Deutschland

10.000 Menschen warten auf ein Spenderorgan

Zur abschließenden Beratung stand am Donnerstag ein Gesetzentwurf von Deutschlands Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) auf der Tagesordnung des Deutschen Bundestags, mit dem die Chancen auf ein Spenderorgan für die rund 10.000 Menschen auf der Warteliste steigen sollen.

red/Agenturen

Alle acht Stunden stirbt nach Angaben des deutschen Gesundheitsministeriums ein Mensch, weil er zu lange auf ein passendes Spenderorgan warten musste.

DER TRANSPLANTATIONSBEAUFTRAGTE

In den Kliniken in Deutschland sollen die Transplantationsbeauftragten für ihre Aufgabe freigestellt werden. Für jede Intensivstation in einem Krankenhaus soll es einen solchen Beauftragten geben, er muss hinzugezogen werden, wenn ein Patient nach ärztlicher Beurteilung als Organspender infrage kommt. Die Kosten für die Freistellung bekommen die Krankenhäuser vollständig wieder.

VERGÜTUNG FÜR DIE KRANKENHÄUSER

Krankenhäuser in Deutschland werden künftig besser für eine Organentnahme vergütet. Zudem bekommen Entnahmekrankenhäuser einen Zuschlag, da sie Ärzte und Pfleger ebenso wie Apparate oder den Operationsaal für Organspenden einplanen und zur Verfügung stellen müssen.

BUNDESWEITER BEREITSCHAFTSDIENST

Damit auch kleinere Kliniken in Deutschland Spenderorgane entnehmen können, soll bundesweit ein neurologischer Bereitschaftsdienst eingerichtet werden. Dieser soll gewährleisten, dass jederzeit flächendeckend qualifizierte Ärzte zur Feststellung des Hirntodes zur Verfügung stehen. Dies ist Voraussetzung für die Entnahme eines Organs.

UNTERSTÜTZUNG FÜR ANGEHÖRIGE

Künftig gibt es eine rechtliche Grundlage in Deutschland für den Austausch von anonymisierten Schreiben zwischen Organempfängern und den nächsten Angehörigen der Organspender. Ein solcher Austausch sei vielen Betroffenen ein besonderes Anliegen, begründet Spahn diese Neuregelung.

NEUERUNGEN FÜR ORGANSPENDER

Nicht enthalten in dem Entwurf ist die von Spahn gewünschte Widerspruchslösung, derzufolge jeder als potenzieller Spender behandelt wird, der oder dessen Angehörige nicht ausdrücklich widersprechen. Über eine solche mögliche Neuregelung entscheidet der Bundestag erst später.

Organtransplantation
Seit Jahren herrscht ein Mangel an Spenderorganen. In Deutschland standen zuletzt 9.400 Patienten auf den Wartelisten für eine Organtransplantation.
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