Coronavirus

Infektiologe Weiss: "Situation muss beobachtet werden"

Der Innsbrucker Infektiologe und Direktor der Universitätsklinik für Innere Medizin, Günter Weiss, hält die aktuelle Lage in Österreich und auch in Tirol mit leicht steigenden Coronavirusfällen derzeit noch nicht für besorgniserregend. Man müsse die Situation aber genau beobachten. „Wenn sich der Trend fortsetzt, würde ich mir Sorgen machen“, sagte Weiss am Dienstag bei einer Pressekonferenz.

red/Agenturen

Bei einem sich fortsetzenden Trend müsse man sich auch wieder Maßnahmen zu neuerlichen Einschränkungen überlegen, fügte er hinzu. Derzeit gebe es aber immer noch wenige Infektionen. Deshalb habe er etwa bei der Lockerung der Maskenpflicht in der Gastronomie wenige Bedenken. Und auch Veranstaltungen mit den derzeit geltenden Auflagen seien gerechtfertigt, so Weiss.

Auch Landeshauptmann Günther Platter (ÖVP) bezeichnete die Lage in Tirol als „in Ordnung“. Das Virus sei aber nicht verschwunden, betonte Platter und mahnte ein, auch weiterhin auf den Mindestabstand zu achten. Man werde sich jedenfalls auf den Herbst bzw. Winter vorbereiten und ein Lager für Schutzausrüstung anlegen. „Wir können aber noch ruhig schlafen“, meinte Platter zur derzeitigen Lage in Tirol. Die Infektionen seien noch überschaubar. Ab 50 bis 60 Neuinfektionen pro Tag werde es aber eine „schwierige Angelegenheit“.

Mittlerweile sei gesichert, dass der Hauptübertragungsweg kleine Tröpfen sind, die etwa beim Sprechen ausgestoßen werden, erklärte Cornelia Lass-Flörl, Direktorin der Sektion für Hygiene und Medizinische Mikrobiologie der Medizinischen Universität Innsbruck. Neuere Studien würden auch zeigen, dass Personen, die asymptomatisch sind, bei der Übertragung wohl nur eine geringe Rolle spielen. Die größte Herausforderung sei aber, dass man die sogenannten „Super-Spreader“ im Vorhinein nicht identifizieren könne, meinte Lass-Flörl.

Das Warten auf den herbeigesehnten Impfstoff wird wohl noch länger dauern. Im Frühjahr 2021 werde man frühestens sehen, ob es einen Impfstoff gibt, der vielversprechend ist, sagte Weiss. Dann dauere es aber noch, bis dieser massenhaft produziert werden kann. „Wenn alles gut läuft, haben wir Ende 2021 einen Impfstoff den wir produzieren können“, meinte der Infektiologe. Bis dahin komme es jedoch auch darauf an, ob sich das Virus verändere. Deshalb sei eine Einschätzung, wann es einen Impfstoff geben wird, der massenhaft eingesetzt werden kann, nicht möglich. Nur eines sei sicher, dass es vor 2021 keinen Impfstoff mehr geben wird, sagte Weiss.
 

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