Coronavirus

Rekordzahl an Neuinfektionen am Wochenende gemeldet

1.672 Corona-Neuinfektionen innerhalb von 24 Stunden in Österreich sind vom Krisenstab am Sonntag (Stand 9.30 Uhr), 1.747 am Samstag gemeldet worden. Letztere Zahl ist Rekord überhaupt, die heutige Zahl die bisher höchste an einem Sonntag. Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) appellierte eindringlich an die Österreicher: „Zusammenhalten, um Ansteckungszahlen niedrig zu halten.“ Am Montag soll in einer Videokonferenz zwischen Bund und Ländern über neue Maßnahmen beraten werden.

red/Agenturen
„Je höher die Infektionszahlen, desto größer ist der wirtschaftliche Schaden in einem Land.", Bundeskanzler Sebastian Kurz

Es „liegt an uns allen“, den zweiten Lockdown zu verhindern - indem soziale Kontakte reduziert, auf Feiern, große private Zusammenkünfte und Partys verzichtet wird, sagte Kurz in einem via Facebook verbreiteten Video mit dem Titel „Die Lage in Österreich ist ernst“. Der Kanzler stimmte auf einen „herausfordernden Herbst und Winter“ ein, eine „extrem schwierige Zeit“ mit „Einschränkungen, notwendigen Maßnahmen und Verzicht“. Aber er bekräftigte seine Einschätzung, dass es im Sommer nächsten Jahres einen Impfstoff und damit die Rückkehr zur Normalität geben sollte.

Kurz sprach die merkbare „Corona-Müdigkeit“ an, die zu immer mehr Verschwörungstheorien führe, bis hin zu Aufrufen, Maßnahmen nicht einzuhalten. Er bestätigte, dass die Pandemie derzeit noch kein Problem für die Intensivmedizin sei. Aber das Virus wachse exponentiell, die Zahlen verdoppeln sich in drei Wochen. Gelinge es nicht, das einzubremsen, habe Österreich im Dezember täglich 6.000 Neuinfizierte. Mit der beginnenden Grippewelle würde man dann schrittweise an die Grenzen der intensivmedizinischen Kapazitäten stoßen.

„Je höher die Infektionszahlen, desto größer ist der wirtschaftliche Schaden in einem Land“, stellte Kurz fest, unter Hinweis auf die hohe Tourismus-Abhängigkeit Österreichs und den hohen Schaden durch Reisewarnungen. Das Coronavirus „vernichtet unzählige Arbeitsplätze und richtet für viele Menschen sehr viel Leid an“. Klar trat der Kanzler der Haltung entgegen, es würde reichen, die älteren Menschen wegzusperren. „So eine Gesellschaft wollen wir nicht sein“, sagte er.

Pensionistenband fordert mehr Schutzmaßnahmen

Der Pensionistenverband drängt darauf, Schutzmaßnahmen für Senioren, Wohn- und Pflegeheime „ massiv zu verstärken, ohne diese Einrichtungen völlig isolieren zu müssen“, sagte am Sonntag dessen Präsident Peter Kostelka. Der Verband schlug eine massive Ausweitung von zuverlässigen Schnelltests für Bewohner und Mitarbeiter vor. Außerdem müsse das Besuchsmanagement „Corona-sicher“ gestaltet werden.

Seit Samstag sind im Bundesland Salzburg strengere Maßnahmen in Kraft. Für die Tennengauer Marktgemeinde Kuchl gilt bis 1. November eine Quarantäne, die Zufahrten zum Ort werden von der Polizei kontrolliert. Hotels und Gaststätten bleiben geschlossen, Geschäfte dürfen offen halten. Nur Schlüsselarbeitskräfte können ein- und auspendeln. Von der Polizei gab es Lob für die Kuchler und die Salzburger Bevölkerung „für die Zusammenarbeit und das Mittragen der verordneten Maßnahmen“.

In ganz Salzburg müssen in Restaurants und Lokalen die Kontaktdaten der Gäste registriert werden. Private Zusammenkünfte außerhalb der Wohnung sind ebenso verboten wie Veranstaltungen ohne zugewiesene Sitzplätze. Bei Veranstaltungen mit gekennzeichneten Sitzplätzen dürfen keine Speisen und Getränke ausgeschenkt werden. Die Maßnahmen gelten vorerst bis 1. November.

Zwei weitere Corona-Todesfälle in der Steiermark

In der Steiermark sind am Montag zwei neue Todesfälle im Zusammenhang mit dem Coronavirus gemeldet worden: Eine 55-jährige Frau aus Graz und ein 88-jähriger Mann aus dem Bezirk Bruck-Mürzzuschlag sind an oder mit dem Virus gestorben. Damit sind es nunmehr 188 Corona-Todesfälle in der Steiermark. Von ihnen waren 99 Frauen und 89 Männer. Das älteste Todesopfer war Jahrgang 1919, der jüngste Verstorbene war Jahrgang 1980, hieß es seitens der Kommunikation Land Steiermark.

