausen wird diesmal nicht möglich sein.

Auch das Verlassen des Testgeländes nach Prüfungsschluss am Nachmittag funktioniert diesmal nach ganz speziellen Regeln: Diesmal dürfen die Prüflinge die Hallen nur gestaffelt nach Sektoren verlassen. Ein großer Unterschied zu früheren Jahren, wie Vizerektorin Anita Rieder am Vortag bei einem Pressetermin geschildert hat. „Normalerweise ist in fünf Minuten alles leer.“

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