Corona-Krise

Überforderung statt Liebeskummer bei "Rat auf Draht"

Die Corona-Pandemie belastet Kinder und Jugendliche weiterhin stark. Das bezeugen Anrufe bei „147 - Rat auf Draht“: „Statt über Liebeskummer oder die erste Reise ohne Eltern führen unsere Berater und Beraterinnen immer mehr Gespräche zu Überforderung, Gewalt oder Essstörungen“, erzählte Leiterin Birgit Satke. 205 Prozent mehr Beratungen verzeichnete die Jugend-Telefonhilfe im Vergleich zu 2019 – vor der Pandemie – etwa zum Thema Überforderung in der Schule.

red/Agenturen

Dieses Thema wuchs damit am meisten an. 144 Prozent mehr Beratungen gab es außerdem zum Thema Schlafstörungen, 86 Prozent mehr zu Alkoholkonsum in der Familie sowie 77 Prozent mehr zu psychischer Gewalt in der Familie. 53 Prozent mehr Anrufe erhielt „147“ zu den Themen psychische Gewalt in Beziehungen und Essstörungen. Und auch bei Suizidgedanken gab es einen Anstieg von elf Prozent.

Dramatik nahm zu

Dramatik und Dringlichkeit der Themen, mit denen sich die Anrufer an „Rat auf Draht“ wenden, hätten seit Beginn der Pandemie stark zugenommen. Es brauche eine bessere psycho-soziale Versorgung für die Jungen. „Niedrigschwellige Beratungsformate, wie die Rat auf Draht Chat-Beratung, haben sich gerade im Lockdown bewährt, wenn Jugendliche keine Möglichkeit hatten, ungestört zu telefonieren. Unser kürzlich durchgeführtes Pilotprojekt der 'Peer2Peer' Beratung hat gezeigt, wie wichtig es für Jugendliche ist, sich auch in der gleichen Altersgruppe über ihre Probleme auszutauschen“, stellte Satke fest.

Niederschwellige Angebote ausbauen

Ihr erster öffentlicher Termin führte am Donnerstag auch Jugendstaatssekretärin Claudia Plakolm (ÖVP) zur Telefonhilfe. „Wir müssen jedenfalls schauen, dass wir so niederschwellige Angebote, die von jungen Menschen gut angenommen werden, ausbauen können“, nahm sie auf die Chat-Beratung Bezug. Jeder junge Mensch solle außerdem "147 als seine Notrufnummer kennen".