Wie zwei Eiweißfinger Recyclingmaschinen in Zellkerne befördern

Zwei fingerförmige Greifer aus dem Eiweißstoff „Akirin2“ transportieren die Recyclingmaschinen der Zellen (Proteasome) in die Zellkerne, berichtet Johannes Zuber vom Institut für Molekulare Pathologie (IMP) in Wien mit Kollegen. Dort machen sie überzählige und überaktive Subjekte unschädlich, die zum Beispiel Krebs auslösen könnten.

red/Agenturen

Das erklären die Forscher im Fachjournal „Nature“. „Unserer biochemischen Analyse zufolge formiert sich Akirin2 zu einem Paar, das ein bisschen wie zwei Finger aussieht, die sich am Proteasom festmachen und es in den Zellkern tragen“, so die Forscher in einer Aussendung des IMP. Das wäre vor allem wichtig, wenn nach einer Zellteilung neue Zellkerne entstehen. Dann importiert Akirin2 die Recyclingmaschinen dorthin, damit sich keine potenziell schädlichen Substanzen darin ansammeln.

Eine davon ist der Eiweißstoff „MYC“. Er ist ein wichtiger „Genverstärker“ in gesunden Zellen, fördert aber Krebs, wenn er überaktiv ist. Fehlt „Akirin2“, gibt es übermäßig viel davon im Zellkern, berichten die Forscher. Aber auch andere Stoffe, die eigentlich abgebaut werden sollten, reichern sich dann dort an. Indem man die Interaktion von „Akirin2“ und den Proteasomen medikamentös manipuliert, könne man eventuell neue Krebstherapien entwickeln, meinen die Wissenschafter.