Italiener erhielt als erster Patient Grünes Licht für Sterbehilfe

Ein querschnittgelähmter 43-jähriger Mann, der seit zehn Jahren bewegungsunfähig ist, ist der erste Patient, der in Italien Grünes Licht für einen ärztlich assistierten Suizid erhalten hat. Die für ethische Fragen zuständige Kommission der Gesundheitsbehörde der mittelitalienischen Region Marken hat entschieden, dass der Fall des nach einem Verkehrsunfall bettlägerigen Lkw-Fahrers die Voraussetzungen für den Zugang zu tödlichen Medikamenten erfüllt.

red/Agenturen

Die Entscheidung der Kommission erfolgte nach einem 13-monatigen Verfahren, in dem ein Team von Ärzten und Psychologen das Vorliegen von vier vom Verfassungsgericht festgelegten Bedingungen überprüfte, die den Weg zum medizinisch assistierten Suizid ebnen können, darunter die Unerträglichkeit der Schmerzen und der klare Wille des Patienten.

„Ich fühle mich jetzt leichter, ich habe mich von allen Spannungen befreit, die sich im Laufe der Jahre angesammelt haben“, sagte der Lkw-Fahrer nach dem Beschluss der Kommission. Der Mann, der von seiner Mutter versorgt wird, hätte in die Schweiz reisen können, um zu sterben, entschied sich aber, für eine Änderung der italienischen Gesetzgebung zu kämpfen, berichteten italienische Medien am Dienstag.

Ausnahme im geltenden Sterbehilfe-Verbot

2019 führte das italienische Verfassungsgericht eine Ausnahme zum geltenden Sterbehilfe-Verbot für unheilbar kranke Patienten ein, die „durch Behandlungen am Leben gehalten werden“, unter den Folgen ihrer Krankheit seelisch und körperlich „unerträglich“ leiden und noch selbst „frei und bewusst“ Entscheidungen treffen können. Alle anderen Menschen haben keinen Zugang zur Sterbehilfe. Dieses Urteil diente als Grundlage für den Beschluss der ethischen Kommission der Region Marken. In Italien droht für Beihilfe zum Suizid eine Gefängnisstrafe von fünf bis zwölf Jahren. In Italien sind sowohl aktive als auch passive Sterbehilfe verboten, nur bei gehirntoten Patienten ist die passive Euthanasie erlaubt.

2017 hatte das italienische Parlament ein Gesetz zur Patientenverfügung verabschiedet. Laut dem Gesetz können Italiener künftig in einer Patientenverfügung mitteilen, wie sie im Falle von irreversiblen Krankheiten behandelt werden wollen. Auch künstliche Ernährung und Beatmung sollen eingestellt werden, wenn der Betroffene oder ein von ihm dazu Bevollmächtigter dies entscheidet.

Eine Petition zur Legalisierung von Sterbehilfe in Italien hat kürzlich 900.000 Unterschriften für das Abhalten eines Volksentscheids erhalten. Damit wurde die für ein Referendum nötigen 500.000 deutlich überschritten, wie die Organisatoren mitteilten. Sie fordern eine Abstimmung über das bisherige Verbot von Sterbehilfe.

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