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Mehr als 30.000 Menschen bei Lichtermeer am Ring

Unter dem Motto "#YesWeCare - das #Lichtermeer" fand Sonntagabend in Wien eine Kundgebung am Ring statt, die unter anderem an die - inzwischen mehr als 13.000 - Covid-Toten in Österreich erinnern sollte. Um 19.00 Uhr versammelten sich laut Polizeiangaben mehr als 30.000 Teilnehmer für rund zehn Minuten auf der Straße. Auch Ärztekammerpräsident Thomas Sezekeres nahm am Lichtermeer teil, um diese Aktion persönlich zu unterstützen.

red/Agenturen

Sie trugen Kerzen, Lampen oder hatten die Lichter ihrer Mobiltelefone eingeschaltet. Letztere waren bereits im Vorfeld als Alternative genannt worden, wenn, wie befürchtet, der Wind zu stark ausfallen sollte. Tatsächlich war das Wetter aber gnädig, die Veranstaltung konnte bei fast windstillen Verhältnissen über die Bühne gehen.

Schon kurz nach 18.00 Uhr hatten sich zahlreiche Menschen entlang des Rings eingefunden. Dieser wurde um 18.45 für den Autoverkehr gesperrt. Der Aufforderung der Ordner, nun auf die Fahrbahn zu treten, wurde anfangs von den Teilnehmerinnen und Teilnehmern - darunter auch zahlreiche Familien mit Kindern - nur zögerlich befolgt.

Friedliches „Zeichen des Miteinanders“

Auf die Mitnahme von Transparenten, Fahnen, Trommeln oder Trillerpfeifen hatten die Lichtermeer-Aktivisten weitgehend verzichtet. Vereinzelt wiesen Teilnehmer darauf hin, „geimpft“ zu sein - etwa mit entsprechenden Aufschriften auf Lebkuchenherzen. Bei Demos der Maßnahmengegner waren zuletzt solche Herzen aufgetaucht, auf denen „ungeimpft“ prangte. Die Wiener Linien bespielten die Bim-Anzeigetafeln mit „Yes we care“-Schriftzügen. Pünktlich um 19.00 Uhr wurden die mitgebrachte Lichter in die Höhe gestreckt. Das Ende nach rund zehn Minuten wurde mit Jubel und Applaus quittiert. Reden gab es keine.

Wie ein Sprecher der Polizei auf APA-Anfrage betonte, sei die Teilnehmerzahl relativ schwer zu schätzen - da der Ring unterschiedlich gut besucht war. Sehr viele Menschen haben sich etwa bei der Oper oder beim Rathaus eingefunden. Spärlicher besetzt war die Straße am Kai. Es dürften sich aber jedenfalls mehr als 30.000 Menschen beteiligt haben, hieß es. Zwischenfälle wurden vorerst nicht gemeldet. Anders als bei den Demonstrationen der Maßnahmenkritiker waren auch kaum Menschen zu sehen, die auf das Tragen einer FFP2-Maske verzichteten.

Man verstehe sich nicht als „Gegendemo“ zu den Corona-Kundgebungen der vergangenen Wochen, haben die Initiatoren zuletzt betont. Ihren Ausgang nahm die Initiative mit einem „Frustposting von mir auf Twitter“, so der Innsbrucker Roman Scamoni zuletzt bei einem Pressetermin. Geplant war ein Zeichen des Miteinanders und des Gedenkens. Unterstützung erhielt er von Daniel Landau aus Wien.

Anzeigen bei Protesten gegen Corona-Politik

Die Aktion hätte ursprünglich schon am späten Nachmittag stattfinden sollen. Aus Rücksicht auf den Handel - die Geschäfte durften am heutigen vierten Adventsonntag öffnen - wurde sie um zwei Stunden verschoben. Am Samstag hatten Maßnahmenkritiker diese Rücksicht nicht walten lassen. Teilnehmer einer von der Partei MFG organisierten Kundgebung hatten Polizeisperren durchbrochen und waren unter anderem über die Mariahilfer Straße gezogen.

Unterstützungszusagen für das Lichtermeer kam von zahlreichen Organisationen, unter anderem von der Ärztekammer, der Gewerkschaft, Volkshilfe und Religionsgemeinschaften. Thomas Szekeres, Präsident der Österreichischen Ärztekammer und Ärztekammer für Wien nahm persönlich an der Aktion teil. Auch Bundespräsident Alexander Van der Bellen erklärte sich solidarisch. Das Staatsoberhaupt stellte eine Kerze in ein Fenster der Hofburg.

Auch in Vorarlberg wurden an mehreren Orten Lichterketten gebildet. Insgesamt nahmen laut Polizei 600 Menschen an den Aktionen teil - 400 davon versammelten sich in den Seeanlagen am Bodensee in Bregenz. Am Nachmittag protestieren wiederum ebenfalls in Bregenz etwa 1.500 Menschen gegen die Corona-Maßnahmen. 22 Anzeigen wurden erstattet, die meisten wegen Missachtung der Maskenpflicht. Zudem wurden drei Personen kurzzeitig festgenommen.

„ÄrztInnen gegen Covid“ formieren sich

Das Lichtermeer am Ring vom Sonntag hat auch eine Vielzahl an Ärztinnen und Ärzten mobilisiert, die sich gegen „gezielte Desinformation“ und gegen Attacken gegen Wissenschaft und Gesundheitspersonal positionieren. Unter dem Titel „ÄrztInnen vs COVID“ wurden Unterschriften gesammelt, am Montag wurden bereits fast 4.000 Unterstützer gezählt.

„Wir fühlen uns ausschließlich der Wissenschaft verpflichtet, den Erkenntnissen Tausender Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die seit Beginn der Pandemie mit Leib und Seele unerlässlich daran arbeiten, Gesundheit und Menschenleben zu schützen und zu retten“, heißt es in einer auf https://www.aerztinnenvscovid.info/ veröffentlichten Erklärung: „Eine Impfung ist keine politische Aussage. Sie ist nicht rot, grün, schwarz, pink oder blau. Sie sollte farblos und neutral sein.“

Und weiter: „Es sterben tagtäglich Menschen, weil sie ungeimpft sind. Sie sind ungeimpft, weil sie Angst haben und weil sie fehlinformiert wurden und weiterhin fehlinformiert werden“, so die Ärztinnen und Ärzte: „In unseren Herzen brennen wir weiterhin, so viele Mitmenschen wie möglich vor dieser Krankheit zu schützen, sei es durch Impfungen oder durch andere Maßnahmen.“

WEITERLESEN:
Lichtermeer Thomas Szekeres Ärztekammer
Auch die Ärztekammer war beim Lichtermeer dabei: Thomas Szekeres, Präsident der Österreichischen und Wiener Ärztekammer, kam persönlich zur Unterstützung.
Stefan Seelig/Ärztekammer für Wien