In Tirol gelten bereits seit Freitag verschärfte Regeln, am Montag kommen weitere dazu. Die „Rot-Schaltung“ der Landeshauptstadt Innsbruck hatte am Wochenende keinen Einfluss auf das Konsumverhalten der Einheimischen. Am Samstag um die Mittagszeit waren die Innenstadt und vor allem die dortigen Einkaufszentren gut frequentiert. Das Ausbleiben der Touristen machte hingegen den Unternehmern und Gastronomen Sorgen.

53 Neuinfektionen in Vorarlberg

In Vorarlberg sind in den vergangenen 24 Stunden 53 Personen positiv auf das Virus getestet worden. Im gleichen Zeitraum galten 20 Personen wieder als genesen, informierte die Landessanitätsdirektion am Sonntagabend. Damit waren aktuell 728 Personen infiziert. Indes war auch ein weiterer Todesfall im Zusammenhang mit dem Coronavirus zu verzeichnen.

35 der 53 Neuinfektionen konnten auf das Umfeld von bereits zuvor positiv getesteten Personen zurückgeführt werden. Bei 14 Fällen war die Ansteckungsquelle noch unklar, bei weiteren vier konnten laut Land bereits „konkrete Rückschlüsse“ gezogen werden.

Die meisten Fälle gab es mit 261 im Bezirk Bregenz, gefolgt vom Bezirk Feldkirch mit 243 Fällen. Im Bezirk Dornbirn gab es 129 „aktiv Positive“ und im Bezirk Bludenz 92. In Vorarlberg wurden bisher 113.560 Tests durchgeführt.

Stift Herzogenburg unter Quarantäne

Unter Quarantäne befanden sich seit Samstag auch die Augustiner-Chorherren im Stift Herzogenburg (Bezirk St. Pölten-Land), nachdem Propst Petrus Stockinger positiv auf das Coronavirus getestet worden ist. Stark angewachsen ist unterdessen ein Cluster in einem Klagenfurter Pflegeheim. Nachdem in dem vergangene Woche 17 Bewohner und zehn Mitarbeiter positiv getestet worden waren, wurden am Samstag 47 weitere bestätigte Fälle bekannt. Alle betroffenen Häuser der Anlage sind isoliert.

Im Landesklinikum Melk ist indes nach Angaben von Bernhard Jany von der NÖ Landesgesundheitsagentur vom Montag ein 87-Jähriger im Zusammenhang mit dem Coronavirus gestorben. Der Mann habe auch an Vorerkrankungen gelitten. Auch im Landesklinikum Wiener Neustadt ist ein 80-Jähriger gestorben. Der Mann ist somit der 126. Covid-19-Tote in niederösterreichischen Spitälern.

Wien meldete 431 Neuinfektionen

In Wien sind binnen 24 Stunden 431 Neuinfektionen mit dem Coronavirus diagnostiziert worden. Laut einer Aussendung des Krisenstabs am Sonntag beträgt die Gesamtzahl der in der Bundeshauptstadt entdeckten Fälle somit 23.137. Aktuell erkrankt sind 5.807 Personen, das sind 179 mehr als noch gestern, Samstag.

Die Zahl der mit dem Virus in Zusammenhang stehenden Todesfälle beträgt 287. Verstorben sind zuletzt zwei Frauen im Alter von 75 und 72 Jahren sowie ein Mann im Alter von 82 Jahren.

Am Samstag wurden in Wien insgesamt 2.644 Corona-Tests vorgenommen, das ergibt laut Krisenstab insgesamt 549.772 Testungen. Die Gesundheitshotline 1450 hat 2.926 Anrufe entgegengenommen.

Zahlen zum Teil zu hoch angesetzt

Für Wirbel sorgte die Veröffentlichung von angeblichen, aber nicht korrekten Corona-Infektionszahlen Samstag früh in einigen Medien. Offenbar waren nicht bereinigte Rohdaten weitergegeben worden. Vor allem zu hoch angesetzte Zahlen für Wien erregten im Rathaus Unmut. Via Twitter beklagte ein Sprecher von Gesundheitsstadtrat Peter Hacker (SPÖ), dass Journalisten „schlicht belogen“ worden seien. Zum Zeitpunkt als die Zahlen kolportiert wurden, habe Wien noch keine Daten an eine Bundesstelle eingemeldet. Wer die Zahlen geleakt hat, blieb unklar.

 

Innsbruck Tirol
Die „Rot-Schaltung“ der Landeshauptstadt Innsbruck etwa hatte am Wochenende keinen Einfluss auf das Konsumverhalten der Einheimischen.
Pexels.com