Coronavirus

Teststrategie bei Kontaktpersonen kein zentrales Thema

Die von Rot-Kreuz-Manager Gerry Foitik indirekt losgetretene Diskussion um Corona-Tests asymptomatischer Kontaktpersonen bleibt am Dienstag aktuell: Für die Innsbrucker Virologin Laer Dorothee sind uneinheitliche Strategien in Europa kein Grund für eine Änderung: Man solle nicht auf die Nachbarländer schauen, sagte sie im Ö1-„Mittagsjournal“, auch wenn die Zahlen dann vielleicht „etwas höher sind“. Für das Gesundheitsministerium ist die Debatte derzeit kein „zentrales Thema“.

red/Agenturen

Rot-Kreuz-Manager Foitik unterstrich zuvor im „Morgenjournal“, „dass vor allem dann, wenn wir die Ressourcen dringend brauchen, um kranke Menschen schneller zu testen“, man jene Personen in Quarantäne auslassen könne – und zwar bei Symptomlosigkeit oder Nichtzugehörigkeit zu einer Risikogruppe. Sein dahin gehender Hinweis in einem internen Schreiben sorgte am Vortag für Wirbel, bis hin zur Unterstellung der Manipulation. Menschen mit engem persönlichen Kontakt – also K1-Kontaktpersonen – werden seit Juni in Österreich getestet, sagte Foitik, eine unmittelbare Konsequenz gebe es aber nicht, ob positiv oder nicht.

Foitik wies in seinem an die Öffentlichkeit gelangtem Schreiben auf die uneinheitlichen Teststrategien hin, die aber in der EU-weiten Corona-Ampel der Gesundheitsagentur ECDC nicht berücksichtigt werden. Nachdem jedoch andere Länder zum Beispiel abweichende Vorgehensweisen beim Umgang mit asymptotischen Kontaktpersonen haben, bildet die EU-Ampel die Corona-Lage nicht wirklich vergleichbar ab. Dieser Hinweis mit Vermerk „Wintertourismus“ sorgte für Kritik vonseiten der SPÖ und der NEOS. Letztere wiesen am Dienstag ebenfalls auf die Unvergleichbarkeit innerhalb der EU hin. Die dafür verantwortlichen Teststrategien sollen zumindest laut einer Erklärung beim EU-Gipfel vom vergangenen Freitag in Zukunft besser koordiniert werden.

Für ein europaweit einheitliches Vorgehen sprach sich auch Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) aus, die Ideen zu einem Verzicht auf Tests bei K1-Personen unterstützte er aber nicht: Für die Betroffenen habe es sehr wohl einen Mehrwert, zu wissen, ob sie Corona-positiv seien oder nicht. Virologin Laer wies im Mittagsjournal zudem darauf hin, dass laut Studie 20 bis 45 Prozent der Infizierten asymptomatisch seien, aber zur Verbreitung des Virus beitragen würden, darum sei die Teststrategie mit K1-Personen richtig.

In Deutschland ist die Testung asymptomatischer Kontaktpersonen etwa jeweils eine Einzelfallentscheidung durch die Gesundheitsbehörden: Von Tests bei Personen, die nicht Teil der Teststrategie sind, wird vonseiten des Robert Koch-Instituts ausdrücklich abgeraten. Testen ohne begründeten Verdacht erhöht das Risiko falsch-positiver Ergebnisse und belaste die vorhandene Testkapazität.

Die Neuerungen zur Teststrategie in Österreich werden am morgigen Mittwoch bei einer Pressekonferenz mit dem Gesundheitsminister präsentiert. Thema ist die vergangene Woche beschlossene Erweiterung der Strategie mit der schnelleren Nachweise-Variante Antigen-Verfahren und ihre Anwendung in Hausarztpraxen.